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Weiterbildung

Serie: MBA in Großbritannien

Christoph Mohr
Die guten britischen Business Schools haben sich in den letzten Jahren zu Orten der globalen Elite entwickelt. Für Deutsche ist das nicht immer gut.
Für einen MBA zieht es viele Top-Leute auf die InselFoto: © Ellen Valentin - Fotolia.com
Inder, Chinesen, Russen - wer in diesen Tagen über den Campus einer britischen Business School schlendert, der kann förmlich mit eigenen Augen sehen, wie sich die Gewichte der Weltwirtschaft verlagern. "Eigentlich müssten wir eine Inder-Quote einführen", sagt der Admissions Director einer der englischen Top-Schulen, "nicht weil wir zu wenige hoch qualifizierte indische MBA-Bewerber haben, sondern zu viele." Und was für Bewerbungen! Schaut man sich die Ergebnisse an, die viele asiatische MBA-Bewerber beim international üblichen Business School-Standardtest GMAT vorzuweisen haben, dann kann einem für die Zukunft Deutschlands Angst und Bange werden!Diese Entwicklung spiegelt sich auch in harten Zahlen wider. Eine dem Handelsblatt vorliegende Aufschlüsselung des gegenwärtigen MBA-Jahrgangs an der London Business School etwa zeigt, dass die Asiaten mit 23 Prozent mittlerweile das größte Studentenkontingent an der britischen Top-Schule stellen, knapp größer als der Anteil nordamerikanischer Studenten (22 Prozent) und EU-Angehöriger (22 Prozent). Aus Lateinamerika kommen weitere acht Prozent der MBA-Studenten, aus Osteuropa fünf, genau so viele wie aus den arabischen Ländern und Afrika.

Die besten Jobs von allen

Noch deutlicher die Zahlen der Judge Business School der Universität Cambridge: Hier stellen indische Studenten mit 17 Prozent das größte Kontingent, China stellt neun Prozent, Südostasien und Ostasien noch einmal acht, bzw. zwölf Prozent der Studenten. Insgesamt kommen 50 Prozent der MBA-Studenten der Top-Schule aus Asien. Dem stehen nur zehn Prozent Nordamerikaner, 13 Prozent Westeuropäer und zehn Prozent an Studenten mit britischem Pass gegenüber. Die ambitionierten jungen Leute aus den aufstrebenden Volkswirtschaften träumen von Internationalität und globaler Perspektive - und es sind die britischen Business Schools mehr noch als die US-amerikanischen, die sie ihnen bieten können.Die beste Uni der Welt"Ich bin in China aufgewachsen, habe in China studiert und fünf Jahre in einem chinesischen Unternehmen gearbeitet", erklärt Xiaosong Hu, MBA-Student an der Said Business School der Universität Oxford, "aber die Business-Welt ist heute global, und ich wollte einen MBA machen, um meinen internationalen Horizont zu erweitern. Oxford ist weltweit bekannt, und für die meisten Chinesen ist es schlicht und einfach die beste Uni der Welt."So ist es ein offenes Geheimnis, dass die guten britischen Business Schools heute problemlos ihre MBA-Programme mit asiatischen Studenten füllen könnten. Dass sie es nicht tun, hängt auch damit zusammen, dass in den international maßgeblichen MBA-Rankings "diversity", also auch die unterschiedliche geographische Herkunft der MBA-Studenten, ein wichtiges Kriterium ist. Manchmal durch ihr aktives Zutun, manchmal auch ohne, sind die britischen Business Schools in den letzten Jahren zu Orten der "globalen" Elite geworden.Dazu muss man gar nicht so dick auftragen wie die London Business School, die sich die "pre-eminent global business school" nennt oder über ein Label wie "Oxford" oder "Cambridge" verfügen. Viele britische MBA-Schulen profitieren ganz einfach davon, dass in vielen Ländern eine Ausbildung in Großbritannien noch immer einen Wert an sich darstellt - und dass aus politischen Gründen US-Business Schools in den letzten Jahren für Angehörige einer ganzen Reihe von Ländern weniger attraktiv geworden sind. Parallel zu dieser Entwicklung ist London, insbesondere natürlich die Finanzindustrie, zu einem Ort geworden, der sehr gute Leute ("top talent") aus aller Welt in Scharen anzieht.Die britische Regierung hat dies sogar noch aktiv unterstützt, indem sie ein System der Arbeitserlaubniserteilung ("Highly Skilled Migrant Programme") für Absolventen ausgesuchter Schulen eingerichtet hat. Damit wurde der MBA einer Top-Schule gleich in doppelter Weise ein Sprungbrett in die Londoner City. Diese gesamte Entwicklung hat allerdings auch dazu geführt, dass sich die britischen Business Schools heute spürbar weniger für Deutschland interessieren als noch vor einigen Jahren, als Europas größte Marktwirtschaft mit ihrem unterentwickeltem MBA-Markt als Eldorado für britische MBA-Anbieter galt. Heute ist Deutschland schlicht eines der vielen Länder, aus denen potenzielle MBA-Studenten kommen. Für ein, zwei Deutsche pro MBA-Jahrgang muss man keinen großen Aufwand treiben. "Bald müssen wir den Quoten-Deutschen einführen", beschreibt ein Schulvertreter ironisch die Situation.Einmal Großbritannien, immer GroßbritannienZwar verweisen britische Business Schools durchaus auf ihre guten Kontakte zu deutschen Unternehmen und deren Personalabteilungen - immerhin der Schlüsselfaktor für das "Placement" von MBA-Absolventen, also deren Job-Chancen und letztlich auch für den Marktwert des MBA. Doch die Zahlen sprechen eine ganz eigene Sprache. So weist etwa der "MBA Employment Report 2007" der London Business School aus, dass 79 Prozent der letztjährigen MBA-Absolventen einen Job in Großbritannien gefunden haben - und nur verschwindende acht Prozent in Westeuropa inklusive Deutschland.Wie kommt es dann, dass die britischen Business Schools deutsche Namen als rekrutierende Unternehmen angeben können? Das Rätsel löst sich leicht auf Nachfrage, sind es doch ganz einfach oft die Niederlassungen oder britische Tochterunternehmen deutscher Firmen, bei denen die MBA-Absolventen einen Job gefunden haben. Und eben in London oder Großbritannien und nicht in Deutschland. Fazit: Wer als Deutscher einen MBA in Großbritannien macht, trifft dort auf ein globales Umfeld, aber auch internationale Konkurrenz. Mit dem "Risiko," mit seinem MBA in Großbritannien zu bleiben.MBA in Großbritannien - die Serie:Teil 1: Die MBA-Zentrale London
Teil 2: Der MBA mit Stern
Teil 3: Entrepreneurship als Schwerpunkt
Teil 4: Maßgeschneidert fürs Unternehmen
Dieser Artikel ist erschienen am 30.05.2008
 

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