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Das Studium ist oft zulassungsbeschränkt.
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Zulassungsbeschränkungen

Über die Hürde an die Hochschule

Wenke Wensing und Jan Guldner
Nicht jedes Studium ist frei zugänglich. Viele Hochschulen sieben Bewerber gleich nach mehreren Kriterien aus. Die häufigsten Hürden der Hochschulen und wie man sie nimmt.
Das richtige Studium am richtigen Ort kann entscheidend sein für eine erfolgreiche Karriere, wie das exklusive Hochschulranking der WirtschaftsWoche in Zusammenarbeit mit Universum Global zeigt. Deshalb sind die hoch gerankten Unis und Fachhochschulen bei Studenten besonders beliebt. Um der Bewerberflut Herr zu werden, haben die Hochschulen eine Fülle von Auswahlverfahren entwickelt, die man bestehen muss, um einen Platz zu ergattern.

Derzeit sind knapp 4000 Bachelorstudiengänge und rund 3400 Masterstudiengänge laut Hochschulrektorenkonferenz in irgendeiner Form zulassungsbeschränkt oder verlangen eine Eignungsprüfung. Cort-Denis Hachmeister analysiert diese Zugangsbeschränkungen für das Centrum für Hochschulentwicklung. "Das Wichtigste ist, dass man sich frühzeitig und umfassend über die Voraussetzungen und Auswahlkriterien informiert", sagt Hachmeister

Mindestvoraussetzungen fürs Studium

Dabei müsse man zwei verschiedene Hürden unterscheiden. Zum einen gibt es je nach Studiengang Mindestvoraussetzungen, die jeder erfüllen muss, der sich einschreiben will. Das Abitur ist die bekannteste. Genauso braucht man aber für einige praktischer angelegte Fächer mehrmonatige Vorpraktika. Dabei lernt man etwa als angehende Maschinenbaustudentin das Arbeiten mit bestimmten Werkzeugen oder als zukünftiger Soziale-Arbeit-Student den Umgang mit Pflegebedürftigen.

Zu den Mindestvoraussetzungen gehören in einigen Studiengängen auch Nachweise, dass man Englisch kann. Dafür gibt es verschiedene Sprachzertifikate wie TOEFL oder IELTS, für die man kostenpflichtige Prüfungen ablegen muss und die nur eine bestimmte Zeit gültig sind. Einige Universitäten akzeptieren als Nachweis aber auch einen bestimmten Notenschnitt im Fach Englisch in den letzten zwei Schuljahren.

Wer diese Grundvoraussetzungen erfüllt, bekommt aber nicht automatisch einen Studienplatz. Denn besonders bei den besten Hochschulen gibt es mehr Bewerber als Kapazitäten. "Bei zulassungsbeschränkten Studiengängen dürfen Hochschulen eigene Kriterien festlegen, um Bewerber auszuwählen", sagt Cort-Denis Hachmeister. Diese Hürden sollte man kennen, bevor man sich bewirbt. Ein Überblick:

• Numerus Clausus

Sowohl Universitäten als auch Fachhochschulen setzen auf den Numerus Clausus (NC) als Instrument der Studienplatzvergabe. Je mehr Personen sich auf die vorhandenen Plätze bewerben, desto besser muss die Abiturnote sein. Die Stiftung für Hochschulzulassung steuert dieses Verfahren zum einen im Auftrag der Bundesländer für Fächer mit bundesweitem NC wie Pharmazie oder Medizin.

Zum anderen regelt sie auch die Zulassung für einzelne Universitäten mit örtlichem NC bei bestimmten Fächern wie BWL oder Psychologie. Vorbereiten kann man sich auf dieses Verfahren nach dem Abitur nicht mehr – die Klausuren sind schließlich geschrieben.

• Fächerrelevanz

An manchen Hochschulen wird neben der Abiturnote eine Eignungsnote betrachtet, die sich aus den Noten der Fächer zusammensetzt, die für den Studiengang relevant sind. Tim Frerichs, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit Osnabrück, gibt ein Beispiel: "An der Universität Osnabrück wird für manche Studiengänge die beste Halbjahresnote jedes relevanten Faches betrachtet."

Das heißt: Für das Studium der Wirtschaftswissenschaften sind Mathematik und Englisch in der Schule relevante Fächer. Wer in einem Halbjahr in diesen Fächern Bestnoten bekam, verbessert seine Chancen, einen Informatik-Studienplatz zu bekommen - auch wenn zum Beispiel die Kunstnote wenig berauschend aussieht.

• Punktesystem

Reicht der Abiturschnitt für das Wunschstudium nicht, kann man ihn an manchen Hochschulen noch auf anderen Wegen aufwerten. Die evangelische Hochschule Ludwigsburg nutzt zum Beispiel ein Punktesystem. Je besser der Abiturschnitt, desto mehr Punkte kommen auf das Konto des Bewerbers.

Die Note 1,8 ergibt zum Beispiel im Studiengang Internationale Soziale Arbeit 16 Punkte, die Note 1,0 kommt auf 24 Punkte. Wer eine abgeschlossene Berufsausbildung hat, kann acht Punkte hinzuaddieren. Die Ausbildung verbessert also den Abiturschnitt von 1,8 auf 1,0. Auch studienbezogene Praktika oder freiwillige Arbeit bringen Punkte. Ähnlich regelt das zum Beispiel die Hochschule Osnabrück. Wer einen technischen Studiengang studieren möchte, erhält eine Aufbesserung des Abiturschnittes von 0,1 für Leistungskurse der Fächer Chemie, Informatik, Mathe oder Technik. Sogar Kindererziehung wertet den Abiturschnitt um 0,2 Notenpunkte auf.

Für viele Studiengänge gibt es etwa an der Technischen Universität München kein Platzlimit. "Jeder, der geeignet ist, bekommt einen Platz", sagt der Pressesprecher Klaus Becker. Doch die TU hat ihre eigene Vorstellung von geeigneten Studenten. Jeder Bewerber reicht zunächst die Hochschulzugangsberechtigung und ein Motivationsschreiben ein. Pluspunkte bringen die Abiturnote und die Noten in relevanten Fächern.

Wer die Zulassungsgrenze überschreitet, bekommt einen Platz. Wer eine bestimmte Punktzahl unterschreitet, wird nicht genommen. Eine andere Möglichkeit, die Eignung festzustellen, sind Tests, die Studieninteressierte vor der Bewerbung ablegen können. In den wirtschaftswissenschaftlichen Fächern gibt es dazu etwa die internationalen Verfahren GMAT und GRE (Preis: rund 205 Euro); sie werden vor allem an Business Schools – sowohl in Deutschland als auch international – verlangt. Oder das deutsche Modell TM-Wiso (Preis: 100 Euro), das unter anderem von der Universität Köln verwendet wird. Diese sind nicht immer Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung, aber sie können ebenfalls die Chancen auf einen Platz erhöhen.

• Auswahlgespräche

Wer bei der Bewerbung an der TU München nicht auf Anhieb einen Platz bekommt, aber nicht sofort aussortiert wird, wird zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. "Unsere Dozenten haben im August 2017 knapp 6000 Gespräche geführt", sagt TU-Sprecher Becker. Wer dort überzeugt, darf rein.

Auf solche Vorstellungsgespräche könne man sich vorbereiten: Die Bewerber müssen das Fach kennen und in der Lage sein, für fachbezogene Fragen eine Lösung zu entwickeln. Man müsse Probleme nicht vollständig lösen können, aber wer es nicht einmal versuche, falle eben durch, so Becker.

• Motivations- und Empfehlungsschreiben

Motivationsschreiben und Lebensläufe müssen besonders oft für Master-Studiengänge vorgelegt werden. Davor müsse man sich ein paar Fragen stellen, sagt Nina Richter, die in ihrer Praxis Nina Richter Coaching auch Studenten bei der Hochschulbewerbung hilft:

> Warum will ich studieren?
> Wieso passe ich an die Hochschule?
> Was macht mich aus?

Dabei hilft es, kurz und knackig zu formulieren und Überflüssiges wegzulassen. Auch Empfehlungsschreiben werden häufig erwartet. An der Leipzig Graduate School of Management benötigen Bewerber für den Master Studiengang Betriebswirtschaftslehre sogar zwei Empfehlungsschreiben. Dazu sollte man den Professor, der ein Empfehlungsschreiben verfassen soll, ein paar Monate vor der Bewerbung informieren.

"Oft ist das Problem, dass die Professoren ihre Studenten zu schlecht kennen, um sie zu beurteilen", sagt Richter. Ihr Vorschlag: "Erzählen Sie dem Dozenten von allem, was für Ihren Masterstudiengang relevant sein kann." Studenten könnten auch anbieten, ein Empfehlungsschreiben selbst zu verfassen und es dem Dozenten dann als Entwurf vorzulegen. Das sei nach vorheriger Absprache üblich.

• Warteliste

Manchmal schafft man es auch nur mit Geduld zur Wunschuni. Wenn man alle Voraussetzungen dafür erfüllt, aber aufgrund der Auswahlkriterien zunächst keinen Platz bekommt, weil andere Bewerber besser waren, landet man auf einer Warteliste. "Hochschulen überbuchen ihre Studiengänge meist, das heißt, sie vergeben 200 Plätze in dem Wissen, dass erfahrungsgemäß nur 100 Studierende den Platz auch annehmen werden", sagt Cort-Denis Hachmeister vom CHE. Schreiben sich aber weniger Menschen ein, als erwartet, rücken die ersten auf der Warteliste nach. Sollten dann wieder Kandidaten abspringen und immer noch Plätze frei sein, gibt es ein Losverfahren. "Dabei entscheidet der Zufall, die zusätzlichen Auswahlkriterien spielen dann keine Rolle mehr", sagt Hachmeister.

• Klagen

Sollte es trotz aller Mühen nicht für den erhofften Studienplatz reichen, gibt es immer noch den juristischen Weg. Das ist vor allem bei Studiengängen sinnvoll, für die es kaum Alternativen gibt. Während es etwa für BWL immer zulassungsfreie Alternativen gibt, ist das bei Medizin nicht der Fall. Das Studium ist immer zulassungsbeschränkt und es gibt eben nur diesen einen Weg, um Arzt zu werden. Deshalb wird dort auch am häufigsten geklagt.

Die Klage richtet sich gegen die Kapazitätsberechnung der Hochschule. "Man versucht, der Hochschule nachzuweisen, dass sie falsch gerechnet und deswegen weniger Plätze als möglich vergeben hat", erklärt CHE-Experte Hachmeister. Den zusätzlichen Platz bekomme derjenige, der geklagt hat, nicht der, der eigentlich der nächste auf der Warteliste ist. Eine Klage sollte man sich auch aus finanziellen Gründen gut überlegen. Die Kosten können schnell über 1000 Euro klettern.

• Plan B

Schon bei der Hochschulsuche sollte man immer im Hinterkopf haben, dass die Anforderungen an der Wunsch-Uni eventuell zu hoch sein könnten. Daher hilft es, zugleich nach zulassungsfreien Alternativen suchen, an denen man sich zur Not direkt einschreiben kann. Das sieht auch Tim Frerichs von der Agentur für Arbeit Osnabrück so. Dazu müssten Bewerber aber flexibel bezüglich des Studienortes sein. "An kleinen Hochschulen gibt es oft gar keinen Numerus Clausus."

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 17.01.2018
 

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