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Semesterferien

Last Minute zum Ferienjob

Kirstin von Elm
Vor lauter Klausurstress keine Zeit zum Bewerben gehabt? Keine Angst: Der Zug mit den Sommerjobs ist noch nicht abgefahren. Hier gibt es auch kurzfristig noch Arbeitsmöglichkeiten für die Semesterferien.
Das Velotaxi: Strampeln für den FerienjobFoto: © PR
Thorsten Ott will mehr Frauen: "Meist werden unsere Velotaxis von jungen Männern gefahren, deshalb freuen wir uns besonders über Bewerberinnen", sagt der Mitarbeiter der Hamburger Agentur Trimotion. Das Unternehmen lässt 20 moderne Fahrradtaxen als originelles Beförderungsmittel und rollende Werbefläche durch die Hansestadt kurven.Die Chancen, kurzfristig noch einen Platz in diesem "bezahlten Fitnessprogramm" zu ergattern, stehen gut: "Unsere Saison dauert von April bis Oktober, die Fluktuation unter den Fahrern ist relativ hoch", erklärt Ott. Das liege vor allem daran, dass Fahrer, die auf regelmäßige Einnahmen angewiesen sind, lieber bei passender Gelegenheit auf langfristige Jobs mit Festgehalt wechselten. Wer die Semesterferien dagegen nutzen möchte, den Kontostand bei freier Zeiteinteilung aufzubessern, fährt mit den Hightech-Dreirädern nicht schlecht: Einen festen Stundenlohn gibt es nicht, statt dessen darf jeder Fahrer seine Tageseinnahmen abzüglich zehn Euro Servicepauschale behalten. Die Fahrgäste zahlen für den ersten Kilometer 2,50 Euro pro Person, danach einen Euro, Rundfahrten werden nach Zeittarif abgerechnet (7,50 Euro für eine halbe Stunde).

Die besten Jobs von allen

Fitnessprogramm inklusiveJe mehr in der City los ist, desto besser für Konto und Kondition. Wer zum Beispiel an einem belebten Samstag von zwölf bis 20 Uhr beherzt in die Pedale tritt, hat abends inklusive Trinkgeld oft über 100 Euro in der Tasche - stramme Waden und frische Luft inklusive. "Das Gefühl nach Feierabend, wenn man mit dicken Beinen nach Hause fährt und weiß, dass man das alles selbst erstrampelt hat, ist einfach großartig", schwärmt Student Kai, der schon in der letzten Saison dabei war. Nicht nur Hamburger haben Chancen auf etwas sommerliche Beinarbeit, Velotaxis fahren mittlerweile in 20 deutschen Städten. Neben Kondition und Kontaktfreude müssen Bewerber einen Gewerbeschein und einen (Mofa-)Führerschein mitbringen.Chauffieren, kellnern oder Promotion machen während des Studiums ist in Deutschland nicht erst seit Einführung der Studiengebühren studentische Realität. "Fast zwei Drittel der zwei Millionen Studenten müssen sich etwas dazuverdienen, für immerhin 30 Prozent wäre das Studium ohne Jobs überhaupt nicht zu finanzieren", erklärt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk in Berlin.Sofern nicht gerade Hausarbeiten oder Pflichtpraktika anstehen, sind die Semesterferien zum Geldverdienen ideal. Schließlich leidet der Lerneifer dann weniger unter Nachtschichten und anstrengenden Arbeitseinsätzen als während der Vorlesungszeit. Wer sich bisher noch nicht um einen gut bezahlten Job für den Sommer kümmern konnte, hat auch jetzt noch eine Last-Minute-Chance für die kommenden Semesterferien. Denn häufig werden Aushilfs- und Saisonjobs erst kurzfristig vergeben.Richtig suchen Eine gute Anlaufstelle ist das Studentenwerk, das in vielen Uni-Städten einen studentischen Arbeitsvermittlungsservice betreibt. Alternativ kann man sich an die regionale Arbeitsagentur wenden und natürlich regelmäßig den Stellenteil in der Lokalzeitung und in regionalen Anzeigenblättern sichten. Ratgeber-Autorin Sina Groß ("Clever studieren mit der richtigen Finanzierung", Verbraucherzentrale, 9,90 Euro) empfiehlt zudem den Blick aufs schwarze Brett der Fachbereiche oder vor dem Studentensekretariat: "Dort werden oft Jobs ausgeschrieben, die einen Bezug zum Studium aufweisen."Wer nicht unbedingt auf Kopfarbeit besteht, sondern bereit ist, bei der Arbeit auch mal kräftig ins Schwitzen zu kommen, hat gerade in den Sommermonaten gute Aussichten, kurzfristig einen Job zu finden: "Baugewerbe und Gastronomie haben jetzt Hochkonjunktur und suchen laufend frische Kräfte", bestätigt Daniel Cohn von der Arbeitsvermittlung "Heinzelmännchen" des Studentenwerks Berlin. Pro Jahr vermitteln die Berliner Heinzelmännchen knapp 30.000 Jobs. Der Schwerpunkt liegt auf Aushilfstätigkeiten wie kellnern, Bau- und Gartenarbeiten, Kinderbetreuung oder putzen. Daneben finden sich in der übersichtlich strukturierten Online-Datenbank auch viele anspruchsvolle Angebote, wie Urlaubsvertretungen, Übersetzungsarbeiten, Korrekturlesen, Nachhilfe oder IT-Jobs.Mehr Kohle für PC-Freaks Mit der eigenen Qualifikation steigt die Aussicht auf ein attraktives Entgelt. "Büroarbeiten liegen meist zwischen acht und zehn Euro pro Stunde, ein Nachhilfelehrer kann in den höheren Klassen zwölf bis 15 Euro verdienen, für einen Programmierer oder Webdesigner sind sogar deutlich über 15 Euro drin", weiß Daniel Cohn. Am unteren Ende der Skala finden sich Gastronomie und Haushalt, wo selten mehr als 7,50 Euro die Stunde gezahlt werden. Durchaus lukrativ ist dagegen ein Tagesjob als Umzugshelfer: "Da werden meist Pauschalen gezahlt, nach drei Stunden geht man zum Beispiel mit 36 Euro und vielleicht noch etwas Trinkgeld nach Hause und ist oft sogar noch gratis verpflegt worden", so Cohn.Die Konkurrenz durch 400-Euro-Jobber ohne Immatrikulationsbescheinigung hält sich nach Angaben von Vermittlungsprofis wie Daniel Cohn quer durch alle Branchen in Grenzen: Studenten seien bei den Arbeitgebern nach wie vor sehr beliebt, nicht nur, weil sie als motiviert und flexibel gelten, sondern auch, weil sie dem Betrieb oft viel Geld sparten.Semesterjob ohne Sozialabgaben Im Gegensatz zu Minijobbern, für die der Arbeitgeber pauschal 30 Prozent Steuern und Sozialabgaben zahlt, fallen für den Einsatz von kurzfristig Beschäftigten (bis zu zwei Monate am Stück beziehungsweise 50 Tage im Jahr) keinerlei Sozialabgaben an. Selbst wer mehr arbeitet, kostet den Chef mit gültiger Immatrikulationsbescheinigung meist nur Rentenversicherungsbeiträge (so genanntes Werkstudentenprivileg). Auf das Einkommen aus dem Semesterjob werden aber unter Umständen Steuern fällig. Meist arbeiten Studenten auf Lohnsteuerkarte und bekommen zunächst Steuern von ihrem Verdienst abgezogen. Am Jahresende können sie sich zu viel gezahlte Lohnsteuer über die Steuererklärung zurückholen. Wer unter einem Verdienst von 8.580 Euro pro Jahr bleibt, muss keine Lohnsteuer zahlen.
 

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