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MBA

So knacken Sie den GMAT

Christoph Mohr
Der Graduate Management Admissions Test (GMAT), ist Voraussetzung für die Aufnahme in jedes bessere MBA-Programm weltweit. Für viele deutsche MBA-Interessenten ist der GMAT der reine Horror. GMAT-Experte Dr. Jörn Meissner bietet Hilfe.
Bis zu 800 Punkte sind beim GMAT zu erreichenFoto: © Feng Yu - Fotolia.com
Junge Karriere: Alle ernstzunehmenden MBA-Schulen weltweit verlangen von ihren (zukünftigen) Studenten den Nachweis des GMAT. Warum eigentlich?Dr. Jörn Meissner: Bei allen guten Programmen übersteigt die Bewerberzahl die Anzahl der verfügbaren Studienplätze erheblich. Die Schulen müssen also eine Auswahl treffen, wobei die Ergebnisse der bisherigen Studienleistungen und andere Vorleistungen jedoch nur schwer zu vergleichen sind. Daher ist die Nutzung eines standardisierten Tests wie des GMAT sinnvoll, denn er liefert den Aufnahmegremien objektive and vergleichbare Daten zur Einschätzung der Bewerber.

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Sagt der GMAT wirklich etwas über die MBA-Studienqualifikation aus oder ist es eigentlich nur eine Hürde, an der man die Ernsthaftigkeit der potenziellen Studenten testet – ein bisschen so wie früher Latein in Deutschland, weitgehend nutzlos, zeigt aber, dass sich der Schüler angestrengt hat...Der GMAT ist nach Untersuchungen des Graduate Management Admissions Council (GMAC), das den GMAT durchführt, ein guter Indikator für die Studienleistungen im ersten Jahr und damit eine wertvolle Entscheidungshilfe bei der Auswahl der MBA-Studenten. Sicherlich schließt auch eine statistisch starke Korrelation nicht aus, dass es Abweichler gibt – MBA-Studenten, die trotz niedriger GMAT-Ergebnisse zu den Besten in ihrem Programm zählen. Dennoch ist der GMAT in keinem Fall lediglich als eine lästige Übung anzusehen.Gibt es denn wirklich eine nachweisbare Korrelation zwischen GMAT-Score und dem späteren Erfolg im MBA Studium?Auch GMAT-Kritiker bezweifeln nicht, dass im ersten Studienjahr eine positive Korrelation zwischen GMAT-Score und Noten besteht. Mit meiner eigenen persönlichen Erfahrung aus über zehn Jahren Lehre in MBA-Programmen kann ich bestätigen, dass nahezu alle meiner sehr guten Studenten beim GMAT hohe Punktzahlen im Bereich von 700 und höher erzielt hatten. Allerdings sind meine Vorlesungen in quantitativen Fächern angesiedelt. In den Kursen, in denen primär auf „soft skills“ abgestellt wird, mag eine solche Tendenz weniger deutlich ausgeprägt sein.Einige Top-Schulen wie Stanford (720), Wharton (713), Tuck (711) Chicago Booth (707), Harvard (707) oder Insead (701) geben als Durchschnittswerte ihrer MBA-Studenten Scores über 700 an. Ist das glaubhaft? Oder ist das reine PR-Show?Das ist in jedem Fall glaubhaft. Zwar werden die Admissions Offices häufig auch intern dazu angehalten, einen Mix von Studenten verschiedener akademischer Hintergründe, Erfahrungen und Begabungen in eine Jahrgangsklasse aufzunehmen, aber ein GMAT-Score über 700 ist ein Muss. Die Veröffentlichung dieser Werte und ihr Einfließen in diverse Rankings von MBA-Schulen haben dann in der Tat einen willkommenen PR-Nebeneffekt. Auch Recruiter beobachten die durchschnittlichen GMAT-Scores einer Schule und entscheiden in Zeiten niedrigen Personalbedarfs auf dieser Basis, ob sich ein Campusbesuch für sie überhaupt lohnt.Man könnte demnach Business Schools auch nach dem Durchschnitts-Score ihrer MBA-Studenten ranken. Welchen Aussagewert hätte ein solches Ranking?Bei einem solchen Ranking wären die kleinen Schulen klar im Vorteil. Beispielsweise ist der Durchschnitts-Score von Stanford auch deshalb stets höher als der anderer Schulen, weil das Programm nur 350 Teilnehmer hat. Wharton und Harvard dagegen lassen nahezu dreimal so viele Studenten zu, wobei automatisch eine größere Bandbreite an Studenten umfasst wird. Trotz dieser Einschränkungen eignen sich Durchschnitts-Scores als guter Richtwert für die Qualität der Studenten. Insbesondere bei einer Schule mit einem sehr niedrigen GMAT-Durchschnittsergebnis sollte man sich die potentiellen Mitstudenten schon sehr genau ansehen.Welchen GMAT-Score braucht man, um realistischerweise an einer der Top 10 Business Schools in den USA aufgenommen zu werden?Bewerber mit eher konventionellen Studien- und Karriereprofilen sollten ein Ergebnis vorlegen können, das nahe an 700 Punkten liegt. Bei Bewerbern mit ausgefallenen Profilen, die die Jahrgangsklasse durch ihre ungewöhnliche Erfahrung bereichern, darf die Punktzahl auch etwas darunter liegen. Ein von uns trainierter MBA-Bewerber hat es trotz eines GMAT-Scores von 650 auf die Warteliste von Stanford geschafft. Allerdings hatte er einen sehr interessanten Lebenslauf vorzuweisen – er hatte bereits als Modefotograf in London gearbeitet und ein Start-up in diesem Bereich gegründet.

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