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Schülerstudium

Multitasking auf hohem Niveau

Katrin Heine
Unischnuppern mit Nachhaltigkeit: Viele Hochschulen bieten Schülern die Möglichkeit, schon während der Schulzeit Veranstaltungen zu besuchen. Besonders Eifrigen ist es so sogar möglich, für das anschließende Studium 'vorzuarbeiten'.
Für ein Juniorstudium braucht man die Empfehlung eines FachlehrersFoto: © Andres Rodriguez - Fotolia.com
Probieren geht über studieren, heißt es so schön. Das wissen auch die deutschen Hochschulen und bieten Schülern mittlerweile fast überall eine Art „Studium auf Probe" an. Im Gegensatz zu den Tagen der offenen Tür, die die meisten Unis ebenfalls anbieten, können Oberstufenschüler hier intensiver Hörsaal-Luft schnuppern und sich ein Bild davon machen, was sie im Studium erwartet. Die Möglichkeiten für Schüler an den Hochschulen sind vielfältig und reichen vom Juniorstudium für Hochbegabte bis zum unverbindlichen Schnupperstudium.Schon seit einigen Jahren können Schüler an Universitäten Scheine machen, die später im Studium angerechnet werden. Die Universität Köln begann mit ihrem Programm 2000/2001 und immer mehr Hochschulen folgten. Juniorstudium heißen Programme, die sich meist an hochbegabte Schüler der Stufen zehn bis 13 richten.

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Wer hier mitmachen will, braucht eine Empfehlung seines Fachlehrers, sportliche Gehirnzellen und gutes Zeitmanagement. Denn ein Studium parallel zum Schulalltag erledigt sich nicht mit links. Aber keine Angst: Wer merkt, dass der Arbeitsaufwand doch zu groß ist, kann jederzeit und ohne Konsequenzen abbrechen. Wer durchhält, hat vielleicht gleichzeitig mit dem Abitur auch den Bachelorabschluss schon fast in der Tasche.Keine Scheine, aber interessante Studien-Infos bieten die anderen Schnupperangebote. Immer mehr Hochschulen wollen speziell Mädchen für technische und naturwissenschaftliche Studiengänge werben und bieten eigene Veranstaltungsreihen für Schülerinnen an.Als Studentin auf Probe können sich junge Frauen zum Beispiel jedes Jahr an der Uni Bremen zu einem dreitägigen Schnupperstudium anmelden. Gegen eine Teilnahmegebühr von sieben Euro lädt die Uni Schülerinnen der Jahrgangsstufen zehn bis 13 zu Laborübungen, Workshops und Vorträgen in den Fachbereichen Physik, Elektrotechnik, Biologie, Chemie, Mathematik, Informatik, Produktionstechnik und Geowissenschaften. Andere Universitäten wie Freiburg oder die RWTH Aachen bieten ähnliche Programme. Ziel ist es, jungen Frauen die Schwellenangst vor Ingenieurstudiengängen zu nehmen.Angebote für Jungen und MädchenUnischnuppern speziell für Jungs in Fachbereichen wie Erziehungswissenschaften gibt es zwar nicht, aber zahlreiche Schnupperangebote, die sich an beide Geschlechter richten. Wie zum Beispiel die Uni Heidelberg bieten viele Hochschulen Oberstufenschülern an, Vorlesungen, Übungen oder Seminare als Gasthörer zu besuchen. Oft haben die Unis einige spezielle Veranstaltungen quer durch alle Fachbereichte ausgewählt, in denen Schüler besonders willkommen sind. Die Dozenten sind eingebunden und haben nach der Veranstaltung ein offenes Ohr für neugierige Fragen.Diese Schnupperstudium-Angebote konzentrieren sich häufig aufs Sommersemester, es gibt je nach Uni aber auch andere Konzepte und Zeiten. Einfach reinsetzen, zuhören und Fragen stellen. Eine Anmeldung ist meist nicht nötig. Die Büros der Studienberatung helfen aber gerne, interessante Veranstaltungen zusammenzustellen. Wer möchte, kann ein Seminar auch regelmäßig über eine längere Zeit besuchen.Auch private Hochschulen bieten Oberstufenschülern Einblick in den Studentenalltag. Die International School of Management organisiert an ihren Standorten München, Dortmund und Frankfurt/Main gegen eine Gebühr (65 bis 85 Euro) dreitägige Seminare, bei denen sie ihre Studiengänge vorstellt und Studieninteressierten einen Blick in den Hörsaal ermöglicht. Ein ähnliches Konzept hat die Zeppelin University in Friedrichshafen entwickelt. In diesem Jahr geht es bei der Schülerakademie am Bodensee um die Finanzkrise, Kulturmanagement und multikulturelle Politik.Da die Hochschulen ihre Schülerprogramme in Eigenregie entwickeln und umsetzen, gibt es keine Übersicht über alle Angebote. Termine, Zulassungsbeschränkungen, Anmeldefristen, Altersgruppen sind überall anders. Details findet Ihr auf den Internetseiten Eurer Wunschhochschule.Lesen Sie mehr zum Thema "Hochbegabung":
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Dieser Artikel ist erschienen am 21.06.2010
 

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