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Studentenbude – verzweifelt gesucht!
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Mangelware Wohnraum

Studentenbude – verzweifelt gesucht!

Teil 2: Mehr Geld für Neubauten und Sozialwohnungen

Aktuelle Studien wie von Empirica oder dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) bestätigen laut Meyer auf der Heyde eine "Zuspitzung" vor allem in Großstädten und an attraktiven Universitätsstandorten. Dort träten Studierende zunehmend in Konkurrenz mit ärmeren Wohnungsuchenden und Flüchtlingen. "Wir kennen Städte mit hoher Flüchtlingsaufnahme, wo die Wartelisten unserer Studentenwerke zuletzt wieder kräftig angewachsen sind."

Meyer auf der Heyde hört gelegentlich das Argument, junge Leute müssten ja nun nicht unbedingt in München oder Hamburg studieren – zwischen Aalen, Wuppertal und Schmalkalden gebe es doch viel Auswahl. "Man kann ja nun nicht die Marktprobleme, die seit Jahren zu erwarten waren, den Studenten anlasten nach dem Motto: Ihr seid zu verwöhnt", entgegnet er dann.

Wohin mit schmalem Geldbeutel

Zunächst einmal habe "jeder das Recht, sich die Uni auszusuchen, solange das nicht durch einen Numerus Clausus ausgehebelt ist". Die dringlichere Frage sei doch: "Wie kriegen wir die Marktentwicklung durch Stützmaßnahmen so in den Griff, dass auch junge Leute mit schmalem Geldbeuten in diesen attraktiven Städten studieren können", sagt Meyer auf der Heyde.

Das DSW kritisiert, dass eine ganze Reihe Bundesländer bei im Bau befindlichen oder geplanten Studentenwohnheimplätzen auf Sparflamme kochen oder gar nichts tun. Mit Stand 1. Januar 2015 waren Brandenburg, Bremen, das Saarland und Sachsen auf diesem Gebiet überhaupt nicht aktiv, weist die Statistik aus. Den Löwenanteil der bundesweit 13.600 neuen Wohnheimplätze finanzierten demnach Nordrhein-Westfalen (4788), Bayern (3088), Baden-Württemberg (2383) und Hessen (1427). 

Der Bund muss helfen

"Die armen Länder haben Probleme, da müsste der Bund helfen", fordert Meyer auf der Heyde. Notwendig seien 25.000 zusätzliche preisgünstige, staatlich geförderte Wohnheimplätze als Minimum. Sein Credo: "Wenn die Bundesregierung sich am Ausbau der Studienkapazitäten beteiligt, dann muss sie sich folgerichtig auch an einem Hochschulsozialpakt beteiligen." Erst recht, "wenn nun noch zu erwartende 20.000 studierfähige Flüchtlinge hinzukommen. Die stehen am untersten Ende der Einkommensskala."

Die Regierung zeigt nun immerhin Initiative: Für Neubauten und mehr Sozialwohnungen erhalten die Länder für 2016 bis 2019 jährlich rund eine Milliarde Euro – fast eine Verdoppelung der Bundesmittel. Schwarz-Rot will private Investoren dazu bringen, nicht vorrangig Bürogebäude, Einfamilienhäuser oder Luxuswohnungen zu bauen, sondern kleinere, günstige Wohnungen. Ob dort am Ende aber auch Studenten wohnen?

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 17.05.2016
 

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