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Werfen Sie Ihre akademische Karriere nicht einfach hin
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Mangelnder Praxisbezug

Karriere trotz Studienabbruch

Kerstin Dämon, wiwo.de
Bald beginnt das neue Semester. Anstatt sich darauf vorzubereiten, spielt jeder zweite Student mit dem Gedanken, das Handtuch zu werfen. Ein Experte rät: Besser pausieren und die Alternativen planen.
Am 1. April beginnt an den deutschen Unis und FHs das Sommersemester. Schon jetzt sind so viele Studenten an den Hochschulen eingeschrieben, wie noch nie zuvor – im Wintersemester 2016/2017 waren rund 2, 8 Millionen Menschen immatrikuliert. Viele werden die Uni aber nicht mit einem Abschluss verlassen. Aktuell denkt jeder Zweite darüber nach, sein Studium abzubrechen. Das hat zumindest eine Umfrage unter 1.000 deutschen Studenten und Hochschulabsolventen im Auftrag von univativ ergeben. Der Personaldienstleister hat sich darauf spezialisiert, junge Absolventen nach dem Studium in einen Job zu vermitteln.

Zugegeben, wirklich sicher abbrechen wollen laut Umfrage nur vier Prozent der Studenten. Die Übrigen spielen nur mit dem Gedanken. Und das ist nicht ungewöhnlich: Selbst die, die ihr Studium bereits abgeschlossen haben, waren sich ihres Erfolges nicht immer sicher. Allerdings haben viele ihr Studium nur deshalb beendet, weil sie Angst um ihre Zukunft oder vor Ausgrenzung hatten. Nicht aus Überzeugung.

Enttäuschte Erwartungen und Überforderung

"Diese Ergebnisse zeigen, dass heutige Studenten den Hochschulabschluss als wichtige Voraussetzung für die Verwirklichung ihrer beruflichen Karriere sehen. Doch die Ausgestaltung der Studiengänge geht an den Wünschen vieler angehender Akademiker vorbei", sagt Olaf Kempin, der Gründer von univativ.

Einer der Hauptgründe, warum die angehenden Akademiker hinwerfen wollen, ist nämlich, dass ihnen der Praxisbezug fehlt. Dahinter folgen enttäuschte Erwartungen, Überforderung und ganz einfach: zu wenig Geld. Zu diesen Ergebnissen kommen auch Studien des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung. "Die Bologna-Reform hat es zwar geschafft, Wissenschaft und Praxis stärker zu verzahnen. Dass sich jedoch zwei von fünf Studenten in den vermittelten Inhalten nicht wiederfinden und sich von den Leistungsanforderungen überfordert fühlen, ist ein alarmierendes Signal", sagt Kempin.

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