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Uni Duisburg-Essen

Mit neuem Master in die Politik

Cigdem Dolap
Künftige Spitzenkräfte für Politik und Verwaltung will die "NRW School of Governance" der Uni Duisburg-Essen ausbilden. Dabei wird auf eine praxisnahe Ausbildung und prominente Gastdozenten gesetzt - Vorträge hält hier zum Beispiel Ex-Bundesminister Wolfgang Clement.
Künftige Politikmanager geben den Ton anFoto: © Tomasz Trojanowski - Fotolia.com
"Regieren in Düsseldorf und Berlin am Beispiel der Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik": Das Thema der Vorlesung für die Master-Studenten im Studiengang Politikmanagement an der Uni Duisburg-Essen klingt eher nach Schwarzbrot als nach einem Thema, das die Gemüter erhitzt. Doch der Gastprofessor, Ex-Superminister Wolfgang Clement, zieht innerhalb weniger Minuten die Studenten in seinen Bann. Dabei zeigt er vollen Körpereinsatz. Er ballt die Fäuste, streckt die Hände zum Publikum oder direkt den ganzen Arm aus. Vor allem, wenn es kontrovers wird: etwa als er sagt, dass der Mindestlohn neue Arbeitsplätze verhindere oder dass Atomkraftwerke prestigeträchtige und deshalb unverzichtbare Energiequellen seien. Mit Clements Ideen mögen nicht alle im Saal einverstanden sein, doch seine im Stil einer Wahlkampfrede gehaltene Vorlesung kommt an. Für die 35 Master-Studenten, die fast verloren zwischen den zahlreichen Besuchern sitzen, ist diese Gastvorlesung auch ein Lehrstück in professioneller Selbstinszenierung.Schließlich sollen die Studenten der NRW School, die im Wintersemester 2006/2007 ins erste Semester gestartet ist, nach ihrem Abschluss selbst vielseitig einsetzbar sein: in Politik, Unternehmen und Verwaltung. Und da gehört das Wissen über die Wirkung von Außendarstellung genauso dazu wie die harten Faktoren, die Clement ebenfalls betont: "Wir brauchen gut ausgebildete, politische Köpfe, die in der Lage sind, den öffentlichen und privaten Sektor analytisch zu durchdringen und dafür einen wissenschaftlichen, aber auch praxisnahen Zugang mitbringen."

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Genau das lernen die künftigen Politikmanager in vier Semestern. Sie analysieren praktische Probleme in den verschiedenen Politikfeldern und entwickeln daraufhin Strategien. Wie kann sich eine Partei, deren traditionelle Wählerklientel wegbricht, neu aufstellen? Wie kann auch ein unpopuläres Thema - ein Beispiel wäre etwa die Rente mit 67 - nach außen verkauft werden? Wie kann ein Imageverlust nach einem Korruptionsskandal abgewendet werden? Wann immer es möglich ist, vertraut die Leitung der Governance School auf Praxisnähe - durch Gastvorträge und Podiumsdiskussionen, Besuche bei den Entscheidungsträgern in ihrem Arbeitsumfeld, etwa in Berlin oder Brüssel, und mehrtägige Workshops.Dabei sollen die zu Gastvorlesungen eingeladenen Experten anhand von alltagstauglichen Beispielen möglichst offen erzählen, damit der Nachwuchs das politische Geschehen und Handeln durchschaut. "Die Studenten bekommen bei uns vermittelt, wie Politiker ticken, wie man Mehrheiten organisiert und dafür auch die Medien einbindet", sagt Institutsleiter Professor Karl-Rudolf Korte. "Denn Politikmanagement heißt vor allem auch Aufmerksamkeitsmanagement."Für ein besseres Verständnis der politischen Zusammenhänge soll außerdem ein Pflichtpraktikum in einem der Politikfelder dienen. "Wir helfen aber auch bei der Vermittlung zusätzlicher Praktika und nutzen dafür gern unsere Beziehungen zu Politikern, Top-Managern und Medienleuten", sagt Korte. Stolz erzählen die Studenten im Anschluss an Clements Vorlesung von ihren ersten Ausflügen in die Praxis, wie etwa in die Abteilung Regierungsplanung der Staatskanzlei NRW, wo Jan Dobertin sein Pflichtpraktikum absolvierte. Er habe dort bei der Vorbereitung von Reden des Ministerpräsidenten mitgeholfen, Rechercheaufgaben übernommen und Veranstaltungen mit vorbereitet, berichtet der 27-Jährige.
 

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