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So lenkt man die Crew langfristig
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Insight MBA

So lenkt man die Crew langfristig

Teil 2: Geballte Kompetenz im Klassenraum

Wie sieht Ihr Pariser-Alltag außerhalb der Uni aus? 

Ich genieße einen ausgedehnten Lunch oder einen nachmittäglichen Apéro in einer alten Pariser Kneipe mit hervorragender Qualität bei Essen und Wein. Oder ich gehe am Wochenende morgens spazieren und kaufe dann in den alten Markthallen ein. Man muss es schon suchen, aber das gibt es noch, dieses sagenumwobene Flair von Paris.

Junge Professoren von Elite-Business-Schools bekommen Druck von allen Seiten: Sie müssen in bekannten wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlichen, bei diversen Rankings mithalten, mit Kollegen konkurrieren. Wie gehen Sie mit diesem Stress um? 

Es stimmt sicherlich, dass die Belastung in diesem Job hoch ist und es manchmal schwierig ist, Feierabend zu machen. Auf der anderen Seite sind wir jungen Profs unsere eigenen Chefs und jeder kann sich seine Zeit selbst einteilen. Ich versuche, dieses Privileg zu nutzen, um für sportlichen und intellektuellen Ausgleich zu sorgen, auf meine Gesundheit zu achten und die kleinen Dinge abseits der Hochschule zu genießen.

Wie entspannen Sie am besten?

Ich verbringe Zeit in der Natur und koche gerne für Freunde. In meiner Freizeit stehen dann Reisen mit dem Campingmobil und die ein oder andere Angeltour an, denn es gibt für mich wenig elementarere und schönere Erlebnisse, als morgens früh durch einen Gebirgsbach zu wandern und abends einen selbstgefangenen Fisch am Lagerfeuer zuzubereiten.

Aber vom Konkurrenzdruck unter Wissenschaftlern kann man sich an einer Elite-Uni doch nicht freimachen?

Konkurrenzsituationen versuche ich zu vermeiden. Ich bin auch in der Wissenschaft geblieben, weil ich an Teamwork und die kreative Kraft konstruktiver Kooperation glaube. Als Wissenschaftler bin ich nicht unbedingt ein großer Fan von Konkurrenzdruck und monetären Anreizsystemen, die zu guten Leistungen motivieren sollen. Ich sage nicht, dass sowas grundsätzlich nicht funktionieren kann, aber es kommt eben auch auf den Typ Mensch und die Aufgabe an. Tatsächlich genieße ich die Teamwork-Komponente in der Wissenschaft sehr und ich habe das große Glück, dass einige meiner Co-Autoren echte Freunde geworden sind.

Ist es nicht schwierig, wenn man mit Studenten konfrontiert wird, die als Manager aus renommierten Unternehmen mehr Berufs- und Lebenserfahrung als man selbst mitbringen und angesichts der teuren Studiengebühren eine Top-Ausbildung fordern?

Es ist anspruchsvoll und herausfordernd, aber ich empfinde es im Gegenteil eher als Bereicherung, mit diesen großartigen Studierenden zusammenzuarbeiten. Die MBA-Studenten kommen an die HEC Paris, um eine sehr gute Ausbildung zu erhalten. Sie ergänzen ihre beeindruckenden Biographien aus verschiedensten Bereichen dadurch, dass sie sich dank der MBA-Ausbildung nochmal gezielt auf Managementfunktionen vorbereiten.

Dabei kann ich versuchen, die besten und neuesten Erkenntnisse zielgruppengerecht und anwendungsorientiert aufzubereiten. Wenn ich das gut hinbekomme, macht es großen Spaß, die geballte Kompetenz im Klassenraum als Richtungsgeber und Moderator zu nutzen, so dass wir am Ende des Tages hoffentlich alle ein bisschen schlauer nach Hause gehen.
 

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