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Ángel Cabrera

"Ich sehe Menschen, die die Welt verändern wollen"

Stefani Hergert
Ángel Cabrera ist Chef der Thunderbird School of Global Management. Im Interview spricht er darüber, dass an den Business-Schools nun verstärkt über Verantwortung und Werte diskutiert wird. Er erkennt einen neuen Typ MBA-Student und fordert einen Eid für Manager.
Cabrera fordert eine berufsständische Vereinigung für ManagerFoto: © PR
Nach der Kritik, die Business Schools hätten durch ihre Ausbildungsinhalte die Verwerfungen der Finanzkrise mit verursacht: Wo stehen die Schulen heute?
An den Business Schools läuft eine Debatte und die geht in die richtige Richtung. Die Diskussion konzentriert sich auf die Verantwortung, die Business Schools in der Gesellschaft haben. 
Haben die Schulen denn wirklich herausgearbeitet, inwieweit sie eine Mitschuld an der Krise tragen? 
Einige Deans, darunter auch ich, haben die Schulen schon länger kritisch gesehen. Wir haben einen großen Teil der Verantwortung, wenn wir auch nicht die einzigen sind. Einige unserer Kollegen sagen zwar immer noch, die Schulen hätten keine Rolle gespielt. Aber immerhin wird unter den Professoren überhaupt diskutiert. 

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Was werden die Schulen verändern?
Wir müssen nicht nur auf die Lehre schauen, sondern auf die Werte, die hinter den Inhalten stehen. 
Was meinen Sie mit Werten? 
Business Schools haben jahrzehntelang geglaubt, dass sie Methoden vermitteln, keine Werte. Viele meiner Kollegen nehmen an, dass die Studenten ihr fertiges Wertegerüst mitbringen und man daran nichts ändern kann. Aber unsere Theorien und Methoden implizieren doch Werte. Und manchmal eben nicht die richtigen. Wir müssen eine ehrliche Diskussion darüber führen, welche Werte das Management leiten sollen, so wie es viele andere Disziplinen, etwa die Medizin, auch getan haben. 
Das müssen Sie erklären.
Wir lehren zum Beispiel die Agency-Theory, die annimmt, dass Manager egoistisch und opportunistisch sind. Oder nehmen Sie das Shareholder-Prinzip. Es suggeriert Managern, dass es reicht, die Shareholder zufriedenzustellen, egal was für schwierige Entscheidungen sie auch treffen müssen.
Vielleicht gibt es genau deshalb Leute, die glauben, dass der MBA in der jetzigen Form am Ende ist. 
Das ist nicht realistisch. Aber wir sehen Veränderungen. Jetzt kommt eine neue Generation von Studenten an die Thunderbird School. Die wollen nicht mehr nur eine erfolgreiche Karriere hinlegen. Ich sehe Menschen, die die Welt verändern wollen. Im Allgemeinen wählen die idealistischsten Studenten heute eine Karriere in der Medizin oder der Entwicklungsarbeit. Mein Traum ist es, dass diese Menschen in Zukunft an den Business Schools studieren. 
Ein idealistischer Typ von MBA-Student?
Ja, die größten Erfolgsgeschichten in der Wirtschaft wurden von idealistischen Menschen geschrieben. Google beruht auf der Idee, Informationen für jeden überall jederzeit zugänglich zu machen. Oder Apple. Das Unternehmen basiert auf dem Ideal, dass Technologie so einfach wie möglich ist, damit sie jeder nutzen kann.
Bisher ist das aber ein Traum. 
Ja, aber er ist realistisch.
Haben deshalb etliche Schulen schon Ethikkurse aufgenommen? 
Gewisse Werte und Verhaltensweisen wurden als fundamental für den Erfolg eines Managers erkannt. Das ist ein gutes Zeichen. Es gibt einen Trend hin zu mehr Kreativität, zu mehr Bedachtheit, zu mehr Differenzierung. Schulen bewegen sich von der Idee weg, dass Wirtschaft nur Verwaltung ist, wie es die Bezeichnung Business Administration suggeriert. 
Warum muss Management ein Berufsstand werden? 
Als Business Schools zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegründet wurden, wurden sie noch als Schmalspur-Trainingsstätten verspottet. Die Anerkennung als akademische Disziplin haben wir geschafft. Jetzt geht es darum, den gesamtgesellschaftlichen Nutzen hervorzubringen, den haben wir aus den Augen verloren.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.03.2010
 

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