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Hochschul-TÜV

Verwässerter MBA-Titel

Stefani Hergert
Viele MBA-Programme halten nicht, was sie versprechen, denn die Richtlinien für das Managementstudium sind nicht verbindlich. Hochschulen reduzieren ihr Anforderungsniveau, Gehaltsaussichten sinken. Über die Entwertung des Manager-Abschlusses.
Ist der MBA noch den Aufwand wert?Foto: © Artsiom Kireyau - Fotolia.com
Ein Master of Business Administration (MBA) sollte eigentlich eine praxisnahe Weiterbildung für Nicht-Ökonomen sein, die Berufserfahrung haben und sich für allgemeine Führungsaufgaben fit machen wollen. Eigentlich. Die Realität sieht aber vielerorts anders aus.Auf dem futuristischen Campus der Hochschule Pforzheim etwa. So verspricht der Spezial-MBA, eine konsequente Kombination von "Human Resources Management Know-how und Beratungskompetenz" zu sein. Nur rund ein Drittel des Programms widmet sich allgemeinen Managementthemen. Betriebswirtschaftliche Basiskenntnisse werden schon vorausgesetzt. "Die vermitteln wir nicht", sagt Studiendekan Günther Bergmann.

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Wann ist ein MBA ein MBA? Um den begehrten Management-Abschluss tobt eine Art Glaubenskrieg - auf der einen Seite stehen die Vertreter der reinen Lehre, auf der anderen die Anhänger eines MBA-Begriffs, der im Prinzip fast alles beinhalten kann und nichts muss. Die Brisanz: Rein rechtlich sind die Anbieter der Pseudo-MBAs, die eigentlich mit einem anderen Mastertitel abschließen müssten, auf der sicheren Seite.Der Gutachter Aqas, eine der Agenturen, die im staatlichen Auftrag die Qualität von Studiengängen überwachen, hat den Pforzheimern zwar sein Siegel gegeben. Doch die Prüfer hatten Bedenken. Der Studiengang, so empfahlen sie vor zwei Jahren, müsse sich stärker an die freiwilligen MBA-Richtlinien des Netzwerks European Quality Link (Equal) anlehnen.Mehr können die Prüfer des Hochschul-Tüvs nicht machen. Die Equal-Richtlinien sind eben nicht verbindlich. Nirgendwo im deutschen Hochschulrecht steht, was ein MBA genau ist. Die einzige gesetzliche Anforderung: Jeder Teilnehmer muss mindestens ein Jahr Berufspraxis haben. Das Problem sind die Akkreditierungsagenturen. Die wurden eigentlich vom staatlich eingesetzten Akkreditierungsrat beauftragt, die Qualität von Studiengängen zu überwachen. Aber die Anbieter sind an dieser Aufgabe gescheitert."Zahlreiche akkreditierte Programme sind keine echten MBA", sagt Karlheinz Schwuchow, der gerade Chef der österreichischen Business School Limak geworden ist. "Bewerber üben viel zu wenig Druck in Sachen Qualität aus. Die deutschen Akkreditierer tragen bisher wenig dazu bei, dieses Problem zu adressieren", sagt Ulrich Hommel, der für die Europäische Organisation EFMD, die das Qualitätssiegel Equis vergibt, selbst auch Hochschulen begutachtet."MBA Arztpraxismanagement" bereitet Gutachtern BauchschmerzenWo MBA draufsteht, ist eben nicht immer MBA drin. "Die MBA Guidelines kennt ja kaum jemand", sagt Oliver Rentzsch, der selbst als Gutachter tätig ist. "Man wundert sich manchmal schon, wie häufig die Hochschulen selbst diese wenigen Kriterien missachten", sagt er. Ob ein MBA denn auch wirklich ein MBA ist, hängt vor allem davon ab, ob Wissen und Kompetenzen transferierbar sind. Soll heißen: Bilden die Programme echte Führungskräfte oder lediglich Fachspezialisten aus?Bei einigen Programmen haben selbst die Gutachter Bedenken. Manchmal sogar mehr. "Wir hatten Bauchweh, und auch die Agentur hat sich schwergetan, das als MBA zu sehen", sagt Jörg Schlüchtermann, Professor für Produktionswirtschaft an der Universität Bayreuth über den "MBA Arztpraxismanagement" der Leuphana Universität in Lüneburg, den er 2008 begutachtet hat.Das Programm war zugeschnitten auf Mediziner, sie sollten lernen, "die bei der Leitung einer Arztpraxis auftretenden ökonomischen und rechtlichen Probleme" zu erkennen und mit geeigneten Methoden zu lösen", heißt es im Akkreditierungsbericht. Was eigentlich ein generelles Weiterbildungsstudium für angehende Manager sein sollte, war in Wirklichkeit wohl eher eine Nischenweiterbildung für Mediziner mit BWL-Ambitionen.
 

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