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Studium

Was kommt nach dem Bachelor?

Dorothee Fricke
Master oder Praxis - vor dieser Wahl stehen viele Bachelor-Studenten. Für die meisten ist klar, dass dieser Abschluss nur die erste Etappe sein soll. Doch was ist nach dem Bachelor möglich? Wir stellen Ihnen Unternehmen vor, die ihren Absolventen beides bieten.
Philipp Gauß macht bei Bosch ein Pre-Master ProgrammFoto: © Andy Ridder
Der Bachelor-Student hat's nicht leicht: Knapp drei Jahre dauert sein Studium nur, dann schon muss er eine folgenschwere Entscheidung treffen. Ab in die Praxis - oder direkt den Master dranhängen? Zwei, drei Jahre arbeiten - und dann zurück an die Uni? 23400 Bachelor-Absolventen an deutschen Hochschulen hatten im vergangenen Jahr die Qual der Wahl; in diesem Jahr werden es noch einige mehr sein. Für die meisten ist klar: Der Bachelor soll nur eine erste Etappe sein. Laut einer Umfrage des Hochschul-Informations-Systems HIS streben drei Viertel der Studenten noch einen Master an - weil sie das Gefühl haben, noch nicht genug gelernt zu haben.Oder auch, weil sie unsicher sind, ob sie allein mit dem neuen Kurzstudium auf dem Arbeitsmarkt bestehen. Der Trend ist verständlich. Zwar heißt es in vielen Unternehmen mittlerweile, dass Bachelor-Absolventen willkommen sind. Auf sie zugeschnittene Einstiegsprogramme oder klare Aussagen, ob später eine Freistellung für den Master oder ein berufsbegleitendes Studium möglich sind, fehlen jedoch häufig. Einige Firmen sind immerhin schon weiter: Mit neuen Angeboten, Stipendien, Job-Garantien und berufsintegrierenden Studiengängen wollen sie sich die besten Kandidaten früh sichern. Vor allem für Studierende der Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften und der Informatik lohnt sich der Blick auf die hier vorgestellten Programme.

Die besten Jobs von allen

Modell Bosch: Praxis. Plus im Pre-Master-ProgrammPraxis, aber kein mies bezahltes Praktikum? Und sechs bis zwölf Monate nach dem Bachelor mit dem Master starten? Wer das möchte, der ist möglicherweise im neuen Pre-Master-Programm von Bosch gut aufgehoben. Das Konzept: Die Absolventen arbeiten bis zu einem Jahr im Unternehmen, danach geht es zum Master an eine selbst gewählte Hochschule. Optional können sie während des Studiums als Werkstudent weiter arbeiten, auf jeden Fall steht den Teilnehmern das Programm Students@Bosch offen. Von einem Mentor können sie sich jederzeit Karrieretipps holen. Mit dem Paket hofft das Unternehmen, besser auf die Bedürfnisse der Bachelor-Absolventen zu reagieren als die Konkurrenz. "Wir haben gemerkt, dass unsere bisherigen Instrumente nicht mehr ausreichen", sagt Britta Bannas, Teamleiterin Bindungsprogramme, die das Pre-Master-Programm konzipiert hat. Viele Studenten wollen nach dem Bachelor zwar noch einmal einen Betrieb kennenlernen, möchten sich aber ungern gleich festlegen. "Deshalb haben wir das Pre-Master-Programm so flexibel wie möglich gestaltet."

Nach dem Bachelor kommt für viele der Master. Welche anderen Möglichkeiten bieten sich den Absolventen?Diese Flexibilität war auch Philipp Gauß, der Ende September als einer der ersten Pre-Master-Kandidaten angefangen hat, sehr wichtig. Der 24-Jährige hat seinen Bachelor in BWL mit Schwerpunkt Automotive an der Hochschule Geislingen gemacht und Bosch bereits während eines Praktikums kennen gelernt Jetzt arbeitet er am Standort Abstatt bei Heilbronn im Projektmanagement. Seine Spezialisierung: Softwarelösungen für die KFZ-Sicherheit. "In einigen Monaten werde ich mit meinem Mentor überlegen, ob ich noch weitere Teile des Unternehmens kennenlernen will oder schon mit dem Master starte."Der Unterschied zwischen einem PreMaster-Programm und einem Praktikum während des Studiums liegt nicht nur in der Bezahlung - 1900 Euro gibt es während der Unternehmensphase -, sondern auch in den Aufgaben: "Ich habe das Gefühl, dass ich stärker auf eigenen Füßen stehe und mehr Verantwortung trage", sagt Gauß. Etwa 50 Pre-Master-Stellen will Bosch in der ersten Phase besetzen. Die meisten laufend ausgeschriebenen Vertiefungen richten sich an junge Ingenieure, seltener sind BWLer, Informatiker oder Physiker gefragt. "Grundsätzlich ist es auch möglich, sich initiativ für eine Wunschabteilung zu bewerben", sagt Britta Bannas. Die Erfolgschancen seien jedoch bei einer ausgeschriebenen Stelle höher. Eine Verpflichtung, auch nach dem Studium zu Bosch zurückzukehren, gibt es nicht. Aber natürlich hofft das Unternehmen, möglichst viele Pre-Master später an sich binden zu können.

Dieser Artikel ist erschienen am 01.11.2008
 

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