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Nonverbale Kommunikation

Manager als Maestros

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Beim Dirigier-Seminar mit dem Rias-Jugendorchester lernen Führungskräfte ihre Außenwirkung kennen. Das Orchester trägt duch die Seminare zur eigenen Finanzierung bei.
Das Rias-JugendorchesterFoto: © Edgar Zippel
Christoph Gottschalk ist es gewohnt vor größeren Gruppen zu sprechen, sicher im Auftreten kann er andere in seinen Bann ziehen. Aber die Situation in den Probenräumen des Rundfunk Berlin-Brandenburg ist auch für ihn neu. Das Rias-Jugendorchester (RJO) wartet konzentriert darauf, dass Gottschalk den Einsatz zur Carmen-Ouvertüre gibt. "Das ist schon ein ziemlicher Nervenkitzel", sagt der 32-jährige Headhunter der Personalberatung Russell Reynolds. Das Seminar hat ihn, den Profi, gepackt.Das Dirigieren des 60-köpfigen Orchesters ist der Höhepunkt des zweitägigen Managerdirigierseminars. "Es gibt viele Parallelen zwischen dem Dirigieren eines Orchesters und der Arbeit von Managern in Unternehmen", erklärt RJO-Geschäftsführer Christian Reichart. Die Teilnehmer überprüfen ihre Führungsfähigkeiten und bekommen ein Gefühl für ihre Körpersprache. Vom Orchester erhalten die Neu-Dirigenten ein unmittelbares Feedback, ob sie überzeugend auftreten, Impulse geben und ihre Ideen vermitteln können. "Man hört es einfach sofort, ob sie einem folgen oder nicht", sagt Reichart.

Die besten Jobs von allen

Das RJO bietet die Seminare seit dem vergangenen Jahr an. Die Einnahmen sind der Eigenbeitrag der Musiker zum sechsstelligen Gesamtetat des Ausbildungsorchesters, in dem Musikstudenten aus ganz Europa spielen. Nachdem das Deutschlandradio Anfang 2005 seine Förderung einstellte, kümmert sich ein Förderkreis um die Finanzierung des RJO. "Das Orchester wollte aber selbst die Initiative ergreifen und nicht auf Subventionen warten", sagt Reichart. Mit den Seminaren will er 50000 Euro im Jahr einnehmen.Teilnehmen können bis zu zehn Leute. Am ersten Tag bekommen sie von Dozent Rainer Seegers eine Einführung in die Grundlagen des Dirigierens. Der Pauker der Berliner Philharmoniker erklärt die unterschiedlichen Taktarten, anschließend findet eine Klavierprobe statt. "Man braucht keine musikalische Vorbildung, aber man sollte klassische Musik mögen", sagt Reichart. Vorher werden CDs verschickt, damit sich alle in die Stücke einhören können. Abends bei einem Konzert der Berliner Philharmoniker gibt es Anschauungsunterricht von einem Profi am Pult. Am zweiten Tag kommt dann nach kleinen Übungen der Konzertdurchlauf mit dem Orchester, der auf DVD aufgezeichnet wird.Den Führungskräfte-Experten und Teilnehmer Gottschalk hat das Konzept überzeugt: "Gerade durch die Aufzeichnung kann man die Selbsterfahrung am Pult mit dem Blick von außen abgleichen." Das Geheimnis für Dirigenten und Manager sei, eine Mischung aus Führen und Delegieren zu finden. Auch das Orchester profitiert von der Arbeit mit den Dilettanten am Pult. Neben dem finanziellen Aspekt ist es eine gute Konzentrationsübung. "Wir müssen wachsam sein, um die Intentionen der Dirigenten zu erkennen, weil die wenigsten eine konventionelle Schlagtechnik haben", sagt Robert Herden, der Oboist. Gottschalk kommt gut durch sein Stück und erhält für seine Carmen-Interpretation anerkennenden Applaus - von den Musikern.Weitere Informationen finden Sie unter: www.managerdirigierseminar.de
Dieser Artikel ist erschienen am 01.03.2009
 

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