Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Kapitulation und der Schaden für die Absolventen
Foto: Peggy Boegner/Fotolia.com
Schluss mit MBA

Kapitulation im elitären Umfeld

Teil 4: Glanz durch geborgte Reputation


Der ESMT gelang das bei ihrer Gründung mit dem ersten Chef Derek Abell. Der nach Berlin importierte US-Professor hatte ein weltweites Renommee und war in der Business-School-Szene gut vernetzt.

Auch die HHL in Leipzig, die ihr Angebot in den nächsten Jahren weiter aufwerten will, lieh sich seniore Autorität: Von Horst Albach und Heribert Meffert, zwei Granden der deutschen BWL, bei denen jedem Insider ein "Oh, ja!" über die Lippen geht.

Die Leipziger richteten den beiden Emeriti vor einem Jahr ein eigenes Zentrum für Management ein. "Die geborgte Reputation ist gut für den Start – und um eine Eigenleistung mit mehr Glanz zu versehen", sagt Karlheinz Schwuchow, Professor an der Hochschule Bremen und zuvor Leiter und Berater mehrerer Business-Schools.

Zerrieben zwischen Extremen

Was aber nicht klappt, ist das Modell Gisma: Wer über Jahre nur von fremdem Ruhm lebt, kann keine eigenständige Existenz aufbauen. Das Ringen um den Erfolg zeigt, dass Management-Ausbildung ein Markt ist, auf dem dieselben Regeln gelten wie in anderen Geschäften. Der billige Aldi und der noble Feinkost-Käfer machen das Geschäft.

Wer sich aber mit seinem Angebot in der Mitte befindet, wird zwischen den Extremen zerrieben. Deshalb streben ESMT, HHL und die Frankfurt School in das obere Fünftel des Markts. Der MBA an diesen Hochschulen kostet denn auch mehr als 30.000 Euro.

Mit Authentizität überleben

"Anbieter wie die FOM stehen ebenfalls gut da, weil sie für den preisbewussten Massenmarkt produzieren", taxiert Professor Schwuchow die Strategie. Knapp 13.000 Euro, und damit nur etwas mehr als ein Drittel dessen, was Studenten an den Tophochschulen in Deutschland zahlen, kostet dort der MBA.

Die Gisma aber musste scheitern, weil sie in der Mitte gefangen war – dort, wo es weder top noch billig ist.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.09.2013
 

Fair Company | Initiative