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Alumni

Unis wollen Absolventen an sich binden

Anne Hansen
Die Hochschulen entdecken eine unbekannte Spezies: die Absolventen. Durch Alumni-Netzwerke wollen sie die Ehemaligen an sich binden und hoffen nun auf Spenden. Plus: So profitieren Alumni von ihrem Engagement.
Georg Bednarek, Chefingenieur von General MotorsFoto: © PR
In einem kleinen Büro unweit der Universität in Hamburg steht Stefan Brück und drückt seinem Besucher einen Kompass aus Plastik in die Hand. "Den verteilen wir, damit unsere ehemaligen Studenten immer wissen, wo sie uns finden", sagt er. "Und hier, das ist unser Plakat, schön nicht?" Doch ehe man antworten kann, zeigt er schon auf das nächste Werbemittel. Es ist ein mit maritimen Motiven bedruckter Flyer. "Leinen los, ist unser Motto." Dann lacht er und atmet tief durch - vielleicht um noch einmal deutlich zu machen, dass eine Menge passiert ist in letzter Zeit.Der promovierte Kommunikationswissenschaftler ist für die Alumni-Arbeit der Uni zuständig. Seit anderthalb Jahren arbeitet die Hochschule daran, die Absolventen in die Lehre und das Uni-Leben einzubeziehen. Rund 8000 Ehemalige sind bereits mit ihren Kontaktdaten in Brücks Computer gespeichert. Das klingt viel, ist aber nur ein kleiner Teil. "Etwa 150000 ehemalige Studenten leben und arbeiten in der Region Hamburg", sagte Uni-Präsidentin Monika Auweter-Kurtz beim offiziellen Start des Netzwerks im Oktober. Und die gilt es nun zu umwerben. "Die Absolventen haben die Uni oft durch den Hinterausgang verlassen. Wir wollen sie mit Blasmusik durch das Hauptportal zurückholen." Das aber kann dauern. Fünf bis zehn Jahre müssen vergehen, schätzt er, bis seine Organisation Wurzeln schlägt.

Die besten Jobs von allen

Die Uni als nährende MutterDass sich die Mühe lohnt, beweisen die Hochschulen in Amerika. Dort werden die Studenten schon während ihrer Ausbildung mit der Alumni-Arbeit vertraut gemacht. Es gibt gemeinsame Veranstaltungen und einen regen Austausch zwischen den Absolventen und den Studierenden. Und am Ende ihres Studiums werden sie mit einer pompösen Feier verabschiedet. Durch das Engagement sollen die Studenten an ihre Hochschule gebunden werden. Die Idee: Die Universität ist nicht nur der Gebäudekomplex, in dem Studenten Vorlesungen besuchen, sondern tatsächlich die "Alma Mater": die nährende Mutter. Und je enger das Verhältnis, desto größer der Nutzen für die Uni. Die Absolventen engagieren sich für ihre Hochschule und sind, wenn sie ihre Ausbildung in guter Erinnerung behalten, später eher bereit, sie mit Spenden zu unterstützen.In Deutschland setzt sich dieser amerikanische Gedanke langsam durch - allen voran an den privaten Hochschulen. "Staatliche Universitäten haben sich zu lange auf der Unterstützung des Staates ausgeruht. Bei den privaten dagegen gab es von vornherein einen größeren Handlungsdruck. Und das macht sich jetzt auch in der Alumni-Arbeit bemerkbar", sagt Markus Langer, Projektleiter bei CHE Consult, einer Beratungsgesellschaft für Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Wissenschaftsbehörden.Bindungen schaffenWie erfolgreich private Einrichtungen darin sind, Absolventen zu binden, zeigte sich kürzlich an der finanziell stark angeschlagenen Universität Witten-Herdecke. 3000 Absolventen wollen über drei Jahre verteilt eine siebenstellige Summe spenden und die Hochschule so vor dem Untergang retten. "Die Privaten haben erkannt, dass der Erfolg steigt, wenn man eine gute Beziehung zu seinen Ehemaligen pflegt", sagt Langer.Nun wollen auch staatliche Hochschulen davon profitieren. Obwohl es an vielen Universitäten immer noch üblich ist, dass sich die Studenten ihr auf einem Tintenstrahldrucker angefertigtes Abschlusszeugnis in einem Sekretariat abholen, schreiben sich die Hochschulen plötzlich die Alumni-Arbeit auf ihre Fahnen. Nicht nur in Hamburg, sondern an nahezu allen großen Hochschulen gibt es ein Alumni-Büro. Und Alumni-Clubs.net, der Dachverband der deutschen Absolventen-Organisationen, vertritt ihre Interessen. Seit der Gründung vor acht Jahren ist die Zahl der Mitglieder von 35 auf mehr als 200 gestiegen.Hochschulen setzen auf Unterstützung von AlumniFragt man Christian Kramberg, den Gründer und Vorsitzenden des Verbands, warum sich eine Hochschule für die Absolventen interessieren sollte, fragt er lediglich zurück: "Was haben Sie davon, Freundschaften zu pflegen?" Keine Hochschule könne auf eine professionelle Alumni-Arbeit verzichten: "Die Steuergelder reichen heute nicht mehr aus, um eine exzellente Lehre zu gewährleisten. Da liegt es doch nahe, die Absolventen, die in guten Positionen sitzen, in die Ausbildung einzubeziehen." Vergessen werde allerdings, dass die Unis schon während des Studiums an die künftigen Absolventen herantreten müssten. "Wenn man mit der Arbeit erst nach dem Studium beginnt, ist das Kind schon in den Brunnen gefallen."
Dieser Artikel ist erschienen am 01.04.2009
 

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