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So lenkt man die Crew langfristig
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Insight MBA

So lenkt man die Crew langfristig

Teil 3: Mehr als nur den Profit im Blick

Ihre Studenten loben Sie dafür, dass bei Ihnen nicht nur Zahlen zählen, sondern der Mensch im Vordergrund steht. Im schriftlichen Feedback heißt es regelmäßig, dass Wissen noch nie so lebendig vermittelt wurde. Was machen Sie anders?

Was ich anders mache, ist eine Frage, die mir nach dem Erhalt der Poets & Quants-Auszeichnung oft gestellt wurde und es ist nicht so einfach, sie zu beantworten. Ich glaube, dass es viele großartige Hochschuldozenten gibt, die alle einen unterschiedlichen Mix an Fähigkeiten haben, der sie zu hervorragenden Dozenten macht. Ich glaube auch nicht, dass ich etwas Außergewöhnliches mache. Ich kann allerdings sagen, dass ich mir ein paar grundsätzliche Vorgehensweisen und Erfahrungen zunutze mache, die wohl zu so etwas wie meinem Lehrstil geworden sind.

Das heißt konkret?

Stellen Sie sich das Bild eines Skippers vor, der ohne technische Hilfsmittel sein Segelboot in eine gewisse Richtung steuern möchte. Er will nicht vom Kurs abkommen und weiß genau, wo er hin will. Er muss dabei das Wetter, den Stand des Segels, die Crewmitglieder, den Wind und viele andere Kleinigkeiten im Blick haben. Wer schon einmal ein Segelboot gesteuert hat, der weiß, dass man diese Dinge lernen kann. Der Rest ist Übungssache. So ähnlich ist es für mich bei Unikursen. Ich habe ein ganz klares Ziel vor Augen, wo ich am Ende der Session sein möchte und dementsprechend halte ich den Kurs. Dann steuere ich mit verschiedenen Techniken, die man in Fortbildungen lernen kann. Ich bin von der Crew abhängig, um mein Ziel zu erreichen. Es geht nur mit und niemals gegen die Crew, dessen bin ich mir immer bewusst.

Wie der Skipper kann ich als Dozent Erfahrungswerte sammeln, was gut und was weniger gut funktioniert, um meinen eigenen, authentischen Lehrstil zu entwickeln. Und Authentizität bedeutet für mich auch, dass ich versuche, den einzelnen Mensch als wichtigen Teil der gesamten Crew zu sehen. Sie stellt letztlich den Erfolg dar, den wir dann in Zahlen übersetzen.

Unter anderem unterrichten Sie Social Entrepreneurship, ein unternehmerisches Engagement, in dem Sie bereits selbst vor einigen Jahren durch ein soziales Projekt in der Elfenbeinküste Erfahrungen gesammelt haben. Wie kam es dazu?

Mich hat auf der einen Seite mein Interesse für Entwicklungszusammenarbeit angetrieben, das Projekt an der Elfenbeinküste umzusetzen, gestützt durch einen Bekannten, der mir klar einen Bedarf vor Ort kommuniziert hat. Hinzu kam, dass ich nach der Promotion befürchtet habe, zu einem weltfremden Theoretiker und Wissenschaftler zu werden. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt nicht sicher, wo ich meine berufliche Karriere weiterführen würde.

Wie ging es weiter?

Zwei Stiftungen haben sich für das Thema interessiert und nach meiner Promotion die Entwicklung einer angewandten Pädagogik und das Kursdesign für das neue Thema Social Entrepreneurship mitfinanziert. Diese Herausforderung habe ich mit einer Kollegin an der HEC Lausanne angenommen und erfolgreich in diversen Kursen umgesetzt. So fing es an und bis heute fasziniert mich die Idee, das Lösen sozialer Probleme anzugehen, indem man ein Unternehmen gründet, das den eigenen und den Lebensunterhalt der Mitarbeiter erwirtschaftet. In Zeiten rückläufiger Spendenaufkommen erscheint mir das ein Weg für viele – wenngleich nicht für alle – Non-Profit-Unternehmen.

In der Arbeitswelt wird seit einiger Zeit von einem Wertewechsel durch die nachfolgende Generationen gesprochen. Ist das ein Beispiel dafür?

Soziales Unternehmertum bietet einen alternativen Karriereweg für Studenten, die sowohl die persönliche Erfüllung suchen, soziale Problem angehen wollen und die trotzdem unternehmerisch handeln möchten. Ich treffe und berate unglaublich viele fantastische, meist noch sehr junge Menschen ehrenamtlich, die sich genau für diesen Karriereweg entschieden haben. Darüber hinaus bin ich davon überzeugt, dass die Kompetenzen, die ein Social Entrepreneur mitbringt, auch Schlüsselkompetenzen in Konzernen sein können. Diese jungen Leute sind im Idealfall kreativ, unternehmerisch, haben einen menschlich-wertschätzenden Führungsstil und mehr als nur den Profit im Blick.
 

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