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Hochschule St. Gallen

Wandlung für den exzellenten Ruf

Stefani Hergert, Handelsblatt
Die Hochschule St. Gallen hat einst die Betriebswirtschaftslehre reformiert und so aus der Schweizer Kleinstadt das Zentrum der deutschsprachigen Management-Ausbildung gemacht. Nun steht die Lehre in St. Gallen wieder vor einer Zäsur. Die Universität muss sich neuerlich wandeln, um ihren exzellenten Ruf zu bewahren.

Foto:  Jeremias Münch/Fotolia.com

Zwei ganz verschiedene Meinungen

Der eine schwärmt von ehemaligen Studenten wie Josef Ackermann als idealtypischem Absolventen, der Karriere gemacht und der Gesellschaft gedient hat, weil er nachhaltig handelte. Der andere indes hat schon vor Jahren mit einem starren und kalten Wirtschaftssystem abgerechnet, das auch durch Manager wie den langjährigen Deutsche-Bank-Chef Ackermann vertreten wird.

Zwei Kilometer Luftlinie trennen die beiden Herren, ihre Gedanken aber wohl Lichtjahre.

Thomas Bieger, der Ackermann-Fan, ist Rektor der Universität St. Gallen. Fredmund Malik, der Systemkritiker, ist Management-Berater in St. Gallen und war selbst lange an der Wirtschaftsuniversität tätig. Noch heute wird der "Professor Malik" von vielen Externen direkt mit der Hochschule in Verbindung gebracht. Biegers Uni und Maliks Beratung haben dazu beigetragen, den Ruf des Städtchens in der Schweiz zu mehren als beste Ausbildungsstätte für Spitzenmanager im deutschsprachigen Raum.

Und indem sie beide so unterschiedliche Meinungen vertreten, stehen sie doch wieder für etwas gemeinsam: Das Spannungsverhältnis, in dem sich die Management-Ausbildungsstätte wie viele andere Wirtschaftshochschulen derzeit befindet.

Strahlkraft einer "Marke"

Die Finanzkrise hat am Image aller Business-Schools gekratzt und die Sinnfrage gestellt. Die St. Galler suchen nun zwischen dem Ruhm als Hochschule für den Führungsnachwuchs und den eigenen akademischen Ansprüchen einen Weg in eine Zukunft. Und der könnte in ihre eigene Vergangenheit weisen.

St. Gallen ist nicht irgendeine Stadt, St. Gallen ist eine Marke. Wie Persil für Waschmittel und Porsche für Design steht, steht St. Gallen für die Ausbildung exzellenter Manager. In der 70.000-Einwohner-Stadt in der Ostschweiz studierte nicht nur Josef Ackermann, dort legten auch der neue Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Paul Achleitner, und seine Frau, die Professorin und Multiaufseherin Ann-Kristin, ihre Prüfungen ab, ebenso Commerzbank-Chef Martin Blessing und dessen Frau, Goldman-Sachs-Partnerin Dorothee, Fresenius-Chef Ulf Schneider und etliche Mitglieder deutscher Familiendynastien.

Von der Strahlkraft dieser Marke lebt eine ganze Industrie. Ausgehend von der Universität als Keimzelle, haben sich mehr als 100 Institute, Weiterbildungs- dienstleister und Managementberater angesiedelt, die sich fast alle rühmen, nach der Methode der Universität zu lehren, zu beraten, zu bilden. Viele derer, die sich als Berater und Trainer niederließen, haben selbst einmal an der Uni studiert, etliche sind Professoren.

"Management Valley" haben Marketingstrategen das Tal getauft, dessen Erfolg sich nur auf eines zurückführen lässt: Die 1898 als Handelsakademie gegründete Hochschule für Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften heute schlicht Universität St.Gallen. Das Kürzel HSG aber ist geblieben.

Ohne sie wäre das Management-Valley nicht mehr als eine Ansammlung alter Jugendstilvillen aus der Boomzeit der Textilbranche mit goldenen Schildern an den Eingangspforten und kühler Seminarraumatmosphäre im Inneren.

Rektor ohne Allüren

"Insgesamt stärkt dieser Cluster den Standort wirtschaftlich und imagemäßig", sagt Uni-Rektor Thomas Bieger. Auf dem Rosenberg oberhalb der Stadt, wo die Uni in grauen – aber wegen ihrer 60er-Jahre-Architektur berühmten – Betonbauten ihr Domizil hat, empfängt Bieger in einem spartanisch eingerichteten, nüchternen Büro in dunklem Holzton.

So unprätentiös wie seine vier Wände ist auch der Rektor, Allüren sind dem Tourismusprofessor fremd. Wenn er ein Detail erklären will, greift er in einen der wenigen Wandschränke, zieht einen Ordner hervor und sucht das Gewünschte heraus. "St. Gallen steht nicht nur für eine Institution, sondern für einen Orientierungsrahmen", sagt Bieger. Und vor dem verneigt sich selbst Management- Berater Fredmund Malik. Mit einer "mutigen akademischen Tat", sagt Fredmund Malik – und in seiner Stimme schwingt höchste Anerkennung mit – ist St. Gallen vor etwa 40 Jahren berühmt geworden.

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