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Mangelnder Praxisbezug

Karriere trotz Studienabbruch

Teil 2: Studienabbruch sollte wohl überlegt sein

In einigen Fällen sei es die einzig richtige Entscheidung, das Studium abzubrechen, so Kempin. "Wer sich zwingen muss, Interesse am eigenen Studienfach aufzubringen, wird höchstwahrscheinlich den Abschluss nicht schaffen – und im schlimmsten Fall bis zur Rente in einem unliebsamen Job arbeiten." Aber bevor man diese Entscheidung treffe, solle man gründlich nachdenken und nicht in einer Kurzschlussreaktion alles hinwerfen.

Zweifler sollten sich bewusst sein, dass es in jeder Ausbildung und in jedem Job Durststrecken gibt, die es zu überwinden gilt, sagt Kempin. "Wichtig ist zu erkennen, wo das Problem genau liegt, ob es dauerhaft ist und wie es sich beheben lässt."

Das rät auch Hans-Werner Rückert, Psychologe an der FU Berlin, Studenten, die sich nicht sicher sind, ob sie weitermachen sollen. Wer mit dem Gedanken spielt, sein Studium abzubrechen, solle sich zunächst vier Fragen stellen:

• 1.Ist das Problem tatsächlich das Studium?
• 2.Haben Sie versucht, das Problem zu lösen?
• 3.Studieren Sie das Fach, das Sie studieren wollten oder etwas, was Ihre Eltern wollten bzw. was aus wirtschaftlichen Gründen aussichtsreich klang?
• 4.Haben Sie mögliche Alternativen zu diesem Studium ausprobiert?

Wer sich mit allen vier Fragen intensiv auseinandergesetzt hat, wisse dann meist, was zu tun ist.

Vom Studienabbrecher zum Azubi

Wer dennoch unsicher sei, ob Praktikum, Fachwechsel oder Exmatrikulation die richtige Wahl sind, solle sich von Experten beraten lassen. Beispielsweise bei der Studienberatung oder den Fachschaften der eigenen Uni. Auch die Agentur für Arbeit könne passende Alternativen zum Studium aufzeigen, so Kempin.

Auch in vielen Unternehmen sind Studienabbrecher gern gesehene Azubis. Beim Programm "Your turn" der IHK Berlin beispielsweise bekommen Studienabbrecher die Chance, eine Ausbildung in den Bereichen IT, Großhandel und Immobilienwirtschaft zu absolvieren. Das Bildungsministerium hat 2014 das erste Pilotprojekt in dieser Richtung gefördert.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 16.03.2017
 

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