Akademiker

Was will ich eigentlich werden?

Sindy Hein / Zeit.de
Die Frage nach dem Job kann lästig sein. Denn nicht alle Studenten wissen, in welchem Beruf sie später arbeiten wollen. Absolventen, die unterschiedlich lange nach der passenden Tätigkeit gesucht haben, berichten von ihren Erfahrungen.
Wo soll es nach dem Studium hingehen?Foto: © drizzd - Fotolia.com
Der Job ist auch Prestigeobjekt. Es geht um Image und Selbstwertgefühl. Wer lange nach dem Studienabschluss nach der ersten Anstellung sucht, dem kann die Bewerbungsendlosschleife allerdings an die Nieren gehen. "Ich war schlicht überfordert", erzählt die 32-jährige Christine Müller. 2006 schloss die junge Frau ihr Studium als Diplom-Innenarchitektin ab. "Kurz nach dem Studium wusste ich überhaupt nicht, wie es weitergehen soll, in welche Richtung ich will", erinnert sie sich. "Möchte ich Messebau machen oder eher Denkmalsanierung, Wohnungen einrichten, Büros, Krankenhäuser oder Schulen planen? Ich hätte auch noch mal ein Aufbaustudium machen können, ins Ausland gehen oder im Küchenstudio anfangen können."
Viele Möglichkeiten, wenige JobsDer Vielzahl an Möglichkeiten stand jedoch nur eine begrenzte Anzahl echter Jobs gegenüber. Letztlich reiste die Berlinerin für einige Monate nach Australien, wo sie in verschiedenen Architektenbüros Erfahrungen sammelte. Zurück in Deutschland machte sie sich selbstständig und richtete Büros ein. Inzwischen hat sich die Freiberuflerin auf Altbausanierung spezialisiert und plant heute den Umbau alter Fabrikgebäude zu modernen Loft-Wohnungen.Auch Nele Lindemann wusste nach ihrem Studium zur Betriebswirtin nicht genau, in welchem Bereich sie arbeiten wollte. "Ich hatte im Studium noch keine konkrete Vorstellung, wie mein Beruf exakt aussehen könnte", sagt sie. Also machte sie bereits studienbegleitend verschiedene Praktika und absolvierte nach einem mehrmonatigen Auslandsaufenthalt in England ein weiterführendes MBA-Studium. "Ich wusste immer, dass ich in meinem zukünftigen Job Verantwortung tragen und mit Menschen arbeiten möchte. Meine praktischen Erfahrungen und das Aufbaustudium haben mir geholfen, herauszufinden, worin meine Stärken liegen." Heute arbeitet sie als Senior Manager Education and Development in der Personalabteilung eines internationalen Unternehmens.Die erste berufliche Sinnkrise?Auch wem der Einstieg ins Berufsleben leicht gelingt, kommen Zweifel. Die Diplom-Kauffrau Simone Bartels fand rasch nach ihrem Abschluss eine Festanstellung. Mittlerweile ist sie Teamleiterin in einem Münchner Medienunternehmen. Doch hin und wieder kommen der 33-Jährigen Zweifel, ob der eingeschlagene Karriereweg der richtige war. "Manchmal denke ich, es ging alles viel zu schnell. Es wird einem ja immer vermittelt, dass einem die Welt offen steht und man so viele Möglichkeiten hat. Das kann einen aber auch ganz schön überfordern", sagt sie. Dann überlegt sie, alles aufzugeben und noch einmal etwas ganz anderes zu machen und fragt sich, ob dies nun eine erste berufliche Sinnkrise ist? "Auf der einen Seite denke ich: Was mache ich hier eigentlich? Auf der anderen Seite aber schlägt mein Herz für meinen jetzigen Job, in dem ich schon viel erreicht habe."

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