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Keine Liebe: MBA und Mittelstand
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Mittelstand und MBA

Keine große Liebe

Axel Gloger
Karrieren im Mittelstand kommen weitgehend ohne MBA aus: Die besten Chancen haben hier Absolventen deutscher Universitäten. Wer eine Promotion vorweisen kann, hat einen Vorteil gegenüber demjenigen mit MBA-Abschluss. Andere Denkweisen und Gehaltsstrukturen trennen börsennotierte und Familien-Unternehmen.
Eine große Liebe scheint sie nicht zu sein, die Beziehung zwischen Mittelstand und den Wirtschaftshochschulen mit ihrem praxisnahen Managementstudium Master of Business Administration (MBA). Gerade einmal zwei Prozent der Vorstandschefs von Familienunternehmen haben ein MBA-Studium absolviert, fand das Institut für Familienunternehmen (IFF) heraus.

In den Lebensläufen der Firmenchefs dominiert die Ausbildung an einer deutschen Universität. "Eine Promotion hilft der Karriere in großen Familienunternehmen, der Berufseinstieg über eine Kaderschmiede eher nicht", schreiben die Autoren in der IFF-Studie.

Das erstaunt, versprechen doch die MBA-Anbieter mit großer Rhetorik, genau das zu vermitteln, was an der Firmenspitze gebraucht wird: Führungskompetenz, Gründerdenken, Strategie-Know-how und Praxisbezug.

Lockruf ohne Widerhall

Mit solchen Schlagworten bewirbt etwa die European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin ihren MBA-Studiengang. Andere Business-Schools stehen dem in nichts nach.

Doch in der Welt der inhabergeführten Unternehmen kommt dieser Lockruf so gut wie gar nicht an.

MBA-Absolventen jedenfalls haben das Thema "Karriere im Mittelstand" gar nicht auf ihrem Radar. Im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit stehen zwei andere Karrierewege – die Beraterlaufbahn und der Einstieg in der Finanzindustrie.

MBA für Berater

Davon zeugt jener typische Wortwechsel, der an der amerikanischen Wirtschaftshochschule Tuck vor allem dann öfter zu hören ist, wenn das Studienende naht. "Hast du schon mit MBB gesprochen?", fragen sich die Kommilitonen gegenseitig in der Seminarpause.

Diese Buchstabenformel ist Synonym für die drei mit Abstand stärksten Rekrutierer an der Business-School im US-Bundesstaat New Hampshire: McKinsey, Bain & Company und Boston Consulting Group (BCG). Die drei Großen im Beratungsgeschäft stellen allein 20 Prozent der Tuck-Absolventen ein.

 

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