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Kapitulation und der Schaden für die Absolventen
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Schluss mit MBA

Kapitulation im elitären Umfeld

Teil 2: Kräftiger Gegenwind


Der Fall der Gisma zeigt, dass Business-Schools nicht von selbst toll und groß werden. Auf dem deutschen Markt herrscht kräftiger Gegenwind. Das war bei der Gründung der ersten Business-Schools so, was die EBS und die WHU als Pioniere des Markts in den siebziger und achtziger Jahren zu spüren bekamen.

Geld für private Hochschulen ist bis heute knapp und schwer zu bekommen. Macher, die Managementhochschulen nach vorn bringen können, sind rar. Um die besten Studenten herrscht ein heftiger Kampf: Bewerber mit Topnoten, Praxiserfahrung und Hunger auf Neues, die von allen Schulen gesucht werden, sind eine nicht vermehrbare Ressource.

Hinzu kommt. "Der MBA ist bis heute nicht wirklich in Deutschland angekommen", sagt der Mitarbeiter einer hiesigen Business-School, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Achselzucken bei deutschen Unternehmen

Für diese These gibt es überraschende Evidenz. Zwar stehen Absolventen die Türen bei Unternehmensberatern und Investmentbanken weit offen. Aber dem typischen deutschen Unternehmen ist ein MBA-Abschluss nahezu gleichgültig.

Laut dem Institut für Familienunternehmen (IFF) hat von den 50 größten Familienunternehmen gerade ein einziger Vorstandschef einen MBA-Abschluss. Das ist ein Marktanteil von zwei Prozent.

Im konservativen, aber erfolgreichen Mittelstand, dem Rückgrat der deutschen Wirtschaft, gilt nach wie vor die Promotion als Türöffner für den Weg nach oben: 50 Prozent der Firmenchefs haben einen Doktortitel.

Auf einem guten Weg

Dennoch wagten sich immer mehr Business-Schools auf den deutschen Markt. Die WHU bekam 1993 eine Großspende des Handelsmilliardärs Otto Beisheim und steht seither solide da. Die ESMT erhielt bei ihrer Gründung im Jahr 2002 eine Mitgift: Mit 75 Millionen Euro im Portemonnaie lässt sich ein halbwegs guter Start hinlegen, erste Platzierungen in den weltweit wichtigen Rankings hat sie schon errungen. Auch die Frankfurt School ist auf einem guten Weg – dank einer gesicherten Finanzierung aus den Überschüssen der von ihr betriebenen Bankakademie.

Aber eine Etage tiefer rumpelt es kräftig. Die Universität in Frankfurt an der Oder gab kürzlich bekannt, dass ihr Viadrina MBA eingestellt wird. Die niederländische Tias-Nimbas Business School zog sich im Sommer 2011 Knall auf Fall vom deutschen Markt zurück. Zuvor hatte sie 16 Jahre von Bonn aus ihren Teilzeit-MBA angeboten.

 

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