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In die weite Welt

Lohnt sich die Steuererklärung im Ausland?

Katja Stricker
Auslandserfahrung braucht heute jeder. Doch wer "draußen" studiert, ein Praktikum macht oder jobbt, ist nicht immer automatisch weiter krankenversichert und muss unter Umständen an den ausländischen Fiskus Steuern zahlen. Welche Spielregeln für Studenten, Praktikanten und Nebenjobber gelten.
Ein Semester in Paris, ein Praktikum in den USA und nach dem Examen ein halbes Jahr als Animateur auf die Kanaren - deutsche Studenten und Absolventen zieht es gerne ins Ausland. Laut einer aktuellen Erhebung des Deutschen Studentenwerks hat fast jeder dritte Student vor dem Examen bereits jenseits der deutschen Grenzen studiert, ein Praktikum oder einen Sprachkurs gemacht.
Vorteilhaft für die späteren Berufschancen sind solche Trips allemal, sagt Karriereberater Jürgen Hesse vom Büro für Berufsstrategie in Berlin: "Ein oder zwei Auslandsstationen während des Studiums machen sich sehr gut im Lebenslauf, weil sie zeigen, dass der Bewerber auch über den nationalen Tellerrand geschaut hat".
Gleichzeitig lassen sich mit der Auslandserfahrung wichtige Soft Skills wie Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit nachweisen. "Ideal sind ein längeres Praktikum von zwei bis drei Monaten und ein bis zwei Auslandssemester", empfiehlt Hesse. Wo die Reise hingeht, spielt aus Karrieresicht eher eine untergeordnete Rolle.
Hauptziel EU und USA > Die Favoriten für ein Auslandsstudium sind derzeit Großbritannien, Frankreich, Spanien und die USA. Mehr als die Hälfte der Studenten zieht es in eines dieser vier Länder. Für ein Auslandspraktikum sind die USA, gefolgt von Großbritannien und Frankreich, bei Studenten besonders beliebt.
Mehr als drei Viertel der Auslandsaufenthalte finden in europäischen Ländern statt. Für Afrika, Asien oder Australien entscheidet sich nur ein Bruchteil. Gut die Hälfte der Studierenden hat den Auslandsaufenthalt selbst organisiert, die übrigen sind im Rahmen eines Austauschprogramms wie Erasmus ins Ausland gegangen.
Vorteil der innereuropäischen Variante: Dort gelten beispielsweise für Studenten und Praktikanten, die ein Pflichtpraktikum absolvieren, bei Krankenversicherung und Bafög ähnliche Spielregeln wie in Deutschland. Was Studenten, Praktikanten und Nebenjobber innerhalb und außerhalb der EU bei Krankenversicherungen und Steuern zu beachten haben und für wen es Auslandsbafög gibt, lesen Sie auf den folgenden Seiten.
EU Damit das Auslandssemester nicht bei der Berechnung der Fachsemester mitzählt, sollten Studenten für diese Zeit ein Urlaubssemester nehmen. Freistellungen für maximal zwei aufeinander folgende Semester sind in der Regel gestattet, allerdings nicht zu Beginn des Studiums.
Semesterbeiträge werden auch für das Urlaubssemester fällig, der Krankenversicherungsschutz läuft weiter. Prüfungen und Leistungsnachweise an der Heimat-Uni können während des Urlaubssemesters nicht abgelegt werden. Alle, die kostenlos familienversichert sind, bleiben das innerhalb der EU - unabhängig davon, wo sie immatrikuliert sind.
Wer in einem EU-Land studiert, hat es auch bei der Krankenversicherung relativ einfach: Aufgrund bestehender Abkommen gilt die gesetzliche Krankenversicherung auch im europäischen Ausland. Voraussetzung: Der Student bleibt während des Aufenthalts an der deutschen Hochschule immatrikuliert und behält so seinen Studentenstatus bei der Versicherung.
Rechtzeitig vor Reiseantritt sollte bei der Krankenkasse ein gültiger Auslandskrankenschein oder ab kommendem Jahr die Europäische Krankenversicherungskarte angefordert werden. Sie muss meist bei der Immatrikulation und bei der Konsultation von Ärzten im Ausland vorgelegt werden.
Rücktransporte nach Deutschland sind in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht enthalten. Daher empfiehlt sich auch innerhalb der EU eine Auslandskrankenversicherung, die die Rückführung im Krankheitsfall regelt und zudem Extrakosten für Behandlungen im Ausland übernimmt.
Für privat versicherte Studenten gilt der Versicherungsschutz innerhalb Europas zeitlich unbegrenzt. Der Rücktransport ist allerdings auch hier nicht enthalten.
Weltweit Für Studenten im außereuropäischen Ausland besteht kein gesetzlicher Krankenversicherungsschutz. Wen es also nach Kanada, Australien, Japan, in die USA oder in ein anderes Land abseits der EU zieht, der muss sich privat versichern. "Ohne eine gültige Versicherung ins außereuropäische Ausland zu gehen kann sehr teuer werden", warnt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Besonders in Ländern wie den USA oder Kanada kann schon eine einfache Blinddarmentfernung, ein Knochenbruch oder Bänderriss einige tausend Euro kosten. Zudem müssen die Behandlungskosten häufig sofort in bar bezahlt werden.
Private Auslandskrankenversicherungen gibt es für Studenten laut Stiftung Warentest bereits ab 350 Euro pro Jahr, also für gerade mal einen Euro täglich. Kürzere Varianten kosten je nach Anbieter und Geltungsbereich zwischen 20 und 50 Euro monatlich; wer nach Übersee (vor allem USA) geht, muss aufgrund der sehr hohen Arztkosten mit Beiträgen zwischen 60 und 140 Euro pro Monat rechnen.
Eine günstige Alternative sind die Gruppenversicherungen des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD). So ist beispielsweise die Kombination aus Kranken-, Unfall- und Privathaftpflichtversicherung monatlich für rund 70 Euro (Männer) beziehungsweise 130 Euro (Frauen) zu haben (EU: 55 Euro).
Auch wer eine private Auslandskrankenversicherung abschließt, sollte ein Urlaubssemester nehmen und in Deutschland weiterhin Krankenversicherungsbeiträge zahlen. So stellt er sicher, dass er nach seiner Rückkehr nahtlos abgesichert ist, falls er zum Beispiel krank nach Hause kommt und nicht sofort weiterstudieren kann.
Privat versicherte Studenten sollten vor der Abreise checken, in welchen außereuropäischen Ländern der Schutz für sie gilt. Viele Kassen bieten automatisch einen weltweiten Schutz an, der meist auf maximal drei Monate begrenzt ist. Wer länger bleibt, muss eine Extraversicherung abschließen.
Auslands-Bafög Auch bei Auslandsaufenthalten gibt es Bafög. Die inländische Förderung können Studenten aber nicht einfach mitnehmen, sondern sie muss extra fürs Ausland beantragt werden, und zwar mindestens sechs Monate, bevor es losgeht. Voraussetzungen: mindestens ein Jahr Studium in Deutschland und mindestens ein Semester Auslandsaufenthalt.
Innerhalb der EU darf für das komplette Studium Auslands-Bafög kassiert werden. Außerhalb der EU ist die Förderung auf höchstens ein Jahr beschränkt. Dafür gibt es hier neben dem normalen Bafög-Satz monatliche Länderzuschläge: 120 Euro für die USA, 140 Euro für die Schweiz oder 85 Euro für Australien und Neuseeland. Zudem werden notwendige Studiengebühren bis 4.600 Euro pro Studienjahr und Reisekosten (einmal Hin- und Rückreise) gezahlt sowie eventuell ein Zuschuss zur Krankenversicherung.

Die besten Jobs von allen

EU Zur Krankenversicherung von Praktikanten hat fast jedes Land andere Regeln - auch innerhalb der EU. In vielen Ländern werden Praktikanten sozialversicherungspflichtig, sobald es Geld gibt. Häufig unterscheiden die Gesetze auch danach, ob es sich um ein Pflicht- oder ein freiwilliges Praktikum handelt.
Wer ein freiwilliges Praktikum macht, wird in der Regel im EU-Land sozialversicherungspflichtig und fällt damit unter das nationale Recht des Gastlandes. In dem Fall werden je nach Höhe des Verdienstes Sozialabgaben direkt vom Praktikantenlohn einbehalten - wie bei einem normalen Arbeitnehmer. Dafür kann der Praktikant während seines Aufenthalts das öffentliche Gesundheitswesen nutzen, das meist vergleichbar mit den medizinischen Leistungen in Deutschland ist.
Handelt es sich dagegen um ein Pflichtpraktikum im Rahmen des Studiums, gelten ähnliche Spielregeln wie für Studenten: Die deutsche Krankenversicherung bleibt gültig. Vorausgesetzt, man ist auch für die Zeit während des Auslandspraktikums weiterhin in Deutschland immatrikuliert und besitzt entweder seine eigene studentische Krankenversicherung oder ist über die Eltern noch kostenlos familienversichert.
Privat versicherte Studenten sind auch als Praktikanten innerhalb der EU weiter versichert. Eine entsprechende Bescheinigung sollten sie auf jeden Fall im Ausland dabei haben.
Es empfiehlt sich, auch während eines Auslandspraktikums ein Urlaubssemester zu nehmen. Die Semesterbeiträge müssen dann zwar wie gewohnt bezahlt werden, dafür bleibt aber bei der Berechnung der Regelstudienzeit (und eventueller Langzeitgebühren) das Urlaubssemester außen vor.
Weltweit Wer sein Praktikum außerhalb der EU absolviert, braucht eine private Auslandskrankenversicherung. Die gibt es je nach Anbieter und Geschlecht für 60 bis 140 Euro monatlich. Der DAAD bietet Praktikanten, die über eine offizielle Organisation wie beispielsweise Aiesec, Iaeste, das Leonardo-da-Vinci-Programm oder den Deutschen Famulantenaustausch ins Ausland gehen, eine Kombi aus Kranken-, Unfall- und Privathaftpflichtversicherung für erschwingliche 23,50 Euro im Monat an.
Privat Krankenversicherte haben in der Regel für bis zu drei Monate weltweiten Krankenversicherungsschutz - unabhängig davon, ob als Urlauber, Student oder Praktikant. Eine schriftliche Bestätigung sollte man sich vor der Abreise geben lassen. Wer ein längeres Praktikum plant, muss eine Extra-Police abschließen.
Auslands-Bafög Studenten können auch für die Zeit eines Auslandspraktikums Bafög erhalten, allerdings nur, wenn es sich um ein Pflichtpraktikum handelt, das mindestens zwölf Wochen dauert. In Ausnahmefällen gibt es die Förderung auch bei einem Praktikum außerhalb der EU, etwa wenn die praktische Erfahrung mit einem Studienschwerpunkt zusammenhängt oder direkt an ein Auslandsstudium im gleichen Land anschließt.
Steuern Gerade im Ausland erhalten Praktikanten sehr häufig zumindest ein kleines Gehalt. Setzt ein deutscher Konzern wie BMW, Siemens oder DaimlerChrysler einen Praktikanten für einige Zeit in einer seiner Auslandsniederlassungen ein, muss dieser seinen Verdienst ganz normal in Deutschland versteuern. Bleibt er mit seinem Einkommen unter dem Grundfreibetrag von 7.664 Euro pro Jahr, fällt überhaupt keine Steuer an.
Meist erhalten Praktikanten ihr Geld allerdings direkt vom ausländischen Unternehmen. Je nach Höhe des Verdienstes werden dann bereits vor Ort Steuern vom Lohn abgezogen. Die Steuerhöhe variiert von Land zu Land erheblich - selbst innerhalb Europas gibt es bisher noch kein einheitliches Steuerrecht. In der Regel verdienen Praktikanten im Ausland aber so wenig, dass sie unter die Steuerfreigrenze fallen, die es in vielen Ländern gibt.
EU Als Erntehelfer nach Frankreich, als Animateur auf die Kanaren oder als Mädchen für alles nach Disneyland: Studenten oder Absolventen, die in den Ferien oder nach dem Examen im europäischen Ausland jobben, fallen in der Regel in das dortige Sozialversicherungssystem und müssen im Gastland, wie jeder Arbeitnehmer, Sozialabgaben zahlen.
"Im Gegenzug muss ich dann wie ein Einheimischer die Leistungen der örtlichen Krankenversicherung in Anspruch nehmen", erklärt Ulrich Buschermöhle, Sozialversicherungsexperte beim Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC).
In Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder Spanien sind die Eigenbeteiligungen bei Arztbesuchen oder Medikamenten allerdings wesentlich höher als in Deutschland. In Frankreich gibt es beispielsweise eine Eigenbeteiligung von generell 30 Prozent der Arztkosten. Eine Zusatzversicherung, die diese Lücke schließt und den Rücktransport im Krankheitsfall regelt, ist daher eine sinnvolle Investition.
Entsendete Jobber, die bei einem deutschen Unternehmen, etwa einem Reiseveranstalter oder einer großen Hotelkette, anheuern und dann ins Ausland geschickt werden, haben Glück: Sie können bis zu zwölf Monate in Deutschland krankenversichert bleiben. Das heißt, die studentische oder freiwillige Krankenversicherung beziehungsweise die kostenlose Familienversicherung gilt auch im EU-Ausland weiter.
Weltweit Wer in Ländern außerhalb Europas arbeitet, mit denen Deutschland kein Sozialversicherungsabkommen hat, wird grundsätzlich in den örtlichen Sozialversicherungen zu den nationalen Bedingungen untergebracht.
"Der Nebenjobber wird häufig wie ein normaler Arbeitnehmer behandelt und zahlt reguläre Sozialabgaben", erklärt PwC-Berater Buschermöhle. Die Höhe variiert von Land zu Land. Besonders in asiatischen und afrikanischen Ländern gibt es oft keine Sozialversicherungspflicht und kein Sozialsystem nach europäischem Standard.
Außerhalb Europas ist daher für die Zeit des Auslandsjobs eine private Auslandskrankenversicherung auf jeden Fall notwendig, die meist zwischen 60 und 140 Euro monatlich kostet. Die günstige DAAD-Variante, auf die Studenten und Praktikanten zurückgreifen können, gibt es für Jobber nicht.
Privatpatienten sind in der Regel bis zu drei Monate weltweit versichert. Vor der Abreise sollte trotzdem eine schriftliche Bestätigung von der Krankenversicherung eingeholt werden - vor allem darüber, dass der Schutz auch gilt, wenn man im Ausland jobbt und nicht nur Urlaub macht.
Steuern Wer zum Geldverdienen für einige Monate ins Ausland geht, muss dort häufig auch Lohnsteuer zahlen - selbst innerhalb der EU. Denn ein einheitliches Steuerrecht gibt es nicht. Ute Otto, Teamleiterin International Executive Services bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG: "Wer direkt im Land selbst anheuert, etwa als Erntehelfer, Surflehrer oder bei einem ausländischen Unternehmen, wird in der Regel auch dort besteuert."
In den meisten Ländern wird die Lohnsteuer direkt vom Gehalt abgezogen. Zu viel gezahlte Steuern lassen sich zwar per Steuererklärung im Ausland theoretisch zurückholen. "Ob sich der Aufwand wirklich lohnt, eine Steuererklärung in Frankreich, Italien oder England zu machen, ist allerdings fraglich", gibt KPMG-Fachfrau Otto zu bedenken. Ohne einen lokalen Steuerberater, der natürlich Geld kostet, ist eine Steuererklärung im Ausland kaum machbar. Daher sollte man bei der Jobplanung direkt beim Unternehmen erfragen, was netto herauskommt.
Wer im gleichen Jahr auch in Deutschland Geld verdient hat, muss den Verdienst aus dem Auslandsjob bei seiner Steuererklärung in der Heimat mit angeben. Denn der Auslandsverdienst unterliegt dem so genannten Progressionsvorbehalt: Dieser erhöht den Steuersatz, den man auf sein deutsches Einkommen zahlen muss.
Versteuert werden muss der Nebenjob aber nicht zweimal. Das verhindern die Doppelbesteuerungsabkommen, die Deutschland mit mehr als hundert Ländern weltweit geschlossen hat, unter anderem mit fast allen EU-Ländern, USA, Kanada, Japan, Australien, China und Indien. Tipp: Um den Nachweis zu erbringen, dass das Gehalt bereits im Ausland versteuert wurde, sollten Auslandsjobber unbedingt ihre Gehaltsabrechnungen aufheben.
Wie viel Steuern anfallen, ist von Land zu Land sehr verschieden. Während zum Beispiel die Eingangssteuersätze in England und den USA bei niedrigen zehn Prozent liegen und in Frankreich bei gerade mal 15 Prozent, müssen in Italien ab dem ersten verdienten Euro 23 Prozent Steuern gezahlt werden, in Schweden und den Niederlanden sogar 32 und 33 Prozent.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.08.2005
 

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