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Keine Liebe: MBA und Mittelstand
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Mittelstand und MBA

Keine große Liebe

Teil 2: Finanzielle Last

In Europa ist das genauso. Am französischen Insead lernen in jeder MBA-Klasse rund 1000 Studenten. Hier kommt die Kategorie "Mittelstand" in der Liste der Berufswege überhaupt nicht vor, weder als Sammelbegriff noch mit Verweis auf einzelne Unternehmen.

Stattdessen auch hier: Allein 100 Insead-MBAs pro Jahr heuern bei McKinsey an. Zusammengerechnet ging die Hälfte der Klasse, die vergangenes Jahr am Insead ihren Abschluss gemacht hat, entweder in die Beratung oder zu Finanzdienstleistern.

Den Rest des Stellenmarktes teilen sich Global Player aus der Industrie: Airbus, Deutsche Post, Bayer, Shell, Google, BP, Microsoft, Amazon und viele andere.

Bodenständigkeit und MBA passen nicht zusammen

Auch an der Berliner ESMT zeigt sich dieses Bild. Die Wirtschaftshochschule, die ihren Hauptsitz im Land der mittelständischen Weltmarktführer hat, entließ 40 Prozent ihres Jahrgangs 2012 in die Berufsfelder Finanzdienstleistung und Beratung.

Warum ist das so? "Der deutsche Mittelstand ist industriell geprägt. Diese Unternehmen haben eine innige Affinität zur Technik, sie lieben ihre Produkte", sagt Gerd Kerkhoff, Chef des Beschaffungsoptimierers Kerkhoff Consulting, der Mittelständler und Familienunternehmen als Kunden betreut.

Der MBA hingegen stellt ganz andere Werte nach vorne. "Was an den Business-Schools gelehrt wird, passt eher in die Welt der Konzerne", sagt Arnold Weissman. Er führte einige Jahre das elterliche Familienunternehmen in Franken und ist heute auf Beratung von Mittelständlern spezialisiert. "Wharton, MIT oder Kellogg haben wenig mit der bodenständigen Welt im Siegerland zu tun."

Top ist teuer

In der Tat prägen Kosten und Schulden die Logik der MBA-Studenten. Wer an einer Top-Hochschule aufgenommen wird, zahlt viel. Die Investition in den MBA dort summiert sich auf teils 100.000 Euro und mehr. Die fallen für Studiengebühren, Lehrmaterial sowie Miete und Alltagsausgaben an.

Allein 78 000 Euro Gebühren nimmt die London Business-School, fürs Wohnen und Sonstiges kann man locker noch einmal die Hälfte draufschlagen.

Diese finanzielle Last macht eine bestimmte Sorte von Jobs für MBA-Absolventen besonders attraktiv – nämlich jene, bei denen das Gehalt die Kosten des Studiums besonders schnell wieder einspielt.

 

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