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Doktorarbeit

Promovieren - neben dem Job

Johanna Kutsche
Wer neben dem Job promovieren will, braucht Ausdauer, Leidenschaft und die Unterstützung seines Arbeitgebers. Aber nicht immer lohnt die Dissertation. Lesen Sie hier, welchen Fallen Sie aus dem Weg gehen sollten, wie Sie den großen Arbeitsaufwand bewältigen und warum sich ein Stipendium lohnt.
Wer promovieren will, braucht jede Menge DisziplinFoto: © Barbara Schaaf
Promo-Virus. So nennt Thomas Meuser das Symptom. Der Professor für Umweltmanagement an der Unternehmerhochschule BiTS in Iserlohn hat ein Buch geschrieben. Es trägt den Titel: "Promo-Viren. Zur Behandlung promotionaler Infekte und chronischer Doktoritis". Das Werk ist zwar nicht mehr ganz druckfrisch - aber es ist immer noch ein Bestseller. Einzelaufsätze beschreiben zum Beispiel Assistenten am Rande des Nervenzusammenbruchs. Jeder Doktorand kann sich darin wiederfinden.Jährlich entschließen sich in Deutschland rund 24000 Studenten zu einer Promotion. Einige haben den Wunsch, nach dem Studium noch in ihrem Fachbereich weiterzuarbeiten. Manche wissen keine Alternative und widmen sich lieber ein paar Jahre lang einer Doktorarbeit, als auf der Straße zu stehen oder sich auf den harten Bewerbungsmarathon einzulassen. Und andere wollen mit der Promotion ihre Karrierechancen verbessern: Ein Doktortitel macht bei Personalchefs Eindruck, und auch das Gehalt fällt höher aus. Laut einer Kienbaum-Studie verdienen Berufstätige mit Doktortitel zwischen 50000 und 60000 Euro pro Jahr. Absolventen ohne Doktortitel kommen im Schnitt auf etwa 42000 Euro.

Die besten Jobs von allen

Immer mehr Doktoranden arbeiten gleichzeitigDer Doktor ist begehrt. Viele Angestellte entscheiden sich deshalb für eine Promotion neben dem Job. Mittlerweile sind es immerhin zehn Prozent aller Doktoranden - Tendenz steigend. So wie Katja Goß. Die 28-jährige Rechtsanwältin arbeitet seit vier Jahren im Düsseldorfer Büro der internationalen Großkanzlei Linklaters. "Man muss schon ein Typ sein, der gerne wissenschaftlich arbeitet und sich durchbeißen kann", sagt sie. Nach dem Jura-Studium hat sie ihr Referendariat bei Linklaters absolviert und viel Motivation und Unterstützung bekommen. Da schien dann auch der Gedanke an die Promotion nicht mehr so abwegig. "Inzwischen wird mir immer mehr bewusst, dass gerade bei Frauen in einer großen Wirtschaftskanzlei ein Doktortitel helfen kann, Vorurteile abzubauen", sagt sie, "sonst besteht die Gefahr, nicht ganz ernst genommen oder womöglich mit der Sekretärin verwechselt zu werden."Juristen haben es allerdings recht einfach. In ein bis zwei Jahren sind sie fertig. Da fällt es nicht ganz so schwer, neben dem Job zu promovieren. In anderen Fächern dauert es länger. Durchschnittlich fünf Jahre benötigen Promovierende für ihre Dissertation.Promovieren neben der normalen Arbeit verlang höchste DisziplinWer neben dem Job promoviert, muss in der Regel noch viel mehr Zeit veranschlagen. "Im Job drei Jahre für eine Promotion auszusetzen, das würde ich mir wirklich überlegen", sagt Buchautor Thomas Meuser. Denn nicht immer bringt ein Doktortitel auch tatsächlich einen Mehrwert. Die Faustregel lautet: Je praxisnäher der Job ist, desto weniger lohnt sich die Promotion. Und: Was schon im Studium gefordert ist, nämlich Organisationstalent und Selbstdisziplin, das gilt bei einer Promotion in besonderem Maße. Jeder, der mit dem Gedanken spielt, den Titel anzustreben, sollte sich vorab kritisch hinterfragen.In manchen Fächern ist eine Doktorarbeit ohnehin nicht nötig, in den Ingenieurwissenschaften zum Beispiel. "Die haben auch so gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt", sagt Jutta Bäumler, Berufsberaterin für akademische Berufe bei der Arbeitsagentur in Magdeburg, "auch in der Krise sind die Bedingungen vergleichsweise gut." Die Notwendigkeit zur Dissertation sei da kaum gegeben. Ganz anders dagegen in den Naturwissenschaften. Wer zurzeit die Chance hat, eine Promotion aufzunehmen, sollte zugreifen. "Biologen und Physiker haben mit einer Promotion deutlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt", sagt Jutta Bäumler.
 

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