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Kapitulation und der Schaden für die Absolventen
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Schluss mit MBA

Kapitulation im elitären Umfeld

Axel Gloger
Dass Wirtschaftshochschulen scheitern, passt nicht zu einer Branche, die Karriere und hohe Gehälter verspricht. Wer sein Zeugnis von einer Uni hat, die es nicht mehr gibt, kann wenig damit anfangen.
Können Managementhochschulen scheitern? So richtig gerne spricht niemand über dieses Thema. Es passt nicht in die Glitzerwelt, zu deren Versprechen Geld, Aufstieg und Ruhm gehören. Jede Kaderschmiede will schließlich als Erfolgsmacher dastehen, der seine Absolventen nach oben bringt.

Dennoch passiert es immer wieder: Managerschulen geraten in Schieflage, Probleme häufen sich, der Betrieb wird eingestellt.

Für Studenten ist das nicht schön. Denn selbst wenn sie ihr Studium noch zu Ende führen konnten, bleibt ein Makel: Das Abschlusszeugnis ist wie eine Aktie von Preussag, Mannesmann oder Hoechst. Papiere, die an keiner Börse mehr notiert sind, haben keinen Wert. Untergegangene Business-Schools haben keinen Ruf, auf den sich eine Karriere bauen lässt.

Todesstoß für Business-Schools

Die Fälle des plötzlichen Tods von MBA-Anbietern sind gar nicht mal so selten. Erst Mitte Mai geriet die Gisma in die Schlagzeilen, die Schule musste Insolvenz anmelden, bastelt momentan an einem Neustart mit neuem Konzept. "Kein Geld, keine Studenten", hieß es in der Gisma-Zentrale in Hannover.

In den letzten Jahren traf der Todesstoß aber noch mehr Business-Schools. Mindestens sechs MBA-Anbieter, die den schwierigen Kampf um die Existenz nicht schafften, zählte das Handelsblatt im Rahmen seiner Recherchen. Hinzu kommen Hochschulen, deren Zukunft ungewiss ist, etwa die durch Reputations- und Finanzprobleme angeschlagene EBS Universität in Wiesbaden und Oestrich-Winkel.

Fragwürdiges Konzept

Hoffnungsvoll hatte es in Hannover vor knapp 15 Jahren begonnen – endlich bekam Niedersachsen mit der Gisma eine eigene Business-School. Gerhard Schröder, damals Ministerpräsident, hatte sich persönlich für das Projekt eingesetzt. Steuergelder sorgten für den Anschub, Unternehmen förderten. Dennoch wurde die Gisma kein Selbstläufer.

Dekane und Geschäftsführer kamen und gingen. Über die Jahre sank die Zahl der Vollzeitstudenten im MBA-Programm von anfangs 70 auf zuletzt 24. Die niedersächsische Business-School konnte nie eine eigene Identität entwickeln: Professoren flogen für die Seminare aus den USA ein. Nach der letzten Stunde packten sie ihre Sachen und flogen zurück. Zurück nach Indiana, an die Partneruniversität Purdue.

Das kostete die Gisma Millionen. Geld, das am Ende weder die Studenten noch die Förderer einbrachten.

 

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