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Studium

Spielend studieren in Trier

Tim Farin, Christian Parth
Maic Masuch bildet in Trier Entwickler für Videospiele aus. Das Bachelor-Studium "Digitale Medien und Spiele" ist aber keine Daddelei, sondern harte Arbeit.
An der Uni Trier werden digitale Spiele wissenschaflich analysiert.Foto: © Alexandra Lechner
Maic Masuch schreitet zum ersten Abschlag. Er stellt seine Füße parallel auf, nimmt Maß, holt aus - und drischt den Ball in die Blätter eines emporragenden Baumes. "Golfen ist eigentlich gar nicht mein Hobby", sagt er. Er übt aber trotzdem weiter. Wieder und wieder probt er den perfekten Schlag. Schließlich schwingt er für die Wissenschaft. Der 42-Jährige mit dem hellen Hemd unter dem Wollpullover steht in einem Labor, hinter vergitterten Fenstern, vor einer rostbraunen Couch und schaut auf einen Breitbildfernseher. Sein Schläger ist die Fernbedienung einer Wii-Konsole, und Masuch testet die neue Golf-Simulation "Tiger Woods 09". Seine Erkenntnisse will er später den Studenten vermitteln. "Vom Spielverhalten her macht Golf auf der Wii einfach sehr viel Sinn", sagt er. Masuch ist ein Pionier. Als ordentlicher Professor verantwortet er seit Beginn des Wintersemesters den ersten Studiengang an einer öffentlichen Hochschule in Deutschland, der Absolventen gezielt auf die Entwicklung von Computerspielen vorbereitet. 20 Studierende haben die Zulassung für den Bachelor "Digitale Medien und Spiele" bekommen, darunter drei Frauen - etwas mehr als sonst in der Informatik üblich. Wenn man Masuch nach seinen Freiheiten bei der Konzeption des Studiengangs fragt, lacht er. Und er sagt: "Sie waren enorm, denn es gab in diesem Bereich sehr wenige Vorarbeiten und Strukturen." Zwar wächst gerade eine Generation von Professoren heran, die eine Affinität zu Videospielen hat.Doch Masuch musste viele Grundlagen selbst schaffen. Vor zehn Jahren organisierte er, damals noch als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Informatik an der Uni Magdeburg, mit einem Kollegen ein Seminar zum Thema Computerspiele. Sein Doktorvater war begeistert, förderte Masuchs Karriere und verhalf ihm zu seiner Juniorprofessur. In diesem Jahr kam der Ruf von der Fachhochschule Trier. In dem Dachgeschoss eines schmucklosen Nachkriegsbaus entsteht gerade das Spielelabor mit allem, was für das Studium nötig ist: Auf einem Regal stehen die Konsolen Xbox 360, Wii und PS3, dazu ein Stereosystem und der HD-Bildschirm, daneben mehrere PCs und Monitore. In einem anderen Regal lagern Spiele aller Genres, Zeitschriften und Fachlektüre. Das Labor ist der Traum eines jeden Teenagers.

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Die anderen Dozenten hingegen waren erstmal irritiert. "Es ist immer wieder passiert, dass Kollegen skeptisch waren, schon weil sie zu Hause zwei Kinder haben, die den ganzen Tag nur vor dem Bildschirm hängen und deren Schulnoten in den Keller gehen." Masuchs Fach ist nah dran an der Populär- und Konsumkultur. Da rümpfen ältere Kollegen schon mal die Nase. In den USA sieht das anders aus. An der University of Southern California in Los Angeles beispielsweise gehören Spiele längst zum Curriculum der Computerwissenschaften. Das ist auch notwendig, denn der Bedarf nach akademisch geschliffenen Entwicklern wächst rasant. Der Markt ist keine Nischenbranche mehr. 25 Milliarden Euro setzen die Hersteller nach Schätzungen weltweit um, sie haben das einstige Flaggschiff der Unterhaltungsindustrie, das Kino, abgehängt. Und dann sind da die enormen Herausforderungen, die in der Entwicklung eben dieser Blockbuster stecken. "Mit relativ begrenzter Hardware müssen in Echtzeit hochkomplexe Prozesse simuliert werden", sagt Masuch. Nur: "Bisher gibt es in Deutschland zu wenig Ausbildungsmöglichkeiten an den Universitäten und Hochschulen", sagt Volker Pinsdorf, der fürs Recruiting zuständige Manager bei Electronic Arts (EA) Deutschland.
 

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