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Geldwerter Vorteil

MBA: Wo ist der Abschluss lukrativ?

Christoph Mohr
Die guten Zeiten sind zurück. Für die MBA-Absolventen des letzten Jahres wurden wieder Spitzengehälter gezahlt. Doch nicht der Titel bringt das große Geld, sondern der Abschluss der jeweiligen Schule. Wir zeigen, wo der MBA am lukrativsten ist.
Wo lernt es sich lukrativ? MBA-Einstiegsgehälter im VergleichFoto: © Gino Santa Maria - Fotolia.com
Die Presse liebt negative Schlagzeilen. Nachdem Zeitungen und Magazine aus aller Welt jahrelang den MBA als VIP-Eintrittskarte ins Topmanagement "gehypt" hatten, gab es in den letzten Monaten kalte Duschen für den Master of Business Administration. Tenor: Auslaufmodell MBA.Von wegen. "Genau das Gegenteil ist der Fall", behauptet Nunzio Quacquarelli, Ko-Geschäftsführer des Londoner MBA- Messeveranstalters QS Ltd., der die "World MBA Tour" an 43 Orten in der ganzen Welt organisiert. "Die Zeiten für MBA-Absolventen sind so gut wie seit Jahren nicht mehr. Die Gehälter, die geboten werden, erreichen Rekordniveau."

Die besten Jobs von allen

Gewaltiger GehaltssprungDie Umfrage, die QS Ltd. weltweit unter Recruitern durchführt, bestätigt den Trend. Danach sind die Gehälter für MBA-Absolventen nach zweijährigem Abschwung seit 2003 wieder stetig angestiegen und liegen derzeit bei rund 85.000 Dollar im Schnitt. Das ist im Zehnjahresvergleich ein Sprung um satte 20.000 Dollar.Und in der Spitze ist noch viel mehr drin. Nach dem aktuellen Ranking der Financial Times stiegen die MBA-Absolventen 2005, die ins Investmentbanking gingen, mit durchschnittlich 140.000 Dollar ein und immerhin noch mit 105.000, wenn sie ihren Abschluss außerhalb der USA gemacht hatten. Im Consulting, dem zweiten klassischen MBA-Jobmarkt, lagen die Gehälter bei 120.000 Dollar (US-Abschlüsse) beziehungsweise 99.500 Dollar (andere Abschlüsse).Deutschland im SchattenVon solchen Top-Einstiegsgehältern sind die Absolventen der führenden deutschen MBA-Anbieter allerdings Lichtjahre entfernt. So verbessern die Abgänger der Handelshochschule Leipzig (HHL) ihr Jahresgehalt mit dem MBA um gerade mal 12.000 Euro auf durchschnittlich 64.354 Euro.In ähnlicher Größenordnung bewegt sich die Gisma in Hannover, deren Alumni im Fünfjahresmittel auf 61.000 Euro kommen. Allerdings verweist die Schule auf die großen Gehaltsspannen, die sich aus der Berufserfahrung vor dem MBA ergeben: Mit weniger als zwei Jahren Jobpraxis vor dem MBA-Studium kamen die Gisma-Absolventen nach ihrem Abschluss auf lediglich 40.000 bis 50.000 Euro Jahresgehalt, bei mehr als vier Jahren immerhin schon auf 70.000 bis 80.000 Euro.Doch allmählich gewinnt auch der MBA in Deutschland an Stellenwert. Nach der soeben veröffentlichten "Kienbaum High Potentials Studie 2005", deren Detailergebnisse karriere vorliegen, wird der MBA-Abschluss mittlerweile von Unternehmen aller Bereiche - mit Ausnahme der Bau- und Immobilienbranche - einem Doktorhut vorgezogen. "56 Prozent der mittleren Unternehmen und rund 79 Prozent der großen Unternehmen favorisieren den MBA", hat die Personalberatung herausgefunden.Schule entscheidet Die grundsätzliche Akzeptanz von MBA-Abschlüssen auf dem Arbeitsmarkt bedeutet aber noch keinen (Geld-)Wert an sich. Was wirklich zählt - und sich auszahlt -, ist der MBA dieser oder jener Schule. Eine Übersicht der Economist Intelligence Unit verdeutlicht dies mit Gehaltszahlen aus den Top-Business-Schools der Welt: So bewegten sich die Einstiegsgehälter von MBA-Absolventen US-amerikanischer Schulen selbst im "mauen" Jahr 2004 durchweg über dem weltweiten Schnitt: Wharton-Abgänger kassierten 85.000 Dollar, Kellog-Schüler kamen auf 88.000 und Absolventen der Harvard Business School sogar auf 94.300 Dollar im Schnitt.In Europa steht die französische Top-Schule IMD Lausanne mit 123.000 Dollar Jahresdurchschnittsgehalt ihrer Absolventen einsam an der Spitze. Aber auch die Konkurrenten Insead/Fontainbleau, London Business School und IESE in Barcelona können sich mit Salären zwischen 90.000 und 100.000 Euro gut sehen lassen.Hinter den Durchschnittszahlen verbergen sich indessen gewaltige Spannen, wie der Blick etwa auf die Absolventenstatistik der London Business School zeigt: Die "MBA employment statistics 2004/05" weisen etwa für den MBA-Jahrgang 2004 ein Durchschnittsgehalt von 101.831 Dollar aus. Tatsächlich reicht die Bandbreite von 33.420 Dollar für den MBA-Abgänger mit dem niedrigsten Einstiegsgehalt bis zum Spitzenverdiener mit 187.500 Dollar. Und während die Absolventen, die in London blieben, durchschnittlich 109.267 Dollar einstrichen, musste sich, wer nach Lateinamerika ging, mit gerade mal der Hälfte, nämlich 55.463 Dollar, begnügen.Gut ist, was teuer istBei allen Variationen, die die Vergütung von MBAlern je nach Branche, Unternehmensgröße oder Region aufweist - ein Ergebnis ist offenkundig: Es sind gerade die teuren MBA-Schulen, die die besten Gehaltsperspektiven bieten. Die Kosten eines MBA-Studiums sind hoch, für deutsche Verhältnisse mitunter sogar astronomisch. Aber wer bei Studiengebühren von 50.000 bis 100.000 Dollar an einer Top-Schule die vermeintlich preisgünstigere Alternative wählt, läuft Gefahr, eine Milchmädchenrechnung zu machen.Denn letztlich zählt, was langfristig herauskommt. So gehört in die Kalkulation eines MBA-Studiums auch die des Return on Investment: Welche Investition in Studiengebühren zahlt sich wie schnell in Jahresgehältern aus? Die Statistiken über Absolventengehälter sind dafür keine Garantie, aber doch eine gute Rechengrundlage.Rotterdam - und dann?Wir sind ihnen auf den Fersen geblieben, den Siegern unseresMBA-Stipendium-Wettbewerbs. Was ist aus den Absolventen der Rotterdam School ofManagement geworden? Wo haben sie Karriere gemacht? Oder haben wir am Ende aufdie FalWie sieht er wohl aus, der ideale MBA-Student? Diese Frage stellt sich die Jury von karriere und Rotterdam School of Management jedes Jahr, wenn sie den Sieger des Stipendium-Wettbewerbs kürt. Eine schwierige Wahl - erhält der Sieger doch die gesamte Preissumme.Eine halbe Stunde bleibt den Probanden, um sich um Kopf und Kragen zu reden. Und manchmal reichten fünf Minuten, um die Jury für sich zu gewinnen. Die hatte immer auch ein Faible für ungewöhnliche Kandidaten und einen untypischen Studienhintergrund: Ein Diplom-Forstwirt oder eine Lektorin sind nicht gerade klassische MBA-Bewerber. Aber sie bekamen ihre Chance und nutzten sie.Unsere Stipendiaten und ihr Werdegang zeigen vor allem eines: Der MBA ist gerade nicht nur der Karriere-Turbo für Leute mit Standardprofil: Vorne geht der BWLer rein, hinten kommt der Investmentbanker oder Berater raus. Das Studium erlaubt, sich neu zu erfinden. Und tatsächlich gut bezahlte Jobs in Bereichen zu ergattern, von denen man sonst nicht einmal geträumt hätte. Oder etwas ganz anderes machen - auf eigene Rechnung. Einer der fünf Rotterdam-Sieger ist heute erfolgreicher Unternehmer.Annegret Cox, 37 "Geldmäßig gesehen, war es eher kein Erfolg", lacht Annegret Cox, Siegerin des RSM-Stipendium-Wettbewerbs 2001. Ihr erstes Gehalt nach dem MBA lag 40 Prozent unter dem vor ihrem Studium. Was an den Zeiten lag und nicht am MBA. "Ich bin halt in der Dotcom-Ära aus dem Vertrieb einer US-Firma zu einem Startup gewechselt", erklärt sie.Ihren MBA hat die Diplom-Informatikerin keinen Tag bereut. "Durch ein Praktikum während des Studiums bei einer Venture- Capital-Firma lernte ich den Chef meines heutigen Arbeitgebers kennen", beschreibt Cox ihren Einstieg bei der kleinen Münchener Firma NXN. Dort konnte die RSM-Absolventin dann alles einbringen, was man an einer Business School so lernt: Strategie, Businesspläne schreiben, Marketing.Mittlerweile wurde NXN von einer US-Firma übernommen, Cox ist nach einem Jahr Babypause seit vergangenem Oktober wieder Teilzeit an Bord. "Mein neuer Chef hat auch einen MBA, wir sprechen dieselbe Sprache", freut sich die Produktmanagerin. Geld ist eben nicht alles - selbst für MBA-Absolventen nicht.Gero Lueben, 33 "Ohne den MBA wäre mein Karrierewechsel nicht möglich gewesen", ist Millenniumsstipendiat Gero Lueben heute noch überzeugt. "So bekam ich die Chance, aus der Fachnische als Umwelttechnik- Ingenieur herauszukommen und in eine unternehmerische Aufgabe zu wechseln." Allerdings erst im zweiten Anlauf. "Nach dem MBA-Studium war ich zuerst im Business Development bei einer Drei-Mann-Softwarefirma in der Nähe von Pforzheim. Das entwickelte sich leider nicht so, wie ich gehofft hatte." Nach sechs Monaten klinkte er sich aus und machte sich weiter auf die Suche. Vor knapp zwei Jahren landete er bei einer jungen Softwarefirma in Konstanz, stieg als Teilhaber ein und ist heute geschäftsführender Gesellschafter der Exorbyte GmbH.Auf dem Konto ausgezahlt hat sich sein MBA bisher nicht. Lueben verdient noch immer deutlich weniger als vor dem MBA-Studium. "Unternehmer halt!", lächelt er. Seine Selbstständigkeit aufgeben will er trotzdem nicht mehr. Nebenbei führt Lueben sein Ehrenamt für eine heilpädagogische Einrichtung in der Schweiz weiter. "Da gibt es Pläne, die sind fast noch spannender als das, was ich gegenwärtig mache."Katrin lorenz, 32 Was will denn eine studierte Germanistin bloß mit einem MBA, fragte die Jury, als sich Katrin Lorenz 2002 um das RSM-Stipendium bewarb. Die Literaturwissenschaftlerin arbeitete zu diesem Zeitpunkt als Lektorin für einen Münchener Verlag. Ein schöner Job eigentlich, doch Lorenz wollte höher hinaus. "Ins Management", lautete dann auch ihre Antwort an die Jury, "dorthin, wo die wichtigen Dinge passieren." Dies und ihre anschließende Präsentation überzeugte die Juroren. So wechselte die Verlagsfrau mit Hilfe ihres MBA knapp zwei Jahre später tatsächlich radikal die Branche und stieg als Managerin beim Pharmakonzern Eli Lilly ein.Mittlerweile ist Katrin Lorenz wieder im Mediengeschäft gelandet, wenn auch nicht dort, wo Bücher gemacht, sondern wo welche verkauft werden: Als Produktmanager Media betreut sie beim Online-Buchhändler Amazon die Sparten Musik und DVD und ist verantwortlich "für die Steigerung von Umsatz, Absatz und Profitabilität der beiden Produktlinien". Auch ein schöner Job - und mit MBA in der Tasche zweifellos ein ganzes Stück leichter.
 

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