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Hauptgebäude Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Das Hauptgebäude der Uni Bonn, ein ehemaliges kurfürstliches Residenzschloß, liegt mitten im Stadtzentrum. Heute beherbergt es die Fakultäten der Geisteswissenschaften und Theologie.Foto: Frank Luerweg / Universität Bonn
Studieren in Bonn

Lernen mit historischem Flair

Lara Blankenberg
Ob Heine, Marx oder Adenauer – es gibt viele bekannte Persönlichkeiten, die hier ihr Abschlusszeugnis in den Händen hielten. Seit fast 200 Jahren existiert die schon und das sieht man dem Schloss auch an. Im ehemaligen Kurfürstensitz residieren heute Studenten.

Studieren in Bonn    Die Uni-Testerin:
Lara Blankenberg ist 24 Jahre alt und studiert im ? Semester im Bachelor Medienwissenschaft an der Uni Bonn. Wenn sie nicht gerade im Hörsaal oder an den Rheinwiesen ist, verbringt sie ihre Freizeit gerne mit Reisen, Lesen, Schreiben, Joggen und Fußballspielen.

Geheimtipps auf einen Klick: 
Einfach mal trödeln: Trödelmärkte in der Rheinaue Bonn | Die besten Brownies der Stadt gibt es im Café Goldbraun | It-Locations fürs Nachtleben: James Joyce Irish Pub Bonn und 3Raumwohnung

Die meisten Erstis staunen nicht schlecht, wenn sie das erste Mal in die prächtigen Säulengänge und meterhohen Hallen treten. "Ich liebe das alte Schlösschen. Manchmal habe ich Angst, dass irgendwann mal die Treppe einkracht", erklärt Studentin Vanessa und lacht. Wer also in Bonn studieren möchte, sollte keine Angst vor quietschenden Türen und knarrenden Treppenstufen haben. Dafür studiert man an der wohl schönsten Universität im Rheinland.


Studieren in Bonn 
Die Seminarräume und das Studentencafé atmen Geschichte. 
Foto: Lara Blankenberg
 

Der Rheinländer


Apropos Rheinland. Wer sich für eine Stadt als Studienort entscheidet, muss auch seine Einwohner in Kauf nehmen. Doch keine Sorge – in Bonn wohnen fast ausschließlich rheinische Frohnaturen. Bonn ist also nicht nur ein schönes, sondern auch ein freundliches Pflaster. Zur Karnevalszeit erreicht diese Freundlichkeit ihren Höhepunkt. Für die einen ist der Karneval ein Grund, die Flucht zu ergreifen, die anderen fiebern ihm entgegen. Und wem der Bonner Karneval zu wenig ist, der pilgert einfach nach Köln. Dort herrscht mindestens sieben Tage Ausnahmezustand.

Studieren in Bonn – so bunt kann Karneval sein
So feiert die Uni Bonn Karneval.
Foto: Dr. Andreas Archut/Universität Bonn
 

In Bonn ist's eng und kuschelig


Wer eine gemütlichere Variante als Köln oder Düsseldorf sucht, ist in Bonn genau richtig. Wohnungstechnisch ähnelt die Stadt allerdings ihren großen Nachbarn am Rhein. "Die Mühe, mich auf eine Liste fürs Wohnheim setzten zu lassen, hab ich mir erst gar nicht gemacht – ich hab bei Facebook und WG-Suchportalen inseriert", erklärt Studentin Alexandra. Diese Variante ist tatsächlich zu empfehlen. Bonn verfügt über ungefähr 4.000 Plätze im Wohnheim – viele warten mehrere Monate. Abgesehen davon findet man als Student aber immer ein WG-Zimmer – man sollte nur bei der Suche kreativ sein.

Im Vergleich zu Köln und Düsseldorf erscheint Bonn natürlich klein – trotzdem hat die ehemalige Hauptstadt viel zu bieten. Obwohl politische Entscheidungen mittlerweile in Berlin getroffen werden, wimmelt es in der Stadt an internationalen Organisationen. Mehr als ein Dutzend Einrichtungen – allein von den Vereinten Nationen – sind in Bonn beheimatet, sowie rund 150 Nichtregierungsorganisationen. Für Studenten hat das viele Vorteile – vor allem wenn sie Jura oder Soziologie studieren oder einfach politisch interessiert sind. Studentische Hilfsjobs oder Praktika werden überall gesucht, zum Beispiel bei der Friedrich-Ebert-Stiftung oder der Vertretung der Europäischen Kommission.

Studentisch. Authentisch.


Freizeit Bonn
Im Sommer spielt sich in der Studentenstadt alles draußen ab.   
Foto: Lara Blankenberg
 

Wer sich nicht für Politik oder Kultur interessiert, kann in Bonn trotzdem einiges für sich entdecken. Das Studentenleben spielt sich definitiv nicht in Museen ab: Im Sommer ist die Universitätswiese beliebt. Bei gutem Wetter räkeln sich zu jeder Tageszeit Studenten auf der riesigen Wiese direkt vorm Hauptgebäude. Hier wird gegrillt, Fußball gespielt, der neuste Klatsch ausgetauscht oder ausnahmsweise auch mal gelernt. Schön ist es auch im Zollhafen, einem netten Café direkt am Rhein, von dem man einen tollen Ausblick hat. Folgt man der Promenade direkt am Rhein landet man irgendwann in den Rheinauen – hier finden jährlich mehrere Festivals statt, unter anderem die "Bonner Lichter." Eine Sehenswürdigkeit ist auch der Haribo-Laden, eine echte Rarität in Bonn. Zur Eröffnung kam im letzten Jahr sogar Thomas Gottschalk persönlich vorbei.

Haribo in Bonn 
Der weltweit erste Haribo-Laden gilt als Sehenswürdigkeit und lockt mit 200 Quadratmetern voller Süßigkeiten sogar Promis nach Bonn.
Foto: Lara Blankenberg
 

Geld verdienen und ausgeben


Wer etwas Geld in die leeren Kassen bringen möchte, kann an dem drittgrößten Flohmarkt Deutschlands teilnehmen, der in den Rheinauen fünf bis sechs Mal im Jahr Station macht. Der Trödelmarkt ist nicht nur wegen seiner grünen Umgebung ein Highlight in Bonn, hier kann man echte Schnäppchen machen oder einfach etwas von Omas Trödel loswerden.


Studieren in Bonn – Erstis feiern
Erstis feiern bei der offiziellen Welcomeparty.
Foto: Foto: Meike Böschemeyer / Universität Bonn


Dank der großen Kneipenszene ist in Bonn auch nach zehn Uhr noch viel los. "Ich liebe das James Joyce – das hat einfach Stil", sagen die meisten Studenten, wenn man sie nach ihrer liebsten Kneipe fragt.

Wer lieber kein Bier möchte, sollte einen Aperol oder Campari in der schicken 3-Raumwohnung genießen. Eine große Clubszene hat Bonn allerdings nicht. In den wenigen Discos in der Stadt möchte man wegen des skurrilen Publikums ab einer bestimmten Uhrzeit eigentlich nicht mehr verkehren. Aber keine Sorge – schließlich ist Köln nur einen Katzensprung entfernt. Außerdem bieten die Fachschaften regelmäßig Partys und Events an. Auch die einzelnen Institute laden im Sommer gerne mal zum Grillen ein.

Mein Studium


Kommen wir zum wichtigen Teil, wenn man eine Universität sucht: Was die Uni Bonn im Bereich Medienwissenschaften auszeichnet, ist der relativ große Praxisteil. Viele Professoren und Dozenten kommen aus der Wirtschaft oder Wissenschaft und bereiten die Studenten auf ihren späteren Beruf vor. "Ich finde es schön, dass wir nur so wenige im Kurs sind und die Dozenten einen mit Namen kennen", erklärt die 21-jährige Medienwissenschaftsstudentin Franziska.


Das Studium, Dozenten, Kurse
Die Unitesterin profitiert von der persönlichen Betreuung in ihrem Studiengang.   
Foto: Frank Homann / Universität Bonn


Persönlichen Kontakt mit den Dozenten und Professoren – das ist in Bonn tatsächlich nicht nur möglich, sondern Voraussetzung. An vielen Fakultäten sind junge Dozenten, die nebenbei noch bei einem Radiosender oder einer politischen Organisation arbeiten. So entstehen viele Kontakte und können auch schnell Praktika oder Studentenjobs vermittelt werden.

Die 19-jährige Sarah begann vor einem Jahr bei Bonn FM zu arbeiten, dem Studentenradio in Bonn. "Das macht wirklich Spaß – ernste und nicht so ernste Themen auf eine humorvolle, studentische Art und Weise an unser Publikum zu bringen." Wer sich hinter dem Mikro nicht so wohl fühlt, kann sich natürlich auch anderweitig engagieren. Nebenjobs in der Uni gibt es wie Sand am Meer. Zum Beispiel in der Universitäts- und Landesbibliothek, die von allen liebevoll "Bib" genannt wird. In Klausurzeiten ist sie total überfüllt. Wer es ruhiger mag, kann natürlich auch in die kleineren Fakultäts-Bibliotheken gehen oder in die zahlreichen Cafés im und um das Hauptgebäude herum.

Lernen macht hungrig


Für alle Hungrigen gibt es die Mensa Nassestraße, die eine Mahlzeit für 1,50 bis 3 Euro anbietet. Für manche ist es die einzige warme Mahlzeit am Tag – für andere ist es eher ungenießbarer "Mensafraß". Da man aber zwischen mindestens drei verschiedenen Sachen auswählen kann – eine immer vegetarisch – ist das Mensaessen in Bonn durchaus als akzeptabel zu bezeichnen. Im Mensa Gebäude ist auch das Studentenwerk Bonn beheimatet. Dort gibt es eine Buchhandlung, ein Café und das Bafög-Amt – wo meistens genervte Studenten Schlange stehen, da das Amt leider nur wenige Mitarbeiter beschäftigt. Hat man endlich das Geld – lässt es sich auch super in den zahlreichen netten Bistros ausgeben, die auch für erschwingliche Preise ein leckeres Mittagessen anbieten. Am beliebtesten sind das Pendel am Friedensplatz und das Café Goldbraun, wo es die leckersten Brownies der Stadt gibt. Für den kleinen Hunger gibt es in Bonn an fast jeder Ecke einen kleinen Wagen, hier werden entweder Kaffee oder Crêpes verkauft. Einfach nur lecker!

Unisport Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Studieren in Bonn hat Flair – findet die Bachelorstudentin Lara Blankenberg.
Foto: Barbara Frommann / Universität Bonn


Um das Mensa-Essen dann wieder zu verbrennen, kann man sich bei einem der zahlreichen Kurse des Hochschulsports anmelden. Ob Zumba, Fußball oder doch Kampfsport – hier wird jede Sportart angeboten. Im Sommer gibt es noch Sportveranstaltungen und Turniere. Wer es ausgefallen mag, kann auf dem Rhein auch Wasserski oder Rudern ausprobieren.

Ich empfehle allen, sich einfach mal einen Tag frei zu nehmen und einen kleinen Städtetrip in die Stadt zu unternehmen. Es lohnt sich auf jeden Fall – wer die alten Häuser, die vielen grünen Flächen und die Rheinpromenade erstmals erblickt, ist schnell von dem Bonner Flair verzaubert.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.08.2014
Unimonial: Mehr erfahren. Besser entscheiden.