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Fördern von Talenten
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Chicago Booth | Interview

Fördern und Forschen für die Karriere

Interview: Stefani Hergert
Der Chicago-Booth-Chef Sunil Kumar ist überzeugt, dass der erste Job nach dem MBA nicht so wichtig ist und kostenlose Onlinekurse den Hörsaal nicht ersetzen werden.
Der Dekan der Wirtschaftsfakultät der Universität von Chicago hat einen Salon im Fünf-Sterne-Hotel Baur au Lac direkt am Zürichsee in der Schweizer Hauptstadt als Treffpunkt vorgeschlagen, dem ersten Hotel am Platz. Als Statement will er das aber nicht verstanden wissen. Der Club der Ehemaligen hat den Ort ausgewählt, am Abend haben die Alumni zu einem Treffen mit Ehrengast Sunil Kumar hierher eingeladen.

Herr Kumar, sind die Managementhochschulen in einer Sinnkrise?

Wir bilden Führungskräfte aus und kreieren Wissen, das ist Teil unserer Identität. Wir müssen uns dem Markt anpassen. Ein Beispiel: In unserem Vollzeit-MBA-Programm ist die Zahl der Absolventen, die in den Finanzsektor gehen, von 60 Prozent auf 30 Prozent gesunken. Andere Branchen sind attraktiver geworden. Der Technologiesektor etwa, da fangen heute mehr Absolventen an als früher. Das zeigt, wie sich Hochschulen wie unsere verändern, wenn sich der Markt ändert.

An vielen Business-Schools gehen 30 bis 40 Prozent der Absolventen in den Finanzsektor, genauso viele in die Beratung. Sind Managementhochschulen nur noch die Nachwuchs-Pipeline für Banken und Beratungen?
Sunil Kumar, Chef der Chicago Booth School of BusinessFoto: Chicago Booth
Da muss ich widersprechen. Den Wert einer Hochschule kann man nicht am ersten Job der Absolventen messen, sondern daran, wo die Absolventen etliche Jahre nach dem Abschluss arbeiten. Unsere Ausbildung soll nicht auf den ersten Job vorbereiten, sondern auf den Rest des Lebens, einen MBA macht man schließlich nur einmal im Leben. Solange unsere Absolventen in allen Branchen zu finden sind, sind wir erfolgreich.

Dekane renommierter Business-Schools haben auf einer Konferenz in Barcelona konstatiert, dass sich viele MBA-Studenten nicht für akademische Inhalte, sondern allein für den Job nach dem Studium interessieren. Sollte eine Managementhochschule nicht mehr sein als ein Karriereservice?

Ich mache unseren Studenten klar: Ihr werdet alle Jobs bekommen und solltet eure Zeit bei uns für das nutzen, was wir euch bieten. Wir gelten schließlich als eine der forschungsstärksten Business-Schools. Wir sind eine Hochschule, kein Karriereservice-Büro.

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