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Studieren mit Behinderung
Wer als behinderter oder chronisch kranker Student nach einer Förderung sucht, findet nun auf einem neuen Portal eine zentrale Anlaufstelle.Foto: WavebreakMediaMicro/Fotolia
Barrierefrei studieren

Suchmaschine für mehr Chancengleichheit

AR
Studierende mit Behinderung haben auf ihrem Weg zum Studienabschluss viele Barrieren zu überwinden – ein neues Portal unterstützt nun bei der Suche nach passendenen Fördermöglichkeiten im Wert von insgesamt 153 Millionen Euro.
Etwa acht Prozent der Studenten in Deutschland haben laut einer Erhebung des Deutschen Studentenwerkes eine Behinderung oder chronische Erkrankung. Und viele von ihnen haben echte Nachteile im Studium – zusätzlich zur Belastung, welche die Beeinträchtigung individuell für jeden bedeutet – müssen sie ihren Studienalltag besonders gut organisieren.

Dabei haben sie erhebliche Zusatzkosten, die nur selten vollkommen von den Krankenkassen abgedeckt werden. Studien zeigen, dass jeder vierte Student mit Behinderung diese Ausgaben nicht oder nur sehr unzureichend selbst tragen kann.

Um sich das Studium trotzdem leisten zu können, haben sie die Möglichkeit, sich bei über 1.600 Institutionen um eine Förderung zu bewerben. Bisher war das sehr kompliziert, weil die Förderprogramme sehr spezifisch ausgeschrieben sind: Es hat viel Zeit und Mühe gekostet, die passende Leistung oder verantwortliche Ansprechperson zu finden. 

Neue Suchmaschine findet passende Förderung

Aus diesem Grund hat Mira Maier die Plattform barrierefrei-studieren.de gegründet. Sie will dazu beitragen, dass Betroffene mithilfe der Seite schnell Hilfe finden und in Zukunft mehr Abiturienten mit Behinderung ein Studium aufnehmen. Die Plattform ist kostenlos und ermittelt anhand von einem Fragebogen die passenden Fördermöglichkeiten. "Dahinter steckt ein Matching-Algorithmus, der vollautomatisch und in Echtzeit jedem zeigt, was zu ihm passt", erklärt Mira Maier. Das Matching-Verfahren beruht auf 13 Filterkriterien, wie dem Grad und der Art der Behinderung, der Hochschule, dem Alter und dem Studienabschnitt. 

Vielfältige Unterstützungsangebote

Die Art der Unterstützung kann so vielfältig wie die Beeinträchtigung selbst sein. Die Fördermöglichkeiten beziehen sich dabei in der Regel auf eine der folgende Kategorien: 

  • Finanzielle Förderungen
z.B. Stipendien, Auslandsaufenthalte, BAföG, Gebührenbefreiung, Fahrtkostenzuschüsse, Wohngeld, Gehörlosen- oder Blindengeld
  • Technische Hilfsmittel
z.B. Fernlesegeräte, Mikrofonanlagen, Brailledrucker, behindertengerechte Fahrzeuge
  • Bedarfsgerechte Arbeitsmittel
z.B. Computerarbeitsplätze, Büchergeld
  • Assistenzleistungen
z.B. Studien- und Arbeitsassistenz zur Unterstützung im Studienalltag, Gebärdensprach- oder Schriftdolmetscher/innen, Haushalt- und Wohnungsassistenz, Freizeitassistenz

  • Wohnen und Freizeit
z.B. Wohnzuschüsse, Wohnungsangebote für Menschen mit Behinderung, Sport- und Freizeitangebote


Dieser Artikel ist erschienen am 29.10.2014

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