Ortswechsel

Praktikum am Ende der Welt

Tobias Heyer
Stefan Tigges macht ein Praktikum in Indonesien und zieht die Straßen von Surabaya dem Urlaubsparadies Bali vor. Mittlerweile hat er sein Leben dort gut organisiert. Er weiß, wo es das beste Frühstück gibt und wie man das Verkehrschaos umgeht.
Stefan Tigges ist für Schenker in IndonesienFoto: © privat
Stefan Tigges fällt auf in Surabaya. Nicht nur, weil er Europäer ist. Davon gibt es hier einige. Aber mit einer Größe jenseits der Zwei-Meter-Marke überragt er die Indonesier um mindestens einen Kopf. Der 25-jährige Sauerländer studiert in Cambridge BWL und absolviert in Indonesien ein Praktikum. Für Schenker, die Logistik-Tochter der Deutschen Bahn, reiste er über Singapur nach Surabaya. 7,5 Millionen Einwohner hat die Stadt, "und ständig scheint sie weiter zu wachsen", sagt Tigges. Parallel dazu wächst auch der Smog über der Stadt. "Dass man hier strahlend blauen Himmel hat, ist sehr selten", sagt er.
Die Polizisten, die auf den Verkehrsinseln stehen und sich bemühen, den Verkehr zu regeln, haben Halstücher vor Mund und Nase, um sich gegen die Abgase zu schützen. Die stammen meist von Hunderten von Mofas, die laut brüllend an roten Ampeln auf Grün warten, rudelweise über die Straßen schießen und Rauchschwaden in die engen Gassen blasen. Tigges nimmt sich gerne einen Mietwagen, der kostet lediglich 16 Euro am Tag - inklusive Fahrer. Der ist eigentlich auch notwendig, denn gefahren wird chaotisch wie in Palermo, auf Straßen, die selbst in Marokko nur als Pisten durchgingen.Kühles Bier bei 38 GradBegeistert ist Tigges von der Freundlichkeit der Kollegen, der Hilfsbereitschaft und dem Gemeinschaftsgefühl. Das komplette Großraumbüro unternimmt Ausflüge oder sitzt nach der Arbeit oft im Golfclub zusammen und genießt bei 38 Grad Außentemperatur ein kühles Bier. Tipps für das Abendprogramm hat Tigges etliche parat, morgens aber gibt es für ihn nur eine Anlaufstelle: das Hotel Shangri-La, in dem regelmäßig Staatsmänner übernachten, "bietet das beste Frühstücksbüffet der Stadt", sagt Tigges. Zehn Euro kostet es, dafür bereitet der Koch das Rührei am Tisch zu und tischt europäische wie asiatische Köstlichkeiten auf.Wenn Tigges möchte, kann er in den Dschungel fahren, um Affen oder Leoparden zu beobachten. Auch das Urlaubsparadies Bali ist keine Flugstunde entfernt. Viel lieber aber vertreibt er sich die Zeit auf den Straßen Surabayas. Spätabends geht er dann nach Hause, in sein Zuhause auf Zeit. Bei einer indonesischen Familie hat der Student ein Zimmer zur Untermiete gefunden, 100 Euro zahlt er im Monat, einen Kühlschrank hat er auch. Und das Bett passt - selten in einem Land, in dem die Matratzen oft nur 1,80 Meter lang sind.Lesen Sie mehr zum Thema "Studieren im Ausland":
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Dieser Artikel ist erschienen am 09.04.2010

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