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Erfahrungsberichte

Viele Wege führen zum Traumjob

Katrin Heine, Katja Stricker
Studium? Ausbildung? Oder beides? Nach dem Abitur die richtige Entscheidung zu treffen, ist nicht einfach. Doch viele Wege führen nach Rom. Wie viele Möglichkeiten es gibt und welche Erfahrungen man auf diesem Weg machen kann, erfahren Sie hier.
Nach dem Abi gibt es viele MöglichkeitenFoto: © Kaarsten - Fotolia.com
Steffi Bäumler hat schon im Alter von fünf Jahren mit ihrer Cousine Reisebüro gespielt. „Wir haben uns alte Kataloge gesucht und ein Headset gebastelt", erinnert sich die 21-Jährige. Dass sie später mal in der Tourismusbranche landen würde, stand deshalb schon früh fest. Nach dem Abi hatte sie bereits einen Studienplatz für Tourismusmanagement ergattert, als sie sich für einen anderen Weg entschied.„Nach einem Vortrag einer Mitarbeiterin von Rewe Touristik sagte mein Bauchgefühl, dass eine Ausbildung dort das Richtige für mich sei", erzählt Steffi. „Hier kann ich die Branche mit allen Facetten von Grund auf kennenlernen." Seit zwei Jahren macht sie eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau bei Rewe Touristik (ITS, Jahn Reisen, Tjaereborg) und hat ihre Entscheidung bisher nicht bereut.

Die besten Jobs von allen

Von dieser Zielstrebigkeit und vor allem der Sicherheit zu wissen, was beruflich das Richtige ist, können die meisten Oberstufenschüler nur träumen. Wie finde ich die richtige Ausbildung oder das richtige Studium? Welcher Beruf passt wirklich zu mir? Und was antworte ich Tante Erika und den Nachbarn auf die Frage, die immer häufiger kommt, je näher der Schulabschluss rückt: „Weißt Du schon, was Du nach dem Abitur machen willst?"Ein überwältigendes AngebotAndreas Schüler von der Arbeitsagentur in Kiel berät Abiturienten bei der Berufswahl und sagt: „Rechtzeitig kümmern entspannt enorm." Doch er weiß, dass die vermeintliche Fülle von Möglichkeiten viele angehende Abiturienten ausbremst. Der Abi-Jahrgang von 2009 hatte die Qual der Wahl zwischen dem Angebot von 410 Hochschulen, 8980 grundständigen Studiengängen und fast 350 Ausbildungsberufen. Die Berufswähler hätten Angst, genau das Studium oder die Ausbildung zu übersehen, die perfekt zu ihnen passt.Angehende Studenten plage zudem die Frage, welche Berufe denn konkret dem Bachelor- oder Master-Abschluss folgen könnten. Wer nicht gerade Lehramt, Medizin oder Jura studiert, tappt im Dunkeln. Wo finden Biologen oder gar Germanisten denn nach dem Studium einen Job und was machen sie da genau?Und selbst wer wie Steffi Bäumler zu Abi-Zeiten schon ungefähr weiß, womit er später mal sein Geld verdienen will, hat noch jede Menge Möglichkeiten. Denn in der Regel führen viele Wege zum Traumjob. Zum Einstieg eine Lehre, ein Bachelor-Studiengang oder ein duales Studium? Die Auswahl sollte keinen erschrecken. „Im Gegenteil", findet Gerrit Görrissen, Schülers Kollege bei der Kieler Arbeitsagentur. „Das Abitur ist die beste Voraussetzung für die Berufswahl. Man hat alle Freiheiten, das auszuwählen, was einem Spaß macht."Keine Entscheidung fürs LebenAuch Karrierecoach Britta Contzen berät Abiturienten bei der Berufswahl und hilft ihnen, Chancen auszuloten. Was kann man studieren, wenn man Physik mag? Welche Ausbildungen kommen für Leute infrage, die ein Faible für Sprachen haben? Contzen räumt mit einem Vorurteil auf: „Es stimmt einfach nicht, dass man jetzt eine Entscheidung fürs Leben trifft. Es passiert noch so viel. Das ist nur der Einstieg."Keiner muss also Angst haben, die Chance auf ein erfülltes Arbeitsleben womöglich jetzt schon zu verpassen. Und egal, ob man sich für Studium oder Ausbildung entscheidet: Es gibt weit mehr als einen Weg zum passenden Job.„Eine junge Frau kam zu mir, weil sie seit Kindheitstagen Medizin studieren wollte, ihr Abi-Schnitt aber nicht gut genug war", erinnert sich Contzen. Von dem Traumjob in der Medizin musste sie sich nicht verabschieden. „Die Lösung war das Fach Neurobiologie, das ihrem Interesse an Forschung entsprach", erzählt die Berufsberaterin. Sie weiß: Wer sich zu sehr auf einen Ausbildungsweg oder gar einen Beruf versteift, wird leicht enttäuscht. Deshalb empfiehlt sie nicht nur Leuten mit exotischem Berufswunsch – zum Beispiel Schauspielern – auch nach verwandten Jobs in der Branche zu suchen.Jan Bielak grübelte vor dem Abitur gleich über mehreren Alternativen. Dass er einen Ingenieurstudiengang beginnen wollte, wusste er: „Mathe und Naturwissenschaften habe ich in der Schule am liebsten gemacht." Und nach dem Abi? Maschinenbau, Bauingenieurwesen oder doch Werkstofftechnik?
 

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