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Studienort-Wechsel

Neue Uni, neues Glück

Vivien Leue
Für die einen ist es ein notwendiges Übel, weil sie ursprünglich nicht an ihrer Wunsch-Uni studieren konnten, andere möchten einfach etwas Neues entdecken: Gründe für einen Studienortswechsel gibt es viele.
Marina Welsch studiert jetzt in ihrer Lieblingsstadt: BerlinFoto: © Manuel Krug
Marina Welsch wollte immer schon nach Berlin. Nicht nur für ein Wochenende, sondern zum Leben - und zum Studieren. "Die Stadt ist sehr abwechslungsreich und auch für Studenten toll: Man hat die Freie und die Humboldt-Uni zur Auswahl", schwärmt die 22-Jährige. "Und mein Wechsel hierhin war total unproblematisch." Welsch studiert Jura. Zum Wintersemester 2004/2005 schreibt sie sich an der Uni in Mainz ein. Als Notlösung. Ihren Wunschplatz an der Humboldt-Universität (HU) in Berlin hatte sie nicht bekommen. "Mainz ist zwar schön. Aber für mich war eigentlich von Beginn an klar, dass ich nach Berlin möchte." Schon im zweiten Semester in Mainz informiert sie sich deshalb über einen möglichen Wechsel.Nach der Zwischenprüfung erscheint ihr der ideale Zeitpunkt zu sein und so bewirbt sich die Jura-Studentin zum Ende des vierten Semesters in Berlin. Dann heißt es warten: Erst nach Bewerbungsschluss prüft die Fakultät, wie viele Plätze es gibt und wer sie bekommt. "Wir machen ein Ranking nach den Noten des Zwischenprüfungszeugnisses", erklärt Sonja Wendeler vom Prüfungsbüro der juristischen Fakultät an der HU Berlin. "Mal bekommt man mit sechs Punkten einen Platz, mal mit acht Punkten, das hängt immer davon ab, wie viele Studenten sich bewerben." Etwa 100 bis 150 seien das pro Semester, sagt sie.

Die besten Jobs von allen

Marina Welsch kann zehn Punkte vorweisen und gehört zu den Glücklichen, die eine Einladung zur Einschreibung bekommen. "Ich bin dann zum fünften Semester nach Berlin gegangen", erzählt sie. Die Zwischenprüfung wurde ihr komplett anerkannt. Die Scheine und Zeugnisse zeigte die Jura-Studentin im Prüfungsbüro vor - und war nach zehn Minuten wieder draußen, "so schnell und einfach ging das".So glatt wie bei Marina Welsch läuft es nicht immer. "Je nach Fach und Fall ist der Uni-Wechsel einfach bis kompliziert", sagt der akademische Studienberater Markus Hünemörder von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Einige Studiengänge sind auch zum höheren Fachsemester zulassungsbeschränkt. Dort gibt es nur freie Plätze, wenn Studenten die Uni verlassen. Im Fach Grundschullehramt werden beispielsweise selten Plätze frei, sagt Hünemörder.Rund 15 Prozent der Studenten wechseln die UniAuch Medizin sei ein Studiengang mit schwierigen Wechselbedingungen. "Hier ist ein Studienplatztausch die eleganteste Lösung." Große Unterschiede gibt es zudem bei der Beurteilung von erbrachten Leistungen. "Die Anerkennung eines einzelnen Scheins in Anglistik ist beispielsweise leichter als die Anerkennung eines ganzen Fachsemesters in Biologie", so der Studienberater aus München. Überhaupt gebe es in geisteswissenschaftlichen Fächern oftmals mehr Ermessensspielräume als bei landes- oder gar bundesweit normierten Studiengängen wie Medizin oder Lehramt. Zumindest die Jura-Zwischenprüfung wird aber an vielen Unis in Deutschland problemlos akzeptiert.
 

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