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Die jüngsten Umfragen belegen, dass die großen Autobauer immer noch zu den beliebtesten Arbeitgebern Deutschlands gehören.
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Ingenieure in der Automobilindustrie

Vom Traumjob zum Albtraum?

Teil 2: Schieflage der Autoindustrie verunsichert angehende Ingenieure

Doch nach den immer neuen Skandalen zeigt sich, dass die Schieflage der Autoindustrie nicht nur Kunden und Mitarbeiter verunsichert, sondern ebenfalls Studenten, die bald einen Job suchen. Bei ihnen gerät die einst unerschütterliche Erkenntnis ins Wanken, Jobs in der Autoindustrie seien das Größte, Beste, Sicherste.

Gerade diejenigen, die sich auf Verbrennungs- und insbesondere Dieselmotoren spezialisiert haben, fragen sich: Hat das heute überhaupt noch einen Sinn?

Evolution oder Revolution?

Christof Kerkhoff ist in der Frage von Berufs wegen optimistisch. "Im Jahr 2030 wird es weltweit mehr Verbrennungsmotoren geben als heute", sagt der Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik (FVT), "Besonders wenn es um die Segmente ab Lieferwagen aufwärts geht, wird man Verbrenner noch brauchen." Auch wenn etwa Hersteller wie Volvo sagten, sie verabschiedeten sich von Verbrennungsmotoren, seien bei der Fertigung der stattdessen eingesetzten Hybridtechnik noch die gleichen Spezialisten gefragt.

Grundsätzlich müsse man trotz der aktuellen Turbulenzen von einer evolutionären Entwicklung der Technologie ausgehen. Das heißt, aktuelle Motoren werden weiter verbessert und effizienter, fossile Brennstoffe könnten durch umweltfreundlicher hergestelltes Benzin ersetzt werden. Das wäre für die Studierenden kein Problem, sagt Kerkhoff.

"Schwieriger wird es, wenn etwas Ähnliches passiert wie in der Energiebranche nach Fukushima", so der VDI-Mann. Dann hieße es Revolution statt Evolution. Träfe man dann den politischen Entschluss "Ab morgen fährt alles elektrisch", könnte es für Dieselexperten schwerer werden.

Wissen anders angewandt

Doch auch dann betrachtet Anja Robert das Wissen der Studenten nicht als überflüssig. "Ingenieure haben grundsätzlich gelernt, naturwissenschaftliche Grundlagen zur Entwicklung von technischen Lösungen und Entwicklungen einzusetzen", sagt die Leiterin des Career Service der RWTH Aachen. Dies gelte auch weiterhin für Verbrennungsmotoren. Denn die Naturgesetze, auf denen die Ingenieurwissenschaft basiert, ändern sich so schnell nicht. Spezielles Fachwissen sei zwar auch wichtig, aber man wisse eben nicht, welches genau in Zukunft gefragt sein wird, weil niemand weiß, welche Technologie dann vorherrscht.

So sieht das auch Karin Makowski. "Man lernt an der Uni ja nichts Falsches", sagt die Ingenieurin, "Das Wissen wird trotzdem noch angewendet werden, nur wahrscheinlich in einem anderen Kontext." Auch deshalb hat sie das breitere Feld der Fahrzeugtechnik zum Schwerpunkt für ihren Master gemacht und nicht nur die Motorenentwicklung. Anfangs fand sie es noch eher unbefriedigend, von allem ein bisschen zu lernen, aber nichts wirklich zu vertiefen. "Heute hilft es mir aber ungemein."

Makowski ist da ganz pragmatisch. Eine gute Voraussetzung für eine Ingenieurin.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

Dieser Artikel ist erschienen am 02.08.2017
 

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