Alkohol in der Schule

Mathe und Bier: Trinkexperimente an Schulen

dpa
Im Filmklassiker „Die Feuerzangenbowle“ war Alkohol im Unterricht ein Schülerstreich. Im Land Brandenburg sind Trinkexperimente in Schulen ganz offiziell erlaubt. Andere Bundesländer werden neugierig: Nützt das etwas gegen Komasaufen?
Viele Berliner Kinder trinken schon mit 11 Jahren AlkoholFoto: © davidundderriese - Fotolia.com
Ein kleines Bier oder ein Gläschen Sekt, serviert vom Lehrer im Schulunterricht der 9. oder 10. Klasse? Was nach verkehrter Welt klingt, ist in Brandenburg erlaubt. Die Suchtberater sehen sich in Deutschland als Vorreiter, wenn es um neue Wege geht, Jugendliche vom „Komasaufen“ abzuhalten. Denn die Probleme im Rest der Republik sind die gleichen: Ein Teil der Jugendlichen trinkt viel zu viel. Doch nicht alle Präventionsstrategen sind von Trinktests in Schulen begeistert. Die Hauptstadt Berlin, in der fast jede Woche Jugendliche mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus kommen, sieht sie kritisch.
„Lieber schlau als blau“, heißt das Pilotprojekt, das Ende 2008 in Brandenburg an den Start ging. Herumgesprochen hat es sich erst in diesem Jahr. Das Konzept ist vom Gesundheitsministerium des Landes gewollt und wird finanziell gefördert. Simone Schramm aus der Suchtpräventions-Fachstelle hat aber immer noch viel zu erklären. Ihr wichtigster Satz lautet: „Es geht hier nicht um Rauscherfahrungen.“ Es gehe darum, dass Jugendliche in der Schule beobachten und lernen, wie schon geringe Mengen von Alkohol wirken. Ein Ziel sei, dass sie
sich danach selber Regeln für die nächste Party setzen: von der Alkohol-Menge bis zum Weg nach Hause.
"Kenn dein Limit"In der Präventionsarbeit hat schon länger ein Paradigmenwechsel eingesetzt. Es geht nicht um Verbote, sondern um einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol. „Kenn Dein Limit“ ist ein Leitsatz der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.Noch greift die neue Aufklärungstaktik wohl nicht: 2008 kamen nach der Bundesstatistik etwa 25 000 junge Leute mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Zahlen verdoppelt. Sorgen macht auch das Alter der Rauschopfer. Ihren ersten Schluck Alkohol trinken Berliner Kinder zum Beispiel schon mit 11 oder 12, mit 14 waren viele schon mal richtig „blau“. Bundesweit kennt ein Fünftel der Jugendlichen beim „Saufen“ kaum Grenzen.

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