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Interview zum Transfer Wissenschaft/Praxis

Mit Produkt- und Markenpiraterie zum Erfolg

Interview: Anne Koschik
Wenn Juristen sich über die "strafbare Verletzung gewerblicher Schutzrechte" auslassen, kann das auf Jurastudenten im Seminar genauso trocken und langweilig wirken wie gemeinhin auf juristische Laien. Das muss es aber nicht: Spannend aufbereitet wird der Stoff zur attraktiven Herausforderung. Und am Ende steht ein innovatives Produkt, dessen "Herstellung" gerne kopiert werden darf.

Prestigeträchtige Armbanduhren sind ein beliebtes Objekt der Produktpiraten.
Foto: Dmytro Panchenko/Fotolia.com


Herr Rehaag, Sie haben gerade mit Robert Esser, Professor an der Universität Passau für Internationales Strafrecht und Wirtschaftsstrafrecht, das Buch  "Produkt- und Markenpiraterie" herausgegeben. Es behandelt ein sehr aktuelles und spannendes Thema, ist locker geschrieben, aber dennoch mit vielen juristischen Details versehen. Was ist das Besondere an diesem Buch? Handelt es sich um ein reines Lehrbuch?

Rehaag: In erster Linie schon – aber nicht nur. Es ist für Studierende genauso spannend wie für Laien oder für die Rechtsabteilungen von Unternehmen. In dem Buch geht es um den Schutz geistigen Eigentums mit den Mitteln des Strafrechts. Die strafbare Verletzung von gewerblichen Schutzrechten, also von Marken, Geschmacksmustern, Patenten und anderen Schutzrechten, sowie die strafbare Verletzung des Urheberrechts sind wissenschaftlich bislang nicht umfassend aufgearbeitet – ein spannendes Forschungsthema.

Neuerscheinung

Robert Esser/Constantin Rehaag (Hg.): Produkt und Markenpiraterie. Strafbare Verletzung gewerblicher Schutzrechte. 382 S. Frankfurt School Verlag 2012


Hinzu kommt, dass Produktpiraten gerade auch die schönen Dinge des Lebens fälschen: von luxuriösen Handtaschen bis hin zu prestigeträchtigen Armbanduhren. Das macht das Thema für jedermann sehr greifbar. Das Interessante an diesem Buch ist, dass es aus der Feder von Jurastudenten stammt, denn ihre Seminararbeiten für den universitären Teil der Ersten Juristischen Prüfung waren die Grundlage dieser Veröffentlichung.

Die besten Jobs von allen


Wie kam es dazu? Hinzu kommt, dass Produktpiraten gerade auch die schönen Dinge des Lebens fälschen: von luxuriösen Handtaschen bis hin zu prestigeträchtigen Armbanduhren. Das macht das Thema für jedermann sehr greifbar. Das Interessante an diesem Buch ist, dass es aus der Feder von Jurastudenten stammt, denn ihre Seminararbeiten für den universitären Teil der Ersten Juristischen Prüfung waren die Grundlage dieser Veröffentlichung.
Constantin Rehaag, 39,
Rechts- und Fachanwalt für
gewerblichen Rechtschutz
bei der Wirtschaftskanzlei
Salans LLP in FrankfurtFoto: Privat
Rehaag: In der Praxis haben wir die Erfahrung gemacht, dass bei Ermittlungsbehörden und Gerichten, die mit der strafrechtlichen Aufarbeitung von Produktpiraterie befasst waren, eine gewisse Zurückhaltung und manchmal Unsicherheit bestand. Von dieser Erfahrung bis zur Idee, das Thema Produktpiraterie zum Gegenstand der universitären Ausbildung zu machen, war es nur ein kleiner Schritt. Denn: Die Ausbildung an den Universitäten greift solche Themen nicht auf, sie ist manchmal gezwungenermaßen etwas praxisfern. Ich setze mich für einen bunteren Unialltag mit mehr Begeisterung für die Praxis ein. Und umgekehrt ist es natürlich für die Kanzleien sehr wichtig, Absolventen rekrutieren zu können, die neben hervorragenden theoretischen Kenntnissen einen Blick für praktische Lösungen haben.

Konnten Sie ihren Plan denn so einfach in die Tat umsetzen? War es nicht schwierig, mit Ihrer Idee in den Elfenbeinturm der reinen Lehre vorzudringen?

Rehaag: Ich glaube, dass die Generation der jüngeren Professoren viel offener und aufgeschlossener dafür ist, die herkömmliche juristische Ausbildung in Kombination mit praxisrelevantem Wissen zu vermitteln. Mir kam zudem ein persönlicher Kontakt zur Universität Passau zugute. Ich erlebe dort einen unprätentiösen Umgang mit dem Thema. Über einen früheren Kommilitonen habe ich den Kontakt zu Professor Esser aufgenommen, der von der Idee zu kooperieren sehr angetan war. Relativ schnell haben wir das Konzept für eine Zusammenarbeit entwickelt.

Die besten Jobs von allen

Robert Esser, 41, seit 2006
Inhaber des Lehrstuhls für
Deutsches, Europäisches und
Internationales Strafrecht
und Strafprozessrecht
sowie Wirtschaftsstrafrecht
an der Universität PassauFoto: Privat
Esser: Kontakte zu den Kanzleien zu bekommen, ist für uns als Universität sehr wichtig, nicht zuletzt, weil unsere Studierenden auf Praktikanten- und Referendariatsstellen angewiesen sind. Für die Wissenschaft sind solche Kontakte aber auch inhaltlich sehr fruchtbar. Wir haben unter den Dozenten viele Lehrbeauftragte, die aus der justiziellen Praxis kommen. Ein Kontakt zu Rechtsanwälten und Kanzleien ist also durchaus gewollt. Natürlich müssen die Gremien der Fakultät wissen, wer bei uns in Lehre tätig ist. Und wir müssen bei Kooperationen mit externen Partnern stets unsere wissenschaftliche Neutralität wahren, aber das stellt bei der Zusammenarbeit mit Kanzleien regelmäßig kein Problem dar. Denn bei gemeinsamen Seminaren werden verständlicherweise keine konkreten Probleme eines speziellen Mandanten behandelt, sondern die Themen des Seminars werden aus der Sicht von Wissenschaft und Praxis allgemein analysiert.

 

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