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MBA via Internet
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Kostenlos, aber selten zielführend

MBA via Internet-Kurs

Teil 4: Zertifikate kosten

Ums Geld verdienen geht es den Hochschulen bisher nicht. Professor Terwiesch unterrichtet in MOOCs, weil sie "toll und cool sind und der Gesellschaft dienen". Ein bisschen was bleibe aber schon auch hängen, rechnet er vor: Von den Teilnehmern, die bis zum Ende durchhalten, wollen 2000 ein Zertifikat haben, das sie etwa Arbeitgebern vorlegen können.

Die Plattform Coursera, auf der sein Kurs läuft, nimmt dafür wie viele andere Geld – zwischen 30 und 90 US-Dollar um genau zu sein. Bei 50 Dollar Gebühren kommen dann doch 100.000 Dollar zusammen, die die Plattform und die Hochschule untereinander aufteilen.

Weil Wharton schon "sehr, sehr gute Gehälter zahle", bekomme Terwiesch eine kleine "Anerkennungsprämie", wie er sagt.

Identitätstest durch Tastatur-Anschlag

Noch weiß keiner so recht, was diese Zertifikate am Ende auf dem Arbeitsmarkt wert sind. "Online steht dem Schwindel Tür und Tor offen", sagt denn auch Wharton-Professor Terwiesch, dessen Hochschule künftig weitere Coursera-Seminare anbieten will.

Denn ob wirklich der die Prüfung ablegt, der vorgibt, vor dem Computer zu sitzen, ist schwer nachzuprüfen. Coursera versucht anhand des Tastaturanschlags der Teilnehmer, die Identität zu überprüfen.

Branchenkenner Wilson ist skeptisch, dass Arbeitgeber diese Zertifikate goutieren. Die wüssten, dass man im Schnitt mit einem Absolventen einer Elitehochschule wie Harvard oder Insead wenig falsch macht. Auf die Hochschulen zu achten senkt das Risiko von Fehlgriffen.

Mit und ohne Service, Coaching, Netzwerk

Denn die fast 100.000 Euro Gebühren zahlen Studenten eben nicht nur für Nobelpreisträger im Hörsaal. Sie zahlen es für den Karriereservice, das Coaching, das Netzwerk. Die Studentin Laurie Pickard weiß das. Sie sagt, sie habe sich durch ihre Arbeit schon ein Netzwerk aufgebaut. Sie hat bisher alle Kurse beendet, aber sich keine Zertifikate ausstellen lassen.

Dass sie nicht mit einem Gehalt rechnen kann wie echte MBA-Absolventen, ist ihr klar. Wie sie ihren eigenen "MBA" am Ende in ihrem Lebenslauf einbaut, weiß sie heute noch nicht, vielleicht unter Weiterbildung, mit einem Link zu ihrer Webseite. "Ich bin mir sicher, dass Arbeitgeber es finden werden."

Dieser Artikel ist erschienen am 28.04.2014

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