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Wichtige Auslandserfahrungen

Lust auf ferne Länder

Teil 2: Unnötiger Zeitdruck

Doch an den neuen Studiengängen gab und gibt es viel Kritik: Zu verschult, zu straff und zu unflexibel, ausgerichtet auf den schnellen Berufseinstieg und weniger dem breiten Wissenserwerb verschrieben, so lauten die Vorwürfe.

Die Folge: Ein Auslandssemester schien vor allem Bachelor-Studenten kaum in den Zeitplan zu passen. "Die Umstellung war neu für die Studenten. Alle dachten: Ich muss auf jeden Fall in sechs Semestern fertig sein", sagt Kercher.

Mittlerweile habe sich die Ansicht durchgesetzt, dass ein Auslandssemester auch lohnt, wenn man dafür ein bisschen länger studiert. Zudem hätten auch die Hochschulen reagiert und etwa vollgestopfte Studiengänge entrümpelt oder feste Mobilitätsfenster eingerichtet.

Bildungsforscher Christoph Ehmann macht indes vor allem statistische Effekte für den Anstieg der Auslandsmobilität verantwortlich. Derzeit würden auch Kurzaufenthalte von wenigen Wochen mitgezählt – für den ehemaligen Staatssekretär im Kultusministeriums von Mecklenburg-Vorpommern eine statistische "Verschönerung". Mit den Bologna-Reformen habe die Steigerung nichts zu tun.

Geld sollte keine Hürde sein

"Ein Auslandssemester kommt nicht von allein", erklärt Hochschulforscher Tino Bargel von der Universität Konstanz. Alle Beteiligten müssten etwas dafür tun. Studenten müssen viel organisieren, Hochschulen Angebote und Beratung ausbauen – und der Staat mehr für die finanzielle Förderung tun. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) fordert denn auch, die Finanzierung von Auslandsaufenthalten weiter zu stärken, vor allem für Studenten aus einkommensschwächeren Schichten.

 

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