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Handtuch
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Moral für Manager

Nicht das Handtuch werfen!

Stefani Hergert
Ethikkurse sind heute Standard in der Managerausbildung – auch für erfahrene Führungskräfte. An einer deutschen Wirtschaftsuni lernen sie: Gewissensfragen sind Abwägungssache.
Da ist die Sache mit den Handtüchern. Auf den Boden, wenn sie gewaschen werden sollen, auf die Stange, wenn sie auch noch für den nächsten Tag gut sind. Die meisten Hotels appellieren ans grüne Gewissen ihrer Gäste – teils mit bescheidenem Erfolg. Psychologen aber haben herausgefunden, dass sie nicht bitten, sondern ihren Gästen einen Klub schmackhaft machen sollen. Frei nach dem Motto: 70 Prozent unserer Gäste benutzen ihr Handtuch mehrmals – gehören auch Sie dazu. Wer will da schon zum Außenseiter werden?

Dass Hotels damit auch ihre Wäschereirechnung eindampfen – geschenkt. Es ist ja für einen guten Zweck. Was aber, wenn die 70 Prozent in Wahrheit nur 20 sind? Oder das Hotel gar nicht weiß, wie viele Gäste das Stück Frottee zurückhängen? Macht ja nix, dann sind die Zahlen eben erfunden. Für den guten Zweck ist das Mittel doch recht.

Nur: Ist es das wirklich?

Der Fragensteller

Adam Waytz ist nicht angetreten, um diese Frage zu beantworten. Er ist angetreten, die Frage zu stellen. Der Professor, von Haus aus Psychologe, lehrt Ethik an der Kellogg School of Management und der deutschen Wirtschaftsuni WHU – Otto Beisheim School of Management. Waytz will seine Studenten im MBA für erfahrene Führungskräfte sensibilisieren, ihnen das Verständnis für ethische Dilemmata mitgeben.

Ethikkurse sind spätestens mit dem Skandal um geschönte Bilanzen beim Energieriesen Enron Anfang des Jahrtausends ins Bewusstsein aller Wirtschaftshochschulen gerückt. Spätestens seit der Finanzkrise und der Tatsache, dass in den USA etliche der Manager einen MBA-Titel hatten, die mitverantwortlich gemacht werden, ist Ethik in so gut wie jedem MBA-Studiengang verpflichtender Teil der Ausbildung. Kritiker indes monieren, dass ethische Fragen eigentlich nicht in einem speziellen Seminar abgehandelt werden, sondern Bestandteil der gesamten Ausbildung sein sollten.

Das Handtuch-Beispiel ist nur eines aus dem Kurs "Ethik und Führung", den Waytz vor kurzem an vier Tagen an der WHU unterrichtet hat. Rund 50 Führungskräfte zwischen 30 und 47 Jahren verfolgen an einem Freitag den dritten Teil seines Kurses, in dem es vor allem um Vorurteile, unbewusste Diskriminierung und Motivation geht. Was Waytz liefert, ist Edutainment im besten Sinne. Hier wird gelernt, gestaunt, gelacht. Es ist die amerikanische Art zu unterrichten: Spannend aufbereitete Studienergebnisse, viele Beispiele, unterhaltsame Videos, eine Simulation im Hörsaal.

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