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Studium

Karriere-Beschleuniger Juniorprofessur

Andrea Auler
Obwohl die ersten Erfahrungen mit Juniorprofessuren positiv sind, führen die Universitäten das Modell nur zögerlich ein. "Die Juniorprofessur sollte der Standardausbildungsweg in der Hochschullehre werden, ist aber bis jetzt nur ein Weg neben anderen", sagt Gero Federkeil vom Centrum für Hochschulentwicklung.
Kurosch Rezwan hat bereits internationale HochschulerfahrungFoto: © Jens Wunderlich
Gleich seine erste Vorlesung brachte Marcel Paulssen hohe Sympathiewerte ein. "Was gibt es denn heute so Neues?", fragte der Juniorprofessor eine Studentin in der zweiten Reihe, die lieber in der Zeitung las, statt seinen Ausführungen zu lauschen. Rote Ohren bei der Studentin, Gelächter bei den Kommilitonen. Das Eis war gebrochen. So einfach machten es ihm manche Kollegen nicht. "An meiner Uni hatte ich zwar keine Probleme, aber auf Tagungen und Konferenzen wurde ich oft nicht für voll genommen. Das war schon hart", sagt Paulssen. 36 war er, als er 2002 auf eine Juniorprofessur für Marketing an der Humboldt-Universität Berlin berufen wurde.Die Einführung der Juniorprofessur soll die akademische Uni-Karriere beschleunigen

Die besten Jobs von allen

Er gehört zur ersten Generation des noch jungen Karrieremodells. Durch die Einführung der Juniorprofessur vor sechs Jahren wollte die damalige Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, akademische Uni-Karrieren beschleunigen. Auch ohne Habilitation sollten junge Wissenschaftler eigenständig forschen und lehren und sich nicht in die jahrelange Abhängigkeit eines Professors begeben müssen. An vielen Unis stieß dieses neue Modell auf wenig Gegenliebe, Marcel Paulssen bekam das zu spüren.Kritiker befürchteten, dass die Juniorprofessur dem Qualitätsanspruch der klassischen Habilitation nicht gerecht wird. Vor allem ältere Professoren betrachteten die jungen Kollegen allenfalls als Professoren zweiter Klasse. Jetzt aber wendet sich das Blatt. Die Juniorprofessoren zeigen, was sie können. Die kritischen Stimmen verstummen. Dennoch wurden bislang erst rund 800 Juniorprofessoren berufen. Das ist etwa jede 20. Professorenstelle in Deutschland. Bei der Einführung hatte das Bundesbildungsministerium mit 6000 Stellen gerechnet. "Die Juniorprofessur sollte der Standardausbildungsweg in der Hochschullehre werden, ist aber bis jetzt nur ein Weg neben anderen", sagt Gero Federkeil vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Er hat die Umsetzung des Modells untersucht und seine Studie im vergangenen Jahr veröffentlicht. Dabei wäre ein weiteres Umdenken dringend erforderlich.Strengere Qualitätskriterien zeichnen die Juniorprofessur ausNur noch knapp 16 Prozent der Top-Absolventen können sich eine akademische Karriere vorstellen, vor einem Jahr waren es noch 19,2 Prozent. Das ergab eine Umfrage der Unternehmensberatung McKinsey unter 3000 Stipendiaten des Netzwerks E-fellows.net. Der Grund: die besseren Karrierechancen in der Wirtschaft. Kurosch Rezwan, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft Juniorprofessur, will daher weiter daran arbeiten, die Kritiker zu überzeugen. Wo hakt es noch an der Umsetzung des Modells? Wie kann der Verein den bundesweiten Austausch untereinander fördern? Es gebe noch einiges zu tun, sagt er. Der 33-Jährige ist seit 2006 Juniorprofessor für Biokeramik an der Uni Bremen. Objektiv gesehen gebe es keinen Grund, die Qualifikation in Frage zu stellen. "Die Juniorprofessur setzt strengere Qualitätskriterien voraus, die bei der klassischen Habilitation nur teilweise eine Rolle spielen."Anders als ein Habilitand, der am Lehrstuhl eines Professors beschäftigt ist und diesem zuarbeitet, ist ein Juniorprofessor für sein Forschungsgebiet selbst verantwortlich. Er verwaltet sein Budget eigenständig und kann Mitarbeiter einstellen. Ein Juniorprofessor sammelt meist mehr Lehrerfahrung, da vier bis sechs Semesterwochenstunden Lehre verpflichtend sind. Nach drei und nach sechs Jahren stehen zudem Bewertungen der Arbeit an. Nur bei erfolgreichem Bestehen hat der Jungakademiker die Chance, auf eine Lebenszeitprofessur berufen zu werden. Kurosch Rezwan, dem diese Prüfungen noch bevorstehen, findet das Konzept gut. Durch diese Kriterien werde die Bewertung transparenter. Das sei auch im Hinblick auf eine internationale Karriere von Vorteil.Keine einheitlichen Rahmenbedingungen erschweren die UmsetzungDurch Forschungsaufenthalte in den USA und Großbritannien kennt Rezwan die ausländischen Hochschulsysteme, die jetzt als Vorbilder herangezogen werden. "Der globale Wettbewerb macht auch vor den Hochschulen nicht Halt. Und man bekommt auf lange Sicht keine gute Mannschaft, wenn man nicht in den Nachwuchs investiert." Der gebürtige Schweizer hat selbst bisher gute Erfahrungen gemacht und kann das Modell jungen Akademikern nur empfehlen. "Es ist ein lohnender Karriereweg, wenn die Juniorprofessur richtig ausgestaltet ist." Trotz der anhaltenden Probleme sind die Juniorprofessoren insgesamt zufrieden. "Aus Sicht der Stelleninhaber hat sich das Modell bewährt", sagt Gero Federkeil vom CHE.Laut seiner Studie würden 71 Prozent der befragten Jungprofessoren wieder eine solche Stelle annehmen, nur 12 Prozent würden einen anderen Weg einschlagen, wenn sie nochmal wählen könnten. Trotzdem wünschen sich die meisten Jungprofs Verbesserungen des Konzepts. Da die Hochschulen Ländersache sind, gibt es keine einheitlichen Rahmenbedingungen. Zwar ist die Juniorprofessur in allen Bundesländern rechtlich verankert, die einzelnen Länder engagieren sich jedoch unterschiedlich stark. Die südlichen Bundesländer halten sich bislang zurück, viele norddeutsche Bundesländer hingegen sind schon seit 2002 dabei. Auch an den Hochschulen und in den Fachbereichen sind die Unterschiede groß. Besonders die Wirtschafts- und Naturwissenschaften sind beim Ausbau federführend. Die Geisteswissenschaften und Jura entdecken die Juniorprofessur erst langsam für sich. Hier offenbart sich das Generationenproblem am deutlichsten.
 

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