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Generationenkonflikt

"Warum soll ich Ihren Spaß finanzieren?"

L. Borghardt, P. Nederstigt
Im Konflikt zwischen Alt und Jung geht es zur Sache. Der Generationenvertrag droht, Makulatur zu werden. Horst Albach, 72, Mitgründer der Koblenzer WHU, und der Kölner Student Klemens Himpele, 25, sagen warum. Zwei Generationen im Schlagabtausch.
Ist der Generationenvertrag gefährdet?Foto: © Marzanna Syncerz - Fotolia.com
Junge Karriere: Professor Albach, Sie haben ab 1952 BWL in Köln studiert. Wie war das damals?Horst Albach: Es gab vier BWL-Lehrstühle für 6.000 Studenten. Die so genannte Scheune, wo heute die Bibliothek steht, fasste 1.300 Studenten und war immer rappelvoll. Da geht es Ihnen heute doch besser, Herr Himpele.

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Klemens Himpele: Mir fehlt zwar der direkte Vergleich. Aber was ich derzeit in Köln sehe, ist erschreckend. Auf einen Professor kommen 127 Studenten. Noten werden so spät veröffentlicht, dass man das nächste Semester nicht planen kann. Seminarplätze werden zum Teil verlost.Dauert das Studium deshalb doppelt so lang wie in den 50er Jahren?Himpele: Das eine ist die Struktur. Das andere das Jobben. Zwei Drittel der Studierenden arbeiten 20 Stunden die Woche.Albach: Viele studieren aber auch nicht mehr so hart wie wir. Die Generation der Kriegsteilnehmer war froh, dass sie überhaupt studieren konnte, und wir "weißen Jahrgänge" auch. Insgesamt studierten nur fünf Prozent eines Jahrgangs.Haben Sie auch gearbeitet, um sich beispielsweise Reisen erlauben zu können?Albach: Ferienreisen? Daran hat keiner gedacht. Die meisten mussten arbeiten. Wir haben ja noch Studiengebühren bezahlt.Himpele: Das ist doch eine Neiddebatte! Natürlich reisen heute durch das Wirtschaftswachstum alle mehr als vor 30 Jahren. Aber darüber sollten wir uns freuen. Die Diskussion um Generationengerechtigkeit verdeckt die eigentliche Frage: nämlich wie man das Produktivitätswachstum verteilen soll.Professor Albach, sind die Studenten verwöhnt?Albach: Ja, sie wollen sich dem Rechtfertigungsdruck entziehen, dass sie einen Anteil am Produktivitätswachstum beanspruchen. Wir wollten damals für uns und die Gesellschaft etwas tun und das Geld zurückzahlen, das in uns gesteckt wurde.Himpele: Aber das Studium generiert doch gesellschaftlichen Fortschritt.Wo wäre Deutschland ohne seine Universitäten?Albach: Mit 50 Prozent privaten Hochschulen stünden wir viel besser da. Die Universität ist keine Vergnügungsanstalt, sondern vermittelt und entwickelt Fachwissen. Das bewirkt Produktivitätswachstum.Den Besuch einer Privatuni wird sich aber nicht jeder leisten können...Himpele: Genau. Für mich ist Bildung eine öffentliche Aufgabe.Albach: Aber doch nicht bis zum 30. Lebensjahr! Jeder junge Mensch hat die Verantwortung, sein Studium durch Studiengebühren zu finanzieren.Himpele: Und diejenigen, die es sich nicht leisten können, haben Pech gehabt. In keinem anderen OECD-Land hängt die Bildungsmöglichkeit stärker von der materiellen Basis ab als bei uns.Albach: An der WHU wird keiner vom Studium abgehalten. Wer die Gebühren nicht aufbringen kann, erhält ein Stipendium oder einen zinsgünstigen Kredit.Himpele: Stipendien! Eine alte Elite bestimmt, wer was warum studieren darf.Albach: Das Argument habe ich von "grünen" Bildungspolitikern immer wieder gehört. Aber Sie müssen mir schon sagen, warum ich Ihr Studium finanzieren soll, obwohl Sie das durchaus selbst könnten.Himpele: Das tun Sie nicht.Albach: Doch. Ich zahle Steuern, aus denen das Bildungssystem finanziert wird.
 

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