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Wirtschaft hilft Wissenschaft

Keineswegs uneigennützig

Stefani Hergert
Die Wirtschaft engagiert sich stärker an den deutschen Hochschulen. Altruistisch ist das nicht – die Firmen versprechen sich einen Mehrwert. Der Wissenschaft ist der Einfluss zwar nicht immer recht, aber ändern kann sie wenig.
Die Uni Witten/Herdecke wurde lange von Bertelsmann-Chef Mohn unterstütztFoto: © Private Universität Witten/Herdecke
Wenn Muhammad Yunus Geschäfte macht, dann nicht für die große Rendite. Der Gründer der Grameen-Bank hat das Konzept des „Social Business“ etabliert: Unternehmertum, das Wirtschaft und Soziales vereint. Für seine Idee, Kleinstkredite an Arme zu vergeben, hat der Bangladeschi im Jahr 2006 den Friedensnobelpreis bekommen.Mit Yunus lässt sich werben – auch im beschaulichen Oestrich-Winkel. Dort ist er Schirmherr eines neuen Lehrstuhls für Social Business an der EBS Universität. Und der ist gesponsert von Danone. „Wir besitzen eine gewisse Praxiserfahrung im Social Business und wollen jetzt auch die theoretische Entwicklung des Gedankenguts fördern“, sagt Danone-Manager Ramin Khabirpour.

Die besten Jobs von allen

Das Dreigespann Yunus, EBS und Danone ist eines von 500 Beispielen, das (Hoch)Schule macht: Lehrstühle, die zwar die Hochschulen verantworten, die aber von einem Unternehmen oder einer Stiftung bezahlt werden. Sie sind das sichtbarste Zeichen, dass die Wirtschaft der Wissenschaft unter die Arme greift. Aber längst nicht das einzige. Laut einer Studie des Stifterverbands ist jedes fünfte Industrieunternehmen an Hochschulen aktiv, von den Großunternehmen gar zwei von drei.Die Unternehmen machen das aber nicht aus Nächstenliebe – sondern weil sie etwas zurückbekommen wollen. Und von Dauer sind die Finanzspritzen oft auch nicht. Die Hochschulen hätten lieber Geld, das nicht an einen Lehrstuhl oder ein Projekt gebunden ist, Geld, mit dem sie einen nachhaltigen Kapitalstock aufbauen können. So wie es die Top-Unis in den USA mit ihren milliardenschweren Vermögen vormachen. Doch da machen die deutschen Firmen meist nicht mit.Zwar heißt es beim Stifterverband: „Das Engagement der Unternehmen steigt.“ Allerdings entgegnen Professoren wie Günther Schuh von der RWTH Aachen: „Eine Steigerung von nahezu nichts ist ja auch leicht möglich.“ Zwar überwies die Wirtschaft laut offizieller Statistik im Jahr 2008 rund 1,2 Mrd. Euro an die deutschen Hochschulen – 100 Mio. mehr als ein Jahr zuvor. Doch nach Schätzungen sind 60 bis 80 Prozent davon Auftragsforschung. Und das hat mit Engagement wenig zu tun. Das ist knallhartes Geschäft.
 

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