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Berlin

Schule für Staat und Wirtschaft

Stefani Hergert
Die Berliner Hertie School of Governance bildet den Nachwuchs für Ministerien und Organisationen aus. Jetzt kooperiert sie zum ersten Mal mit einer Wirtschaftshochschule.
Die Hertie School of Business sitzt in BerlinFoto: © Kai Michael Neuhold
Schon ihre Adresse setzt ein Zeichen. Da wo Tradition und Moderne, Kultur und Kommerz aufs Interessanteste verschmelzen, an der Friedrichstraße, in Berlins historischer Stadtmitte, residiert die Hertie School of Governance. Das Gebäude beherbergte früher das DDR-Ministerium für Außenhandel.Um Fünf-Jahrespläne geht es längst nicht mehr. An der privaten Hochschule für „gutes Regieren“ werden die künftigen Lenker von Ministerien, Nicht-Regierungsorganisationen, Verbänden und gemeinnützigen Einrichtungen ausgebildet. Jedes Jahr sind das rund 130 neue Studenten in den zwei Studiengängen.

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Begehrte AbsolventenDie Absolventen sind begehrt. Denn sie haben gelernt, über den Tellerrand zu schauen. Sie sind Führungskräfte, aber keine Manager im klassischen Sinne. So brechen sie nicht nur das bisherige Monopol der Volljuristen in der deutschen Verwaltung auf. Mit ihrer anderen Denkrichtung sollen sie auch den Wandel beschleunigen. „In der Verwaltung glaubt man immer noch, ein guter Jurist ist auch eine gute Führungskraft“, sagt Gerhard Hammerschmid, der das Executive-Programm an der Hertie School leitet.Dazu setzt die 2003 gegründete und von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung getragene Berliner Hochschule auf die Fächer Jura, Politik und Soziologie. Die Managementlehre soll mehr Gewicht bekommen. „Wir haben uns zunächst auf Ministerien und Verwaltung konzentriert, dann kam der zivilgesellschaftliche Teil hinzu. Jetzt gehen wir stärker in Richtung Wirtschaft“, sagt Hertie-Dekan Helmut Anheier.Nach Informationen des Handelsblatts macht die Hertie School deshalb jetzt mit der Wirtschaftshochschule ESCP Europe aus Berlin gemeinsame Sache. Die Kooperation soll heute bekanntgegeben werden. Durch diese Kooperation können ESCP-Studenten nun im berufsbegleitenden Managementstudium zusätzlich an der Hertie School Kurse etwa zu politischer Kommunikation oder Sponsorengewinnung belegen. Die Hertie-Studenten des Executive-Programms wiederum pendeln für Seminare zu strategischem Führungsverhalten oder Personalmanagement an die ESCP.In Frankreich kooperiert die dortige ESCP Europe bereits mit der Elitehochschule École Nationale d'Administration (ENA). „In Deutschland wollten wir ebenfalls mit der besten Hochschule zusammenarbeiten“, sagt Ayad Al-Ani, Rektor der ESCP Europe in Berlin.Zwar haben auch einige staatliche Universitäten in Deutschland schon Governance Schools gegründet. In Erfurt und an der Uni Duisburg-Essen gibt es eine, in Berlin residiert ganz in der Nachbarschaft die Humboldt Viadrina School. Doch die Hertie School gilt als das deutsche Aushängeschild.Und das, obwohl der Anfang schwierig, das Modell in Deutschland praktisch unbekannt war. „Wir betraten absolutes Neuland“, sagt Michael Endres. Er ist Vorstandsvorsitzender der gemeinnützigen Hertie-Stiftung, die auf die Erben von Georg Karg, Inhaber der traditionsreichen Hertie-Kaufhäuser, zurückgeht.
 

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