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Studieren in NRW

Die vielen Seiten der Uni Bonn

Fotos und Text von Janna Hüttebräucker
Die Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn bietet ihren Studierenden viele Kontraste: Aus Alt wird Neu, aus Schön wird Hässlich, aus Bonn wird Köln. Janna Hüttebräucker zeigt ihre Sicht auf das Studium an der traditionsreichen Hochschule.
 
Studentin Janna Hüttebräucker
   Die Uni-Testerin:
Janna Hüttebräucker, 21 Jahre alt, studiert an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Germanistik, Vgl. Literatur- und Kulturwissenschaften (Kernfach) und Politik und Gesellschaft (Nebenfach). Geboren im Sauerland ging es nach dem Abi 2012 zuerst an die Universität zu Köln. Nach zwei Semestern Deutsche Sprache und Literatur / Romanistik-Französisch die Feststellung: alles zu theoretisch. Deshalb der Uniwechsel nach Bonn – das heißt jeden Tag pendeln, denn Wohnort ist das geliebte Köln geblieben.

Alt oder neu?


Wäre die Uni Bonn fernab verteilter Campusstätten von Mathematikern oder Medizinern auf ein Fleckchen schöner Erde zu reduzieren, das alte Hauptgebäude wäre mit unter den Gewinnern. Als Herz der Uni und Sitz der philosophischen Fakultät macht das kurfürstliche Schloss einen Teil der universitären Identität aus: mehr Atmosphäre und Geschichte als in erdrückenden 80er-Jahre-Bauten. Während das Schloss von alten Zeiten zeugt, wird es von Touristengrüppchen mit hochmodernen Kameras fotografiert. Ein atmosphärischer Mix aus Alt und Neu, der ganz klar Teil der traditionsreichen Uni ist.

Studieren in Bonn – Philosophische Fakultät 

Schön und Hässlich?


Hofgarten Universität Bonn
  

Direkt hinter dem Hauptgebäude: der Hofgarten. Hat klares Potenzial, wenn es um das Schönste geht, was die Uni zu bieten hat – sagt auch die 20-jährige Vivian Wolters, sie studiert Asienwissenschaften und Japanisch: "Da kannst du im Sommer gut drauf rumlummern." Die bunten Grüppchen an Studenten, die sich hier regelmäßig tummeln, geben ihr Recht.

Und das Hässlichste? "Dass wir Studenten unter der finanziellen Situation der Uni leiden müssen. Anfang des Semesters sagte man uns Asienwissenschaftlern, dass drei Kurse für Wochen ausfallen. Warum? Die Uni hat kein Geld, kürzte Gehälter und entließ Lehrkräfte."

Zusammen ist man weniger allein?


Wo es in manchen Studiengängen an Organisation mangelt, bieten andere bessere Betreuung. So beispielsweise die Germanistik, aus der ich hier aus erster Hand berichten kann: Bei grundsätzlichen Fragen ist die Studiengangsmanagerin die Rettung im komplizierten Unimeer – egal ob Fachwechsel, Anrechnung von Leistungen oder Fragen zur Belegung von Kursen. Euren Stundenplan müsst ihr euch wie an allen größeren Unis selbst basteln, das erfordert gerade beim ersten Mal Geduld und Zeit. Hilfe bieten ältere Studenten, die euch Erstsemestern tapfer zur Seite stehen. Kommt es während des Semesters zu Fragen und Problemen, bieten fast alle Dozenten einmal in der Woche Sprechstunden an. Verglichen mit Massenunis wie der Uni Köln ist der Dozentenkontakt deutlich einfacher herzustellen, solange ihr euch fristgerecht für die Sprechstunden anmeldet.

Praktika in Bonn – Stadt der Vereinten Nationen

Gleichzeitig habt ihr an der Uni Bonn im Vergleich zur großen Kölner Uni natürlich auch eine geringere Kursauswahl. Ob ihr mit zehn oder vierzig Kommilitonen in den Kursen dem Dozenten lauscht? Vollkommen unterschiedlich. Oft pendelt sich die Kursgröße auf einen annehmbaren Mittelwert ein. Zur Not muss es ein Stuhl am Rande tun.

Ob Gordon Brown oder Jan Böhmermann? Öder Einheitsbrei vom ehemaligen britischen Premierminister versus humoristische Rede vom Satiriker? Ob ihr anderthalb Stunden Langeweile ertragen müsst oder spitzzüngige und interessante Dozenten am Rednerpult des Hörsaales stehen seht, ist Zufall. Habt ihr kein Glück, wird euch mit monotoner Stimme ein Kursprogramm vorgestellt, das bereits ein bisschen Staub angesetzt hat. Oder aber das Gegenteil: Ihr erwischt hochaktuelle Themen bei kompetenten und rhetorisch fitten Dozenten – wie zum Beispiel in der Politikwissenschaft Seminare zur aktuellen Konfliktlage in Syrien. Wie sagte Churchill: "Eine gute Rede ist eine Ansprache, die das Thema erschöpft, aber keineswegs die Zuhörer."

Köln oder Bonn?

Anna Fricke (22 Jahre, Germanistik/English Studies) muss nicht lange überlegen: "Auf jeden Fall Köln!" Gemeint ist nicht die Uni, sondern die Stadt. Anna wohnt in der rheinischen Metropole, studiert aber in Bonn.

Mit dem Zug von Bonn nach Köln pendeln

Rund zwanzig Minuten dauert für sie eine Fahrt vom Kölner Südbahnhof bis zum Bonner Hauptbahnhof. Von da aus ist die Uni nur noch drei Fußminuten entfernt. Anna steht mit ihrer Wohn- und Uniwahl nicht allein da – für viele Studierende ermöglicht das Pendeln mehr Selbstbestimmung und die bessere Vereinbarkeit von Leben und Studium. "In Köln gibt es bessere Unterhaltungsmöglichkeiten, bessere Verbindungen im Nahverkehr, man kann schnell mal nach Düsseldorf oder ins Ruhrgebiet fahren", erklärt sie. Gleichzeitig entkommt man einer unübersichtlichen Massenuni. Während Köln fast sieben Tage die Woche Ausgehmöglichkeiten, Bars und kulturelle Veranstaltungen bietet, gilt Bonn eher als gemütliche Kneipenstadt. Wer auch außerhalb des Studiums Wert auf Ruhe und bodenständigen Charme legt, ist in der kleineren Rheinstadt genau richtig.
 

Theorie oder Praxis?


WG und Wohnen in Bonn
   Fürs studentische Portemonnaie gibt es keinen klaren Favoriten: Sowohl Köln als auch Bonn erreichen bei den Mietpreisen Spitzenwerte. Wer an der philosophischen Fakultät studiert, ist in der späteren Berufswahl flexibel.

Umso wichtiger ist es, dass ihr durch praktische Erfahrungen bereits während des Studiums zeigt, wohin euer Weg gehen soll.

Gerade Bonn bietet im politischen Bereich beste Auswahlmöglichkeiten für Praktika: Hier sitzt die Deutsche Welle, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, diverse UN-Einrichtungen oder die Bundeszentrale für politische Bildung.

Das Studium selbst ist oft leider so praxisfern wie an vielen anderen Unis auch. Einzig zwei Seminare mit Berufsbezug sind in der Germanistik während des dreijähigen Studiums vorgesehen – schade bei den interessanten Themen, die von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bis zur richtigen Interviewtechnik reichen.

Mensa oder Café?


Essen in Bonn
   Ganz, wie ihr wollt!

Das Essen in der Hauptmensa ist in Ordnung – von überragendem Mensa-Essen hat man auch in Bonn selten gehört. Eine Übersicht über die Mensen und den aktuellen Speiseplan findet ihr hier: www.studentenwerk-bonn.de 

Dafür gibt es in der kleinen Cafeteria Café Unique und dem modernen FAZ-Café Leckereien wie Schokoriegel, Couscous oder belegte Brötchen – meist jedoch zu recht unsympathischen Preisen.

Ausweichstation: Der Unigrill direkt neben dem Hauptgebäude.

Gute Preise, guten Hunger, Spülen gespart!
Dieser Artikel ist erschienen am 04.11.2014
Unimonial: Mehr erfahren. Besser entscheiden.