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Qualitätspakt Lehre

Operation mit ungewissem Ausgang

Stefani Hergert
Die Lehre an deutschen Hochschulen hat einen schlechten Ruf. Ein Milliarden-Paket soll helfen. Doch der Geldsegen allein nutzt wenig.
Operation
Foto: M. Bührke/Pixelio
"Schlag den Germer

Einmal im Jahr lädt der Würzburger Chirurgie-Professor Christoph-Thomas Germer zu einer ganz besonderen Vorlesung. Kaum ein Platz ist dann mehr im Hörsaal frei, weil bis zu 200 Zuhörer kommen sehen wollen, wie jeweils ein Student mit OP-Kappe bemützt gegen den 49-Jährigen antritt – im chirurgischen Wettnähen etwa. „Schlag den Germer“ nennt er das, in Anlehnung an eine Fernsehshow.

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Für Germer ist das Teil seiner Lehre – und eine Idee, auf humorvolle Art das Fachwissen der Studenten zu prüfen. Auch sonst hat der Leiter der Chirurgischen Klinik der Uniklinik Würzburg einiges mehr im Lehrrepertoire als so mancher Kollege – ein Quiz-Spiel oder Live-Übertragungen aus dem Operationssaal.

Auf seiner Homepage finden sich viele Materialien zur Vorlesung, für die Seite interessieren sich mittlerweile auch Studenten anderer Unis. 20000 Mal wird die Homepage im Monat abgerufen. Germer sagt: „Ich habe das schönste Fach der Welt.“ Diese Begeisterung will er seinen Studenten vermitteln, „Empathie transportieren“. Und wird dafür nicht nur von seinen Studenten mit Anerkennung überhäuft.

Professoren mit Engagement – nur die Ausnahme

Germers Lehre ist aber noch immer eher die Ausnahme denn die Regel und eine Art Gegenentwurf zum Mittelmaß, das Studenten nicht immer, aber doch immer noch zu häufig an Universitäten und Fachhochschulen erleben. Da gibt es Professoren, die den Begriff Vorlesung nur allzu wörtlich nehmen, die kaum Engagement im Seminar zeigen, die aus Zeitmangel ihre Studenten mit Fragen allein lassen, statt Antworten zu geben.

Schon allein, dass man Vorbilder wie Germer heute stolz präsentiert, ist eine Art Revolution. Das erste Mal in mehr als 500 Jahren Hochschulgeschichte rückt die Lehre nun in den Fokus. Dabei geht es gar nicht immer um die große Show wie bei dem Medizin-Professor. Es geht um die Begeisterung, das Engagement in der Lehre, die oft im Schatten des großen Bruders – der Forschung – steht.

Mit der Lehre an Profil gewinnen

Nicht zuletzt der gerade verkündete „Qualitätspakt Lehre“, mit dem Bundesbildungsministerin Annette Schavan den Unterricht an den Hochschulen verbessern will, zeigt: Es bewegt sich etwas. „Die Hochschulen erkennen, dass sie auch mit der Lehre Profil gewinnen können“, sagt Johannes Wildt, Leiter des Hochschuldidaktischen Zentrums der TU Dortmund.

Ob die künftige akademische Elite an der Hochschule wirklich das vermittelt bekommt, was Arbeitgeber und sie selbst erwarten, ist noch allzu oft dem Zufall überlassen. 40 Prozent der Wirtschafts-Absolventen deutscher Unis fühlen sich laut einer Trendence-Umfrage den Anforderungen des Berufslebens nicht gewachsen.

 

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