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Keine Liebe: MBA und Mittelstand
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Mittelstand und MBA

Keine große Liebe

Teil 3: MBA mit neuem Blickwinkel

Die Toprekrutierer bedienen diese ökonomische Logik. Umgerechnet 130.000 Euro im Jahr kann ein Absolvent verdienen, der bei einem US-Hedgefonds anheuert, ermittelte die MBA-Seite "Poets & Quants". 127.000 Euro bekommen Insead-Absolventen als Startpaket, wenn sie die Karriereoption MBB wählen. Bei den Finanzdienstleistern umfasst das Startpaket aus Grundgehalt und Anfangsbonus im Durchschnitt 108.000 Euro. 

Eine Industriefirma aus einem schmalen Tal im Siegerland tritt in diesem Rennen gar nicht erst an. "Bei solchen Gehältern können selbst die besten Mittelständler nicht mithalten", sagt Gerd Kerkhoff.

Bodenständige Unternehmen zahlen ihre Einsteiger auch bodenständig. Zwar sind in inhabergeführten Unternehmen auch außergewöhnliche und schnelle Karrieren möglich, die in gut bezahlte Spitzenpositionen führen. "Aber dick sechsstellige Jahresgehälter gleich am Anfang der Karriere – das ist für den Mittelstand ein No-Go", sagt der Düsseldorfer Berater.

Eine Frage des Risikos

Auch die Inhalte des MBA passen nicht immer in den Alltag in mittelständischen Unternehmen. Bestes Beispiel: die gehebelte Finanzierung, ein Konzept, das heute in BWL- und MBA-Seminaren gelehrt wird. Damit steigert ein Unternehmen seine Eigenkapitalrendite, indem es seine Bilanz mit Schulden füllt.

Für ein börsennotiertes Unternehmen mag das ein erfolgversprechender Weg sein – nicht aber für einen Mittelständler.

"Inhaber-Unternehmer wirtschaften mit eigenem Geld, deshalb sind sie vorsichtig, häufig risikoscheu", beschreibt Arnold Weissman die typische Denkweise. Sie bevorzugen hohe Eigenkapitalquoten, schätzen jahrzehntelange Treue der Mitarbeiter, Quartalsdenken ist ihnen schnurz, sie üben sich in strategischer Geduld.

Andere Denkweise

"Solche Denkweisen bedienen die Business-Schools gar nicht", sagt Marcel Megerle, der aus dieser Not eine Tugend machte: An der Zeppelin Universität gründete er einen Studiengang als Antithese zum gängigen MBA-Modell. Der Executive Master of Arts for Family Entrepreneurship wendet sich speziell an die künftigen Chefs in Familienunternehmen.

"Was der Nachwuchs können muss, lernt er bei uns im Betrieb", bekam Megerle oft von den inhabergeführten Unternehmen zu hören. Gemäß dieser Forderung baute er den Studiengang auf: Monat für Monat arbeiten die Studenten drei Wochen in ihrem Betrieb, dann kommen sie jeweils für eine Woche an die Universität. Natürlich greift der 21 Monate dauernde Masterstudiengang auch BWL-gängige Themen wie Strategie, Finanzierung, Wachstum und Marketing auf.

Aber der Blickwinkel ist ein anderer: Hier lernen die Studenten nicht, wie man die Wall Street mit Geschichten füttert, die den Aktienkurs treiben – sondern, wie man eine Eigentümerfamilie aus dem Schwarzwald zufriedenstellt, die das Unternehmen in 20 Jahren an ihre Kinder vererben will.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.03.2014
 

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