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Das Studium in Harvard ist für viele ein Traum.
Die Harvard University in CambridgeFoto: spiritofamerica/Fotolia.com
Spitzenuniversitäten im Ausland

Harvard, ENA & Yale: An diesen Hochschulen werden Träume wahr

Teil 2: ENA in Straßburg – traditionelle Verwaltungshochschule mit berühmten Alumni

 DARUM ENA

Axel Leisenberg hat sein Abitur in Erfurt gemacht und anschließend an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaft studiert. Anschließend zog er fürs Studium nach Frankreich. Vor wenigen Tagen hat der 28-Jährige sein Studium an der Elite-Uni École nationale d'administration (ENA) beendet. Es gibt nur wenige französische Minister, die diese traditionelle Verwaltungshochschule nicht besucht haben.

>> Bereits während meines Bachelorstudiums habe ich ein Auslandssemester in Frankreich verbracht. Das hat mir so gut gefallen, dass ich meinen Master auch in Frankreich gemacht habe: in Straßburg an der Sciences Po, die für Politikwissenschaftler eine echt gute Adresse ist. Danach hatte ich das Glück, auch meinen ersten Job in Frankreich zu finden: Knapp zwei Jahre lang habe ich in der Verwaltung einer Pariser Universität gearbeitet.

Da wollte ich aber noch ein bisschen weiterkommen. Ich hatte mich gut in Frankreich eingelebt und konnte mir gut vorstellen, in Frankreich zu bleiben. Andererseits konnte ich mir auch vorstellen, irgendwann nach Deutschland zurückzukehren. In Deutschland herrscht in der Verwaltung allerdings ein Juristenmonopol: Da als Nicht-Jurist reinzukommen, ist relativ schwierig. Die ENA ist in Frankreich die Top-Elite-Universität für zukünftige Spitzenbeamte. Sie bietet auch ein internationales Programm an: dafür werden 30 internationale Studenten aufgenommen, darunter drei aus Deutschland – zusätzlich zu den gut 90 französischen Studenten, die an der ENA studieren.

Das Auswahlverfahren


Für Deutsche ist die einzige Möglichkeit, an die ENA zu kommen, die Aufnahme in das Stipendienprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Ich habe deshalb sowohl das Auswahlverfahren der ENA durchlaufen, als auch das Verfahren des DAAD. Für beides musste ich zunächst eine klassische Bewerbung mit Motivationsschreiben schreiben. Für die ENA musste ich dann noch zusätzlich eine Aufnahmeprüfung für internationale Studenten bestehen. Diese Prüfung dauert einen ganzen Tag lang: wir mussten unter anderem einen Aufsatz schreiben, zum Beispiel zu Frankreichs Rolle in der Welt. Außerdem wurde Wissen über die französische Verwaltung rechtliche und ökonomische Fragen, internationale Beziehungen, Europäische Union abgefragt. Das waren teilweise Multiple Choice-Fragen, zum Beispiel: "Wie hoch ist Frankreichs Staatsverschuldung?" Zusätzlich gab es noch einen schriftlichen Sprachtest, in dem wir Lückentexte ausfüllen und einen weiteren Aufsatz schreiben mussten. Allerdings mussten wir schon im Vorfeld der Bewerbung Sprachkenntnisse auf C1-Niveau nachweisen. Ein paar Monate später gab es noch ein mündliches Auswahlverfahren in der französischen Botschaft in Berlin, vor einer binational zusammengesetzten Auswahlkommission. Insgesamt hat sich der Bewerbungsprozess über ein halbes Jahr hingezogen. Dann kam endlich die Zusage.

Das Studium an der ENA

Insgesamt dauert das Studium an der ENA eineinhalb Jahre. Zuerst gibt es einen Einführungsmonat in Straßburg – zum gegenseitigen Kennenlernen und Vorbereiten auf das Praktikum. Dann folgt ein viermonatiges Praktikum in der französischen Verwaltung – ich war an der französischen Botschaft in Brüssel und durfte miterleben, wie EU-Gesetze verhandelt werden, wie die französische Position in Verhandlungen entsteht und wie man versucht, diese umzusetzen. Das war der spannendste Teil des ganzen Programms, denn da war ich richtig involviert und konnte überall hineinschnuppern. Allerdings war es auch eine intensive Zeit: ich habe täglich von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr abends gearbeitet. Ich konnte mir frei aussuchen, wo ich mein Praktikum machen möchte und musste es mir auch nicht selbst suchen: Stattdessen hat die ENA uns Praktikumsplätze vermittelt. Nach dem Praktikum ging es dann wieder nach Straßburg.

Insgesamt ist das Studium an der ENA viel anwendungsorientierter als an einer "normalen" französischen Universität, die für Frontalunterricht und lange Vorlesungen bekannt sind. An der ENA sitzen ja bereits studierte Leute, die auf ihre Rolle als Beamte in der französischen Verwaltung vorbereitet werden. Natürlich hören wir auch Vorlesungen zu rechtlichen und ökonomischen Themen. Aber dazu kommen viele praktische Elemente: Krisensimulationen, Verhandlungsseminare, Kommunikationstrainings oder Simulationen von Sitzungen des Europäischen Rats oder des Europäischen Parlaments. Außerdem haben wir Ausflüge gemacht, zum Beispiel zum Senat nach Paris, und haben in Kleingruppen einen Bericht für ein französisches Ministerium erarbeitet. Wir sollten nicht nur die ganze Zeit dasitzen und uns Notizen machen, sondern selbst Akteure sein.

Außerdem sind die Kurse an der ENA sehr klein: In meinen Englisch- und Spanisch-Sprachkursen waren wir nur zu fünft oder zu siebt. Und die räumliche Ausstattung ist auch top: Wir haben eine riesige Bibliothek für die kleine Zahl an Studenten.

Nebenbei habe ich mich noch an der Sorbonne eingeschrieben und eine Masterarbeit verfasst – das ist eine zusätzliche Option, wenn man zum Zertifikat der ENA noch ein Masterzeugnis dazu haben möchte.

Die Kosten

Es gibt keine Studiengebühren – die ENA wird vom französischen Staat finanziert. Die französischen Studenten an der ENA sind ja bereits Beamte auf Probe, sie bekommen also sogar schon ein Gehalt. Nach dem Studium wechseln sie dann an ihren ersten Posten in der französischen Ministerialverwaltung. Die internationalen Studenten sind keine Beamten und müssen sich nach ihrem Abschluss um Jobs bewerben. Ich habe meinen Lebensunterhalt mit dem Stipendium des DAAD finanziert.

Die Jobchancen

Ich habe vergangenen Monat meinen Abschluss gemacht und sofort eine spannende Stelle gefunden. Ab Februar werde ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der EU-Abteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt arbeiten. Mein Job wird es sein, die deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2020 vorzubereiten. Ich soll die Prioritäten, die Deutschland im Forschungs- und Bildungsbereich setzen will, mit definieren. Da ich schon immer gerne im EU-Bereich arbeiten wollte, bin ich sehr glücklich, dass das geklappt hat. Beim Bewerbungsgespräch hat es mir definitiv geholfen, dass die Verantwortlichen die ENA kannten, das hat mir schon Anerkennung eingebracht.

Insgesamt bin ich dank der ENA karrieretechnisch besser aufgestellt für eine Tätigkeit im internationalen Bereich und auf EU-Ebene, aber auch in der deutschen Verwaltung. Ich kann mir auch vorstellen, später wieder nach Frankreich zurückzukehren und dort zu arbeiten. In Frankreich hat man mit einem ENA-Abschluss in der Tasche auf jeden Fall beste Voraussetzungen.

An der ENA gibt es auch gute Möglichkeiten, informelle Kontakte zu Ministerialbeamten zu knüpfen. Die kommen aus der Praxis zu uns, um unsere Seminare zu leiten. Am Anfang der Ausbildung haben wir deshalb eine Visitenkarte mit dem Logo der ENA bekommen, die wir interessanten Kontakten mitgeben können. Und natürlich schließen wir auch Freundschaften mit unseren Kommilitonen. Meine Freunde werden sich in der französischen Verwaltung und Politik hocharbeiten. Dadurch habe ich ein Netzwerk, das mir sicherlich später noch nutzen wird. <<



DARUM YALE

Johann Rebl macht seinen MBA an der Yale School of Management in New Haven, Connecticut. Der 25-Jährige stammt aus Schwandorf in Bayern und hat nach dem Abitur ein duales Studium gemacht, bei dem er eine Ausbildung zum Industriekaufmann mit einem Wirtschaftswissenschaftsstudium kombiniert hat. Nach einem Praktikum bei einer Unternehmensberatung wechselte er an die traditionsreiche US-Elite-Uni, die Absolventen wie den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti hervorgebracht hat.

>> Ich habe schon immer davon geträumt, in den USA zu studieren. Mich haben die großen Unis fasziniert, die international für die Qualität der Lehre und auch für ihre berühmten Absolventen bekannt sind. Deshalb habe ich mich an mehreren US-Unis beworben, aber Yale war mein Favorit. Die Yale School of Management hat mit etwa 300 Studenten einen kleinen Jahrgang im Vergleich zu anderen US-Unis. Das war mir wichtig, weil die Uni dadurch nicht so überlaufen ist und ich meine Kommilitonen besser kennenlernen konnte. Außerdem vertritt Yale Werte, mit denen ich mich identifiziere. Wir lernen nicht nur, wie wir unternehmerisch Gewinne erzielen, sondern sprechen auch häufig über soziale Verantwortung und welche Auswirkungen eine Geschäftsentscheidung auf die Gesellschaft hat. Das war für mich ein sehr wichtiger Aspekt.

Das Auswahlverfahren

Das Bewerbungsverfahren besteht aus drei Stufen: Zuerst habe ich mich über ein Online-Formular beworben. Dafür musste ich Informationen zu meinem Werdegang angeben, ein Motivationsschreiben verfassen, meine GMAT-Testergebnisse eingeben und einen Essay zu persönlichen Erfahrungen schreiben. Das Thema meines Essays war: "Beschreibe eine Situation, in der du positiven Einfluss auf eine Organisation hattest, sei es als Mitarbeiter, Mitglied oder Außenstehender." In der zweiten Stufe musste ich kurze Fragen per Video beantworten. Mir wurden drei Fragen gestellt und ich hatte jeweils 30 Sekunden Zeit, um mir eine Antwort zu überlegen und habe dann per Video eine Antwort von einer Minute Länge aufgenommen. Da waren auch Fragen dabei, die mich aus dem Konzept bringen sollten, zum Beispiel: "Was ist deine Lieblingsstadt?"

Der letzte Schritt war ein Interview mit zwei Mitarbeitern der Auswahlkommission, das ich via Skype geführt habe. In dem Gespräch sollte ich vor allem über mich selbst sprechen. Meinen Lebenslauf hatten die Interviewer ja gelesen, es ging also eher darum, mich als Person kennenzulernen. Ich sollte erklären, was mein Plan für die Zukunft ist, wieso ich gerade jetzt den MBA machen will und warum an der Yale School of Management. Aber auch klassische Fragen waren dabei, zum Beispiel nach meinen Stärken und Schwächen. Ein paar Wochen später bekam ich einen Anruf: Ich hatte es geschafft.

Das Studium

Mein MBA-Programm an der Yale School of Management dauert drei Jahre, das reguläre Programm nur zwei Jahre. Das ermöglicht den Studenten nochmal mehr Flexibilität als ein zweijähriges Programm. Ich habe 2015 mit dem Studium angefangen und habe nach dem ersten Jahr ein Gap Year gemacht, in dem ich drei Praktika absolviert habe: bei der deutschen Niederlassung einer Investment-Bank, bei einem Private-Equity-Unternehmen in London und noch ein Praktikum im amerikanischen Headquarter der Investment-Bank.

Das Studium an sich ist weniger theoretisch als an deutschen Unis. Wir arbeiten vor allem mit Fallstudien und sollen Methoden entwickeln, wie wir konkrete Probleme lösen statt Formeln auswendig zu lernen. Diese Praxisorientierung gefällt mir sehr gut. Im ersten Jahr mussten wir noch einige Pflichtkurse belegen: Volkswirtschaftslehre, Buchführung, um die Grundlagen zu schaffen. Mittlerweile darf ich mir meine Kurse frei aussuchen.

Pro Tag wende ich etwa acht Stunden fürs Studium auf. Außerdem engagiere ich mich noch ehrenamtlich: In meinem ersten Jahr habe ich gemeinsam mit Kommilitonen einen europäischen Club gegründet und habe politische Diskussionen, Abendessen und andere kulturelle Events organisiert. Vor allem habe ich mich um neue Studenten gekümmert, die gerade ihre Zulassung für Yale bekommen haben oder sich noch im Bewerbungsprozess befinden. Außerdem war ich bei einer studentischen Unternehmensberatung aktiv und bei einer Non-Profit-Organisation, die von Yale-Studenten gegründet wurde, um Obdachlosen und Arbeitslosen zu helfen.

Die Kosten

Bei der Bewerbung muss man nachweisen, dass man über einen gewissen Betrag verfügt, sonst bekommt man kein Visum. Dieser Betrag liegt bei ungefähr 200.000 Dollar. Ich habe ein DAAD-Stipendium bekommen, das zwar recht hoch ist, aber letztlich nur etwa ein Viertel der Studiengebühren abdeckt. Die übrigen Kosten habe ich mit Ersparnissen finanziert.

Die Jobchancen

Die Unternehmen kommen aktiv auf die Yale-Studenten zu. Es gibt regelmäßige Abendessen mit Unternehmern und Alumni. Es ist wirklich wichtig, dass man zu diesen Events geht: Ich habe dort wichtige Kontakte geknüpft und wertvolle Einblicke in die Unternehmen erhalten. Für mich waren diese Events vor allem deshalb wichtig, weil ich vorher noch keine Erfahrungen mit Investment-Banking hatte, aber gerne in diesem Bereich arbeiten wollte. Bei diesen informellen Kontakten konnte ich verstehen, wie diese Branche funktioniert und wie die Menschen ticken.

Informelle Kontakte spielen bei der Jobsuche eine sehr große Rolle. Meinen Praktikumsplatz bei der Investment-Bank habe ich zum Beispiel dank des Hinweises eines Kommilitonen gefunden. Im Mai mache ich meinen Abschluss. Danach werde ich ins Investmentbanking einsteigen. <<

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