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Geld, Image, Fachkräfte

Was eine Hochschule einer Region bringt

Diana Fröhlich
Studien zeigen, dass eine neue Bildungseinrichtung Städte und Gemeinden positiv verändern kann – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
 Foto: Jenafoto/Pixelio

Investitionen in Lernen, Wohnen, Leben

Was bringt die Gründung einer Hochschule einer Region? Hat eine solche Ansiedlung neben dem Imagegewinn, der Bindung von Fachkräften an ihre Heimat und dem Wissenstransfer auch eine nachhaltige ökonomische Bedeutung? Zahlreiche Wissenschaftler haben sich bereits mit dem Thema beschäftigt – je nach Standort mit unterschiedlichen Ergebnissen

„Es hat sich gezeigt, dass eine Hochschule zwischen 1,50 und 2,40 Euro zusätzliche Kaufkraft je investiertem Euro bringt. Allerdings muss man für diese Berechnungen so viele Annahmen treffen, dass die Aussagen recht vage werden“, sagt Christian Berthold, Geschäftsführer der Hochschul-Beratungsgesellschaft CHE Consult

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Forscher der Universität St. Gallen haben in einer Studie die regionalwirtschaftlichen Effekte der drei Hochschulen im Schweizer Kanton Luzern untersucht. Und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sie einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor vor Ort darstellen. Rund 80 Millionen Schweizer Franken (etwa 63 Millionen Euro) wurden im Jahr 2005 aufgrund der wirtschaftlichen Tätigkeit der Hochschulen, der Ausgaben der Studenten und von Teilnehmern öffentlicher Veranstaltungen direkt im Kanton Luzern umgesetzt. Knapp die Hälfte der Summe haben die Studenten fürs Lernen, Wohnen und Leben ausgegeben

Erhöhte Standortqualität

Und: Die langfristigen Effekte einer Hochschulansiedlung machen sich vor allem in der höheren Standortqualität bemerkbar. Kooperationen mit Unternehmen sorgen dafür, dass zum einen Fachkräfte in der Region bleiben und nicht in beliebtere Metropolen abwandern. Zum anderen werden Hochqualifizierte von der Region und ihren Möglichkeiten nach Studienabschluss angezogen

In Deutschland haben sich Wissenschaftler vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren mit den regionalwirtschaftlichen Effekten von Hochschulgründungen beschäftigt – zu einer Zeit, als im ganzen Land Universitäten gebaut wurden. Damals wie heute gilt: Es gibt viele Faktoren, die den Erfolg beeinflussen.

Eine Hochschule sollte ihre Studiengänge den Branchen anpassen, die lokal auch gefragt sind. Und: „Ob eine Region profitiert, hängt nicht nur von der Wirtschaftsstruktur, der Anzahl der Bevölkerung und dem Arbeitsmarkt vor Ort ab“, sagt Rolf Sternberg, Professor für Wirtschaftsgeografie an der Leibniz-Universität in Hannover. „Sondern auch vom Typ und der Größe der Hochschule.“
Dieser Artikel ist erschienen am 25.05.2011
 

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