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Das Studium in Harvard ist für viele ein Traum.
Die Harvard University in CambridgeFoto: spiritofamerica/Fotolia.com
Spitzenuniversitäten im Ausland

Harvard, ENA & Yale: An diesen Hochschulen werden Träume wahr

Teil 3: Yale – mit Fallstudien in die Karriere-Spur

DARUM YALE

Johann Rebl macht seinen MBA an der Yale School of Management in New Haven, Connecticut. Der 25-Jährige stammt aus Schwandorf in Bayern und hat nach dem Abitur ein duales Studium gemacht, bei dem er eine Ausbildung zum Industriekaufmann mit einem Wirtschaftswissenschaftsstudium kombiniert hat. Nach einem Praktikum bei einer Unternehmensberatung wechselte er an die traditionsreiche US-Elite-Uni, die Absolventen wie den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti hervorgebracht hat.

>> Ich habe schon immer davon geträumt, in den USA zu studieren. Mich haben die großen Unis fasziniert, die international für die Qualität der Lehre und auch für ihre berühmten Absolventen bekannt sind. Deshalb habe ich mich an mehreren US-Unis beworben, aber Yale war mein Favorit. Die Yale School of Management hat mit etwa 300 Studenten einen kleinen Jahrgang im Vergleich zu anderen US-Unis. Das war mir wichtig, weil die Uni dadurch nicht so überlaufen ist und ich meine Kommilitonen besser kennenlernen konnte. Außerdem vertritt Yale Werte, mit denen ich mich identifiziere. Wir lernen nicht nur, wie wir unternehmerisch Gewinne erzielen, sondern sprechen auch häufig über soziale Verantwortung und welche Auswirkungen eine Geschäftsentscheidung auf die Gesellschaft hat. Das war für mich ein sehr wichtiger Aspekt.

Das Auswahlverfahren

Das Bewerbungsverfahren besteht aus drei Stufen: Zuerst habe ich mich über ein Online-Formular beworben. Dafür musste ich Informationen zu meinem Werdegang angeben, ein Motivationsschreiben verfassen, meine GMAT-Testergebnisse eingeben und einen Essay zu persönlichen Erfahrungen schreiben. Das Thema meines Essays war: "Beschreibe eine Situation, in der du positiven Einfluss auf eine Organisation hattest, sei es als Mitarbeiter, Mitglied oder Außenstehender." In der zweiten Stufe musste ich kurze Fragen per Video beantworten. Mir wurden drei Fragen gestellt und ich hatte jeweils 30 Sekunden Zeit, um mir eine Antwort zu überlegen und habe dann per Video eine Antwort von einer Minute Länge aufgenommen. Da waren auch Fragen dabei, die mich aus dem Konzept bringen sollten, zum Beispiel: "Was ist deine Lieblingsstadt?"

Der letzte Schritt war ein Interview mit zwei Mitarbeitern der Auswahlkommission, das ich via Skype geführt habe. In dem Gespräch sollte ich vor allem über mich selbst sprechen. Meinen Lebenslauf hatten die Interviewer ja gelesen, es ging also eher darum, mich als Person kennenzulernen. Ich sollte erklären, was mein Plan für die Zukunft ist, wieso ich gerade jetzt den MBA machen will und warum an der Yale School of Management. Aber auch klassische Fragen waren dabei, zum Beispiel nach meinen Stärken und Schwächen. Ein paar Wochen später bekam ich einen Anruf: Ich hatte es geschafft.

Das Studium

Mein MBA-Programm an der Yale School of Management dauert drei Jahre, das reguläre Programm nur zwei Jahre. Das ermöglicht den Studenten nochmal mehr Flexibilität als ein zweijähriges Programm. Ich habe 2015 mit dem Studium angefangen und habe nach dem ersten Jahr ein Gap Year gemacht, in dem ich drei Praktika absolviert habe: bei der deutschen Niederlassung einer Investment-Bank, bei einem Private-Equity-Unternehmen in London und noch ein Praktikum im amerikanischen Headquarter der Investment-Bank.

Das Studium an sich ist weniger theoretisch als an deutschen Unis. Wir arbeiten vor allem mit Fallstudien und sollen Methoden entwickeln, wie wir konkrete Probleme lösen statt Formeln auswendig zu lernen. Diese Praxisorientierung gefällt mir sehr gut. Im ersten Jahr mussten wir noch einige Pflichtkurse belegen: Volkswirtschaftslehre, Buchführung, um die Grundlagen zu schaffen. Mittlerweile darf ich mir meine Kurse frei aussuchen.

Pro Tag wende ich etwa acht Stunden fürs Studium auf. Außerdem engagiere ich mich noch ehrenamtlich: In meinem ersten Jahr habe ich gemeinsam mit Kommilitonen einen europäischen Club gegründet und habe politische Diskussionen, Abendessen und andere kulturelle Events organisiert. Vor allem habe ich mich um neue Studenten gekümmert, die gerade ihre Zulassung für Yale bekommen haben oder sich noch im Bewerbungsprozess befinden. Außerdem war ich bei einer studentischen Unternehmensberatung aktiv und bei einer Non-Profit-Organisation, die von Yale-Studenten gegründet wurde, um Obdachlosen und Arbeitslosen zu helfen.

Die Kosten

Bei der Bewerbung muss man nachweisen, dass man über einen gewissen Betrag verfügt, sonst bekommt man kein Visum. Dieser Betrag liegt bei ungefähr 200.000 Dollar. Ich habe ein DAAD-Stipendium bekommen, das zwar recht hoch ist, aber letztlich nur etwa ein Viertel der Studiengebühren abdeckt. Die übrigen Kosten habe ich mit Ersparnissen finanziert.

Die Jobchancen

Die Unternehmen kommen aktiv auf die Yale-Studenten zu. Es gibt regelmäßige Abendessen mit Unternehmern und Alumni. Es ist wirklich wichtig, dass man zu diesen Events geht: Ich habe dort wichtige Kontakte geknüpft und wertvolle Einblicke in die Unternehmen erhalten. Für mich waren diese Events vor allem deshalb wichtig, weil ich vorher noch keine Erfahrungen mit Investment-Banking hatte, aber gerne in diesem Bereich arbeiten wollte. Bei diesen informellen Kontakten konnte ich verstehen, wie diese Branche funktioniert und wie die Menschen ticken.

Informelle Kontakte spielen bei der Jobsuche eine sehr große Rolle. Meinen Praktikumsplatz bei der Investment-Bank habe ich zum Beispiel dank des Hinweises eines Kommilitonen gefunden. Im Mai mache ich meinen Abschluss. Danach werde ich ins Investmentbanking einsteigen. <<

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 18.01.2018

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