Erfahrungsberichte

Viele Wege führen zum Traumjob

Katrin Heine, Katja Stricker
Auch Jan Bielak und Nadja Babalola bestätigen, wie schwierig es ist, neben dem Studium zu jobben. „Ich arbeite seit dem dritten Semester als studentische Hilfskraft an einem Lehrstuhl. Einige meiner Kommilitonen jobben am Wochenende. Mehr geht nicht, wenn man das Studium in sechs Semestern schaffen will", sagt Jan. Und Nadja ergänzt: „Ich werde richtig wütend, wenn ich das Vorurteil vom faulen Studenten höre. Wir haben fast keine Zeit für Nebenjobs und schon gar nicht dazu, auf dem Sofa rumzugammeln."Trotz knapper Kasse während der Studienjahre lohnt sich ein Hochschulabschluss finanziell zumindest langfristig. Durchschnittlich verdienen Akademiker deutlich mehr als Arbeitnehmer mit abgeschlossener Lehre. Christian Näser, Vergütungsexperte bei Kienbaum Consulting erklärt außerdem, dass für Jobs im Management großer Unternehmen ein Hochschulabschluss die Grundbedingung ist. „In den Vorständen sitzen nur Leute mit abgeschlossenem Studium. Viele haben zusätzlich promoviert."Beste Ausgangspositionen für eine Karriere inklusive gutem Gehalt hätten nach wie vor Wirtschaftswissenschaftler, Juristen und Wirtschaftsingenieure. „Auch für eine Beamtenlaufbahn im höheren Dienst braucht man einen Hochschulabschluss", sagt Näser und ergänzt: „Für Germanisten ist der Berufsstart in der freien Wirtschaft vielleicht etwas schwieriger, aber wer ihn gemeistert hat, kann genauso Karriere machen. Nach dem Studienfach fragt dann keiner mehr."Für Abiturienten, die von der Theorie erst mal die Nase voll haben, bietet aber auch eine Ausbildung gute Chancen. Im Vergleich zu Haupt- und Realschülern haben sie beim Wettlauf auf die Ausbildungsstellen die bessere Startposition und können ihre Lehre meist verkürzen. So kommt es, dass ein Fünftel aller Azubis, die 2008 ihre Ausbildung begannen, ein Abi-Zeugnis vorlegen konnten. Besonders viele Abiturienten sind unter den angehenden Bank- und Industriekaufleuten sowie den Kaufleuten für Versicherung und Finanzen.Erst Ausbildung, dann StudiumNach der Ausbildung wartet der Einstieg ins Berufsleben und ein regelmäßiges Gehalt. Aber auch Studieren ist jetzt noch mal eine Option. Schließlich können Azubis nach ihrer Lehre problemlos an die Uni wechseln. Ihre Berufserfahrung kann ihnen sogar helfen, den praktischen Bezug eines theoretischen Modells leichter zu durchschauen als ihre Kommilitonen.Auch die angehende Reiseverkehrskauffrau Steffi Bäumler denkt über ein vertiefendes Studium im Anschluss an ihre Ausbildung nach. „Im Moment möchte ich gerne im Unternehmen bleiben, aber ganz ausschließen würde ich ein Studium nicht", sagt sie.An alle Abiturienten mit Bammel vor den Entscheidungen, die sie zum Ende der Schulzeit treffen müssen, richtet sich der Appell von Diplom-Psychologin Claudia Ellermann: „Den einzigen richtigen Weg gibt es sowieso nicht." Wer nach dem Abitur trotzdem einfach nicht weiß, was für ihn das Richtige ist, sollte sich die Zeit nehmen, es herauszufinden. Ein Jahr im Ausland als Aupair oder mit Work&Travel, Zivildienst, Bundeswehr oder ein freiwilliges soziales Jahr: Es gibt viele Möglichkeiten, sich nach der Schule mit etwas ganz anderem zu beschäftigen und Talente und Interessen zu erkennen, die im Lernstress untergegangen sind.„Bei den ganzen Jobs, die ich nach dem Abi gemacht habe, habe ich genau gemerkt, was gerade nicht das Richtige ist", sagt Nadja Babalola. „Auch das hat mir enorm weitergeholfen." Sie warte immer noch darauf, dass jemand sie mal auf ihre Lücke im Lebenslauf nach der Schule anspreche, erzählt sie lachend. „Aber ich kann so überzeugend schildern, dass ich den richtigen Weg zu meinem Traumjob gefunden habe, dass niemand fragt."

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